Côte Atlantique

Die Atlantikküste der Region Aquitanien im Südwesten Frankreichs könnte unterschiedlicher zur Côte d’Azur am Mittelmeer kaum sein:
Der Atlantik ist hier auch im Hochsommer sehr frisch, meterhohe Wellen rollen Richtung Ufer, der Strand ist weitläufig und auch während der Hochsaison selten als „überfüllt“ zu bezeichnen. Fest installierte Schirmkolonnen gibt es nicht, dafür sind die Gezeiten spürbar, und auch bei strahlendem Sonnenschein im August ist dank steifer Brise am Meer keine drückende Hitze zu befürchten – auf den Sonnenschutz darf deswegen natürlich trotzdem nicht verzichtet werden.

An der Atlantikküste gilt: Schirme bitte selber mitbringen. Und gegen den Wind stellen.

An der Atlantikküste gilt: Schirme bitte selber mitbringen. Und gegen den Wind stellen. Foto: Johannes Endler

Wo am Mittelmeer häufig Hotelburgen den Ausblick verstellen, zieht sich der Küstenstreifen des Atlantiks hier in Form einer scheinbar ewigen Sanddüne entlang, die vor dem Sprung in den Ozean erst überstiegen sein will – denn alle Campingplätze und Unterkünfte in dieser Region befinden sich auf der Landseite, in teilweise dichtem und angenehm schattigen Pinienwald.

Wenige Hotels, dafür umso mehr Campingplätze: Le Porge-Océan, westlich von Bordeaux an der Atlantikküste.

Wenige Hotels, dafür umso mehr Campingplätze: Le Porge-Océan, westlich von Bordeaux an der Atlantikküste.                                                                                                                           Foto: Johannes Endler

Eine Überraschung wartet an der Meeröffnung Bassin d’Arcachon südwestlich von Bordeaux. Hier befindet sich Europas größte Wanderdüne, die Dune du Pilat, welche mit 2,7 Kilometern Länge und bis zu 110 Metern Höhe echtes Wüstenflair aufkommen lässt – allerdings wandern die Sandmassen durch starke Winde immer weiter ins Landesinnere, so dass sie von künstlichen Dämmen in Zaum gehalten werden müssen.
Hat man den höchsten Punkt erreicht, bietet sich ein beeindruckender Blick auf den Atlantik und die Möglichkeit, sein Können im Sandboarden unter Beweis zu stellen.

Dune du Pilat am Bassin d'Arcachon.

Die Dune du Pilat am Bassin d’Arcachon.

Im flachen Wasser des Bassins sind Windsurfer dank der beständigen Brise in ihrem Element, an der Küste tummeln sich die Wellenreiter in der Brandung.
Der Ort Soorts-Hossegor in der Nähe von Biarritz und das kleine Lacanau-Océan weiter nördlich sind sogar – neben Spots in Australien, Bali und Peru – ständig auf den Terminplänen der Surf World Tour vertreten, bei der sich die Besten dieses Sports messen. Die Events finden meist im Herbst statt, wenn die Wellen teilweise haushoch anwachsen.

Wellenreiten an Frankreichs Atlantikküste - auch von Profis geschätzt.

Wellenreiten an Frankreichs Atlantikküste – auch von Profis geschätzt.

Zwischen dem "Waschgang" relaxen - Lacanau-Océan.

Zwischen dem „Waschgang“ relaxen – Lacanau-Océan.

Noch ein Tipp: Wer mit dem Auto von Deutschland an Frankreichs Atlantikküste reist, hat die Möglichkeit, die Strecke zu großen Teilen abseits der mautpflichtigen Autobahn auf kostenfreien, schnurgeraden Routes nationales (Tempolimit 110 km/h) zurückzulegen.
Mit Navigationsgerät oder Blick in die Karte kein Problem, meistens verlaufen die RN auf dieser Strecke sogar parallel zur Autobahn – wer es also eilig hat, kann jederzeit auf die (teure) Überholspur wechseln.

Die Mitfahrer sollten die Zeit nutzen, in der gerade neu aufgelegten 8. Auflage des Reiseführers Südwestfrankreich zu schmökern – hier sind alle praktischen Tipps und Informationen zur Region zwischen den Hügeln der Pyrenäen an der spanischen Grenze bis hoch zur alten Festungsstadt La Rochelle zu finden.
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Von Glasfaserkabeln und einer Erinnerung an ganz wüste Wetterlagen – Eine Azoren-Auszeit mit Michael Müller

Ein Fischerort namens Lagoa_Copyright Michael Müller

Ein Fischerort names Lagoa © Michael Müller

An einer Pier der Inselhauptstadt Ponta Delgada hatte gerade die imposante „Skandi Seven“ auf einem Zwischenstopp nach Mobile/Alabama festgemacht. Aufgrund ihrer Aufbauten dachte ich, dass es sich in alter Azorentradition um ein Schiff zur Verlegung von Glasfaserkabeln quer durch den Atlantik handelt; seit der NSA-Affäre fallen einem solche Sachen noch stärker auf …
Die bis zu 120 Besatzungsmitglieder verlegen allerdings Rohrleitungen auf dem Meeresgrund des Golfs von Mexico: für Shell. Dabei braucht man das „Fossil“ Ölindustrie auf den Azoren immer weniger. Längst erzeugen zwei Geothermiekraftwerke den größten Teil der elektrischen Energie auf der Hauptinsel. Auf der kleinen Nachbarinsel Graciosa geht 2014 ein Pilotprojekt aus Sonnen- und Windenergie zusammen mit robusten Stromspeichern in Betrieb, welche die Insel völlig autark machen soll.

Aber eigentlich bin ich im Urlaub, möchte von Technik und ihren Problemen wenig hören, habe im  Verlag genug mit der Computerproblematik zu schaffen. Und die Erstellung der Apps – alle ohne (!) Roaming-Gebühren – erfordert höchste Konzentration.

Michael Müller beim Kochen an den heißen Quellen von Furnas - ein Säckchen Milho (Maiskolben) ist in zwanzig Minuten gar und bekommt einen unverwechselbaren Geschmack

Michael Müller beim Kochen an den heißen Quellen von Furnas – ein Säckchen Milho (Maiskolben) ist in zwanzig Minuten gar und bekommt einen unverwechselbaren Geschmack © Michael Müller

Vor vielleicht zwanzig Jahren war ich zuletzt auf dieser Inselgruppe mitten im Atlantik – von Deutschland aus gesehen auf halber Strecke zur Neuen Welt. Die Azoren und Madeira waren damals regelmäßig meine Anlaufpunkte zu Aktualisierungsarbeiten am Portugal Gesamt-Band. Meist fiel die Reise in den Spätherbst oder Winter, und ich habe Erinnerungen an ganz wüste Wetterlagen, bei denen der Wind so stark fegte, dass man jederzeit damit rechnen konnte, das Dach zu verlieren.

Cracas sind Riesenseepocken. Beim Herauspulen mit speziellem Werkzeug fühlt man sich wie ein Zahnarzt bei einer Wurzelresektion. Copyright Michael Müller

Cracas sind Riesenseepocken. Beim Herauspulen mit speziellem Werkzeug fühlt man sich wie ein Zahnarzt bei einer Wurzelresektion © Michael Müller

Nun, seit zehn Tagen habe ich mich mit meiner Familie auf der Hauptinsel Sao Miguel in ein Häuschen eingemietet und das sprichwörtliche Azorenhoch meint es gut mit uns. Wir gehen baden im 30 Grad erwärmten Meerwasser – durch heiße Quellen entsteht diese außergewöhnliche Temperatur – und wandern entlang eines von Hortensien gesäumten Kraterrandes von Sete Cidades. Ein entspanntes kleines Urlaubsparadies mit herzlichen Einwohnern und wenigen Touristen, die meist vom Festland kommen oder sich als Azoren-Amerikaner auf Heimatbesuch herausstellen.

Mal sehen, wie sich das Wetter bis zum Ende unserer Reise entwickeln wird. In einigen Wochen sind wir zurück in Erlangen, um die neue Reiseführer-Staffel für 2014 vorzubereiten. Ab Januar wird es dann auch die ersten Bände geben, zu denen die Apps umsonst mitgeliefert werden.