App in die Berge!

Seit gestern ist der blau-weiße Ausnahmezustand in München mal wieder Geschichte.
Unter den Augen der Bavaria drängten sich 6,3 Millionen Besucher des 181. Oktoberfests auf der Theresienwiese. Jedoch soll es tatsächlich auch Landeshauptstädter geben, die nichts mit den überfüllten Zelten, den Schwärmen von Grillhendln und den Sturzbächen aus Gerstensaft anfangen können.
Oder zumindest zwischendurch eine Auszeit brauchen. Münchens geographische Lage erlaubt es ja vergleichsweise einfach, ein Time-Out von Tracht, Trara und Trinkgelage zu nehmen und in frischer Bergluft durchzuatmen.
So nutzen auch wir das überaus milde Frühherbstwetter und verlassen die Stadt spontan zu einer  Halbtagestour in Richtung Berge. Wir entscheiden uns für den 1.565 Meter hohen Jochberg, der, zwischen Kochelsee und Walchensee gelegen, tolle Panoramen auf das Vorland verspricht und mit kurzer Anreise durch und durch als Hausberg der Isarstadt gilt.

Zunächst geht es vom Parkplatz an der Kesselbergstraße entlang bis zum Abzweig in den Wald, der die Motorengeräusche der Straße, welche von einigen Freizeitpiloten als Rennstrecke genutzt wird, schnell verschluckt. Der Anstieg bis zum zweiten Wegpunkt, der auf knapp 1.300 Metern eine erste tolle Aussicht bieten soll, ist mit etwa 400 Höhenmetern nicht ohne die eine oder andere Schweißperle und einen kleinen Schluck aus der Wasserflasche zu schaffen. Es soll sich jedoch lohnen!

Steil fällt die Felswand in Richtung flaches Vorland ab, und so ist der Blick bis zum Horizont unversperrt. Unter uns liegt blau-schimmernd der Kochelsee, in den man sich – zugegebenermaßen – nun kurz zum Abkühlen hineinwünscht.

Der Weg gabelt sich nun, rechts könnte man abkürzen und direkt den Einkehrschwung zur Jocheralm vollziehen, doch wahre Kraxler müssen zuerst das Gipfelkreuz berührt haben, um sich isotonische Getränke oder eine urige Brotzeit zu verdienen.
Im Gelände und freier Natur nicht unüblich, bleibt schon mal das Netz auf der Strecke. Kein Problem, wenn die Karten auch Offline verfügbar sind. Auf dem Schild kann man sich ja nochmals vergewissern. Und dann getrost dem Display trauen.

Die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel fordern nochmals festen Tritt und stramme Wadeln, dann öffnet sich der Blick auf den Walchensee und über das Karwendel bis zur Zugspitze auf der einen, auf das bayerische Alpenvorland mit Kochelsee auf der anderen Seite.
Unten am Fuß des Gipfelhangs lockt mit wehenden, blau-weißen Fahnen schon die Jocheralm, um vor dem Abstieg noch in der Sonne bei Kuhglockengeläut und selbstgemachten Kuchen zu entspannen, bevor die Alm wieder mit der Theresienwiese und die Wanderstiefel mit den Haferlschuhen ausgetauscht werden.
Flüchten kann man immer – ist ja gleich ums Eck‘.

Die Münchner Ausflugsberge sind als MM-Wanderführer in der 2. Auflage 2014 mit GPS Tracks & Waypoints und als MM Wander-App erhältlich.
Mit 38 Touren zwischen Zugspitze und Wendelstein, detaillierter Weg- und Anreisebeschreibung sowie Hinweisen zu Schwierigkeit und Familienfreundlichkeit kommen Sie mit Buch oder digital sicher hoch hinaus – App in die Berge!

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, 2. Auflage 2014, farbig, 14,90 EUR

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, 2. Auflage 2014, farbig, 14,90 EUR

Fotos und Text: © Johannes Endler

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$chnäppchen(p)reis€

 

Das Geld eher klein, die Reiselust dagegen groß: Das eine schließt das andere aber nicht unbedingt aus.

Das Budget eher klein, die Reiselust dagegen groß? Das eine schließt das andere nicht unbedingt aus.

Wer kennt sie nicht, die – einmal kleinlaut, dann wieder stolz und hintergründig – gestellte Frage: „Und, wie viel habt Ihr für den Flug bezahlt?“
Zeit, die Karten auf den Tisch zu legen. Im Grunde gibt es nur zwei Optionen für den Ausgang des Gesprächs. Entweder man outet sich als die Person, die zum selben Ort, zur selben Zeit, nur eben leider zum doppelten Preis angereist ist, deswegen jedoch keine Vorteile, sondern nur den mitleidigen Blick des Gegenübers genießt, welcher mit triumphalem Unterton die Urlaubsersparnis zu einer Jagdtrophäe stilisiert. Oder eben andersherum. Denn wer ist schon nicht stolz, ein Schnäppchen aus den Tiefen und Wirren des Web, sei es durch geschicktes Frühbuchen, schlichtes Glück, oder eben die Kenntnis einschlägiger Rabatt-Anbieter gefunden zu haben. Ohnehin macht es mehr Spaß, den Großteil des hart erarbeiteten und/oder ersparten Reisebudgets im Zielland, und nicht in den Taschen der Transportunternehmen und Unterkunftsanbieter zu lassen.
Hier ein paar Tipps für die nächste (günstigere) Buchung.

Übernachten

Der Blick auf die Seine, das Läuten des Big Ben, den Central Park als Vorgarten oder die Nähe zum Meer sind meist den 5-Sterne-Häusern vorbehalten. In den beliebten Metropolen sind die Übernachtungspreise in der City schnell mal im drei- bis vierstelligen Bereich angesiedelt.
Eine tolle Alternative ist AirBnB. Unbewohnte, jedoch voll ausgestattete Apartments, häufig in Top-Lage, können zum vergleichsweise niedrigen Preis angemietet werden. Nach kurzer Registrierung ist die Buchung obendrein versichert, bei eventuellen Problemen hilft AirBnB. Unterkünfte sind mittlerweile in 190 Ländern weltweit verfügbar, detaillierte Nutzerbewertungen und -beschreibungen erleichtern die Auswahl des Domizils.
Weitere Anbieter mit ähnlichem Konzept sind 9flats und Wimdu.

Fliegen

Die Websites für Flugpreisschnäppchen sind häufig mit nervtötenden Werbeanzeigen, unerwünschten Weiterleitungen und unübersichtlichen Suchmasken ausgestattet. Anders verhält es sich bei Skyscanner: Klares Design, Weiterleitung nur auf Wunsch und Suche in Millionen von Flügen von mehr als tausend Fluggesellschaften. Ebenso kann nach Autovermietungen und Hotels gesucht werden.
Skyscanner ist außerdem als kostenlose App für unterwegs erhältlich.

Niedriger Flug = Niedrige Preise? Wohl kaum, doch wer richtig sucht, der findet.

Niedriger Flug = Niedrige Preise? Wohl kaum. Doch wer richtig sucht, der findet.

Fahren

Dem innerdeutschen Monopol für Personentransport auf längeren Strecken wurde spätestens durch das breite Angebot von Mitfahrgelegenheiten und die Öffnung des Marktes für Fernbusse der Kampf angesagt. So ringen zahlreiche Anbieter von Busreisen um die Gunst der bahnmüden Kundschaft. Die teils lächerlich niedrigen Preise (München – Hamburg ab 5 Euro) täuschen allerdings nicht über die Tatsache hinweg, dass der Bus an das Verkehrsroulette der deutschen Autobahnen gebunden und deshalb nicht vor Stau, Sperrungen und Umleitungen gefeit ist.
Auch die technische Ausstattung wie (funktionierendes!) kostenfreies WLAN und die Qualität der sanitären Einrichtungen variieren von Fahrt zu Fahrt. Und so hat die Bahn mit dem IC Bus, der zu günstigen Konditionen auch europaweit pendelt, aus Preis-Leistungssicht doch wieder die Nase vorn und kann mit modernen, doppelstöckigen Bussen, On-Board-Service und Sauberkeit punkten.

Ohne Stau ein gutes Schnäppchen: Fernbusse.

Ohne Stau ein gutes Schnäppchen: Fernbusse.

Das Onlineportal Mitfahrgelegenheit hat mit einem neuen Buchungssystem und zusätzlichen Gebühren für Anbieter von Fahrten jüngst einige Nutzer vergrault, bleibt aber bis dato Marktführer. Einfacher und ohne Registrierung bucht man auf Besser-Mitfahren. Wer sich nicht durch sämtliche Seiten klicken will, dem sei Fahrtfinder ans Herz gelegt. Dieser Webdienst sucht in allen deutschen Portalen (außer Mitfahrgelegenheit.de) nach Möglichkeiten, es sich auf dem Beifahrersitz bequem zu machen und besticht, ohne Pop-Ups und Werbung, durch Übersichtlichkeit.

© Johannes Endler

App durch München!

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„Im August ist München leer“ – sagt der freundliche, schnauzbärtige Pakistani wissend. Was man von seinem kleinen, aber feinen Restaurant im Uni-Viertel zur Mittagszeit allerdings nicht behaupten kann. Und insgesamt herrscht – jedenfalls für meine Begriffe als Zug’roaster – zwischen Schellingstraße, Türkenstraße, LMU und Pinakotheken reger Betrieb. Junge, hübsche, hippe Leute, dann die deutlich zu erkennenden Kunst- und Stilliebhaber, Shoppingqueens (und -kings!) und bestimmt noch einige, die ihre Seminararbeiten vervollständigen, Nachholklausuren ablegen oder dicke, schlaue Bücher abgeben müssen und zwischen Institutsgebäuden und Bibliotheken hin und her „hetzen“.
Wir haben uns für den Spaziergang 6, „Ludwigstraße, Leopoldstraße und Schwabing“ entschieden. Zunächst allerdings meldet sich der Appetit – beim großen Angebot an Restaurants, Wirtschaften und Imbissen in diesem Viertel fällt die Wahl schwer, dann aber nach einem Blick auf die München-App eindeutig auf das nette pakistanische Restaurant in der Barer Straße, direkt gegenüber der Alten und Neuen Pinakothek. Derselbe Kellner, der zuvor über das angebliche Sommerloch geklagt hatte, wieselt flink zwischen den Tischchen und bedient die – zahlreichen – Gäste mit scharfen Curry-Varianten, Naan-Broten und erfrischenden Lassis. Ein geschmacklicher Volltreffer.

Dass mir die Angabe des Schärfegrades auf der Speisekarte häufig nicht als Garantie genügt, sondern ich unbedingt und mit Nachdruck meinen Wunsch nach Feuer auf dem Teller äußere, wird in Restaurants mit südasiatischer Küche meistens mit einem Augenzwinkern quittiert. Jedenfalls muss nun Abkühlung her: Eis, am besten lecker, hausgemacht und schnell. Becher oder Waffel? Hauptsache Haselnuss!
In der Türkenstraße, welche parallel zur prachtvollen Ludwigstraße mit den imposanten Universitäts- und Verwaltungsgebäuden verläuft und eine Verbindung zwischen Schwabing und Maxvorstadt bildet, reihen sich traditionelle Wirtshäuser, moderne Cafés und kleine Ladengeschäfte aneinander. Dazwischen finden wir sofort die kleine Eisdiele, welche auf dem Handydisplay verheißungsvoll mit drei Kugeln aufwartet.

Nun aber los Richtung Kultur! Vom Univiertel leitet der Spaziergang 5 die Besucher durch das Museumsquartier über den Karolinenplatz zum Königsplatz. Die ehemaligen Zentralen der „braunen“ Verwaltung und der NS-Parteiorganisationen in der Brienner Straße und am Karolinenplatz sind heute Heimat von Anwaltskanzleien, Industrie- und Handelskammern sowie der Bayerische Börse. Entsprechend hoch ist die Dichte der Luxuskarossen, Kameraklingelschildern und Springbrunnen vor den massiven Echtholztüren.
Die ehemalige Aufmarschzone des Königsplatzes ist heute beliebter Treffpunkt für junges Publikum, das sich auf den Stufen der griechisch-römisch anmutenden Gebäude zum abendlichen Umtrunk und Picknick einfindet. Aktuell sind über den ganzen Platz bunte Heuballen verteilt, welche zum Verweilen und Entspannen einladen. In den Ausstellungsräumen kann man das ganze Jahr über antike Meisterwerke bestaunen.

Die MMTravel Guide App ist für iOS, Windows Phone und Android konzipiert und für sämtliche MM-City-Ziele sowie ausgesuchte Wanderführer verfügbar. Der komplette Inhalt des Reiseführers steht als eBook in der App zur Verfügung. Durch die Funktion CityLive! können individuelle Touren nach verschiedensten Rahmenbedingungen gestaltet werden. Während des Entdeckungszuges durch Stadt oder Gelände fallen dank der Offline-Verfügbarkeit (auch im Ausland!) keine Roaming-Gebühren an.
Weiterhin ist in allen seit Januar 2014 erschienenen MM-City-Guides ein Gutschein-Code zum Download der MMTravel Guide App enthalten.

Nichts gegen den guten alten Stadtplan - mit der App kommt man allerdings sicher(er) ans Ziel.

Nichts gegen den guten alten Stadtplan – mit der App kommt man allerdings sicher(er) ans Ziel.

© Johannes Endler

Euskadi, Donostia und Pintxos?

Donostia, bedeutende Provinzhauptstadt in Euskadi, bekannt für Pintxos und 2016 Europas Kulturhauptstadt? Hat man da was verpasst?
Vielleicht hilft eine kleine „Übersetzung“ weiter: San Sebastián im Norden Spaniens, genauer: im Baskenland gelegen, wartet mit einer eigenen Interpretation der bekannten iberischen Tapas auf und wird in zwei Jahren Europas Kulturhauptstadt sein.
Aussagen wie diese sollten in der Region allerdings mit Vorsicht verbreitet werden – war doch das País Vasco, welches sich bis über die Grenze ins benachbarte Frankreich erstreckt und dort zum Pays Basque im Westen des Départements Pyrénées-Atlantiques wird, seit den späten 1960er Jahren Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen, in denen die Loslösung und Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien – vor allem durch die Vereinigung ETA – erzwungen werden sollte.
Heute hat sich die Lage jedoch weitestgehend beruhigt – nichts desto trotz weht über der Region vielerorts die baskische Flagge, und nicht die spanische Rojigualda.

Keine spanische Krone und kein Gelb in Sicht.. Das Baskenland zeigt Flagge.

Keine spanische Krone und kein Gelb in Sicht. Das Baskenland zeigt Flagge.

Im Baskenland gehen die Pyrenäen in das Kantabrische Gebirge über, und die sattgrüne Hügellandschaft direkt am Atlantik stellt einen krassen Gegensatz zum lehmbraunen, teils kargen Inneren der Iberischen Halbinsel.
Die Architektur im Bauernhaus- und Fachwerkstil überrascht ebenso wie das von Zeit zu Zeit hörbare Bimmeln von Kuhglocken, während unten an der Küste die Brandung der Biskaya gegen die Felsen tost – so scheint es, als ob der Schwarzwald oder das Allgäu direkt ans Meer versetzt wurden.

Nein, das ist nicht in Oberstdorf. Ein typisch baskisches Landhaus.

Nein, das ist nicht in Oberstdorf. Ein typisch baskisches Landhaus.

Ein bizarr-schönes Ausflugsziel befindet sich nordöstlich der Stadt Gernika / Guernica, der „Bemalte Wald“ Bosque Pintado. Der baskische Künstler Augustín Ibarrola verpasste den Kiefern Muster in allen Regenbogenfarben.

Kunst und Natur vereinen - Augustín Ibarrola ist das offensichtlich gelungen.

Kunst und Natur vereinen – Augustín Ibarrola ist das offensichtlich gelungen.

Ibarrola ist als Wortführer der Friedensbewegung gegen die ETA in der Region kein unumstrittener Zeitgenosse, weshalb seine Freiluftausstellung schön des Öfteren Opfer von Vandalismus wurde.
Dennoch sind der Wald und damit die Kunstwerke jederzeit frei zugänglich – und außerdem wachen nun zahlreiche Augen über das Gebiet…

Überwachung als Kunstwerk.

Überwachung als Kunstwerk.

Noch nichts vor im Sommer? Das Baskenland ist ein sehr spezielles Reiseziel, welches eine einzigartige Kultur, Landschaft und Leute vereint und sich selbst im Hochsommer durch ein angenehmes Klima auszeichnet.
Alle Informationen und Hintergründe, Highlights und Geheimtipps für das individuelle Entdecken der Region finden Sie in der aktuellen, 8. Auflage des Reiseführers Nordspanien des Michael Müller Verlags.

MM-Nordspanien von Thomas Schröder, 8. Auflage 2014, 612 Seiten.

MM-Nordspanien von Thomas Schröder, 8. Auflage 2014, 612 Seiten 

Text: © Johannes Endler

Bella Liguria

Die Küstenregion Ligurien, die sich im Nordwesten Italiens entlang der Riviera di Ponente und der Riviera de Levante erstreckt, trägt zu großen Teilen zum Attribut Bella der Appeninhalbinsel bei. Eingerahmt von Alpenausläufern und Mittelmeer bildet die Region ein reizvolles Reiseziel. Aktivurlaub mit Wandern, Klettern und Radfahren ist ebenso möglich wie entspanntes Sonnenbaden oder kulturelle Aktivitäten.

Zur Freude von Aktivurlaubern durchziehen zahlreiche Wanderwege Liguriens Küstenregion.

Zur Freude für Aktivurlauber durchziehen zahlreiche Wanderwege Liguriens Küstenregion.

Genua, Liguriens Hauptstadt, mag auf den ersten Eindruck etwas chaotisch, unordentlich und rau wirken. Flaniert man aber erst einmal abseits der Hauptstraßen durch die Gassen, Hinterhöfe und Grünanlagen des weitläufigen Centro storico der geschichtsträchtigen Hafenstadt – in Italien besitzt nur Venedig eine größere Altstadt -, erkennt man schnell, warum die Genuesen ihre Stadt selbstbewusst „La Superba“, die „Stolze“ nennen.
Zu verdanken hat Genua das nicht zuletzt dem prominentesten Sohn der Stadt, Cristoforo Colombo, seines Zeichens unerschrockener Seefahrer im Dienste der spanischen Krone und Entdecker der Neuen Welt. Zu dessen Ehren waren die in den 1990er Jahren zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas abgehaltenen Kolumbus-Feiern Auslöser für weitgreifende Sanierungen und Renovierungen der historischen Prachtbauten und der Umwandlung des einst anrüchigen Porto antico in ein modernes Kultur- und Vergnügungszentrum. 2004 war Genua außerdem Europäische Kulturhauptstadt.

Im Sommer ballt sich über der Stadt jedoch häufig flirrende Hitze, der es zu entkommen gilt. Keine besonders schwere Aufgabe, betrachtet man Genuas Umgebung.
In Richtung der französischen Grenze bieten die Palmen-Rivieria und die Blumen-Riviera mit den wie an einer Perlenkette aufgezogenen Küstenstädtchen und einem ruhigen Hinterland hundertprozentiges, mediterranes Italien-Flair. Ein Reiseziel mit „Tiefgang“ sind in dieser Gegend die Grotte di Toirano bei Loano. Die rund 70 Tropfsteinhöhlen mit ihren bizarren Formationen gleichen einer versteinerten Märchenwelt. Auch Spuren steinzeitlicher Behausungen und Überreste des ausgestorbenen Höhlenbären sind zu bewundern.
Unbestrittenes Highlight Liguriens ist allerdings die Region Cinque Terre, die „Fünf Welten“, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichneten, fünf malerischen Dörfer und deren umliegende gebirgige Landschaft an der Mittelmeerküste.

Das I-Tüpfelchen des mediterranen Panoramas.

Das I-Tüpfelchen des mediterranen Panoramas.

In den Sommermonaten sind die Örtchen, die an die steil abfallenden Hänge gebaut wurden, oftmals überlaufen, was ihrer schieren Postkartenschönheit jedoch keinen Abbruch tut. Gerade das kleine Vernazza gilt als das attraktivste Ziel von Cinque Terre, mit schmalen rot und gelb gestrichenen Häusern und einer kleinen Piazza am Hafenbecken. Wer zwar die Menschenmassen, jedoch nicht die atemberaubende Aussicht verpassen will, dem seien die angebotenen Pendelbootsfahrten mit Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten entlang der Küste ans Herz gelegt. Die Fortbewegung im Auto ist mangels Tankstellen und Fahrverbot in den Dörfern nicht zu empfehlen. Sehr gut funktioniert hingegen die Reise mit dem Zug, da jeder Ort einen eigenen Bahnhof besitzt. Mit der Cinque Terre Card können nicht nur alle Wanderwege, sondern auch die Bahnverbindung zwischen La Spezia und Levanto benutzt werden, und das so oft man möchte.

Gute Verbindung: Jedes Dorf in der Ausflugsregion Cinque Terre verfügt über einen eigenen Bahnhof.

Gute Verbindung: Jedes Dorf in der Ausflugsregion Cinque Terre verfügt über einen eigenen Bahnhof.

Kulinarisch sollte man unbedingt die Focaccia probieren, die Pizza Liguriens, die hier überall angeboten wird. Das ligurische Fladenbrot, welches mit Olivenöl, Salz und frischen Kräutern gewürzt und häufig mit Tomaten und Oliven garniert wird, ist eine Spezialität der Region, die sich schon die alten Römer als panis focacius schmecken ließen.

Detaillierte Informationen und alles Wissenswerte über die 300 Kilometer Küste, Dörfer und Städte sowie das teils menschenleere Hinterland von Ligurien finden Sie in der 3. Auflage des Reiseführers Ligurien.

MM Ligurien, 3. Auflage 2013, 432 Seiten.

MM Ligurien, 3. Auflage 2013, 432 Seiten.

 Fotos und Text: © Johannes Endler

Högschde Konzentration

Entspannt wird - hoffentlich - erst am 13. Juli.

Entspannt wird – hoffentlich – erst am 13. Juli.

Es könnte definitiv schlechter sein: Auf 15.000 Quadratmetern direkt am Atlantikstrand, welchen Bundes-Jogi für seine morgendlichen Joggingrunden ausgiebig nutzt, erstreckt sich das „Campo Bahia“ bei Santo André, das Quartier der DFB-Elf während der Weltmeisterschaft. Zwar hatten die WM-Gastgeber der deutschen Nationalmannschaft offiziell 83 (!) Quartiere angeboten, doch die genügten offenbar den Ansprüchen des DFB nicht – kurzerhand baute man sich selbst eine Herberge unter Palmen.
Jeweils 6 Spieler teilen sich eine der 14 Villen, was „eine besondere WG-Atmosphäre“ schaffen und damit den Teamgeist stärken soll, wie Manager Oliver Bierhoff unlängst verlauten ließ.
Die Austragungsorte aller drei Vorrundenspiele der deutschen Auswahl liegen im tropischen Norden des Landes: Salvador da Bahia, Recife und Fortaleza.
Salvador, wo Deutschland gestern Abend Ronaldo, Pepe und Co. schwindlig gespielt hat, war bis 1763 Hauptstadt Brasiliens und liegt an der „Allerheiligenbucht“ – in der Vergangenheit ging es dort allerdings eher unheilig zu, denn bis Ende des
19. Jahrhunderts florierte hier der Sklavenhandel.
Die Stadt ist bis heute sehr afrikanisch geprägt, was sich vor allem in der Musik und der lokalen Küche bemerkbar macht. Auch heute noch leidet die Stadt unter extrem hoher Kriminalität – im letzten Jahr wurden 2.234 Morde registriert, was Salvador Rang 13 der gewalttätigsten Städte der Welt sichert.
Die nächste Station ist dann Fortaleza, ebenfalls direkt am Meer gelegen und für die spektakulären, umliegenden Strände bekannt, die ein Mekka für Kite- und Windsurfer sind. Zahlreiche Barracas, Strandbuden, welche für die zahlreichen Touristen das Caipirinha-Feeling Realität werden lassen, reihen sich entlang der Küste auf. Tatsächlich aber ist der Mix aus Zuckerrohrschnaps, dem Cachaça, Limetten, Zucker und Eis nicht das Nationalgetränk der Brasilianer, sondern das Bier – im Glas Chopp, in der Flasche Cerveja genannt. Damit lässt sich das deftige Nationalgericht, die Feijoada, der Bohneneintopf mit verschiedenen Fleischsorten, Wurststückchen und Speck, hervorragend hinunterspülen.

Es geht nichts über ein "leichtes Sommergericht": Die Feijoada.

Es geht nichts über ein „leichtes Sommergericht“: Die Feijoada.

Schließlich trifft die Nationalelf in Recife auf die USA und mit Chefcoach Jürgen Klinsmann auf ihren Ex-Bundestrainer. In Recife, was zu Deutsch schlicht „Riff“ bedeutet, sollten Fans allerdings sowohl im Wasser als auch an Land Vorsicht walten lassen:
In den Küstengewässern sind hohe Populationen von Bullenhaien, Hammerhaien und Tigerhaien ansässig – die maritime Gefahr allerdings verblasst neben der Tatsache, dass die Mordrate in Recife doppelt so hoch wie die Rio de Janeiros ist.
Hierhin soll es für Deutschland’s Elf – dank „Högschder Konzentration und Disziplin“ – am 13. Juli ja gehen. Und damit das Freudentänzchen nach dem gewonnenen Finale dann nicht allzu mitteleuropäisch-steif ausfällt, hier noch zwei Möglichkeiten sich auf den richtigen Rhythmus einzugewöhnen.

Direkt um’s Eck

München ist eigentlich unfair. Es beansprucht die meisten Sonnenstunden unter den deutschen Millionenstädten für sich – 1681 pro Jahr – , der Wirtschaftsstandort brummt, der Fußball – zumindest in den letzten Jahren – wie von einem anderen Stern, und dann natürlich obendrauf noch die geographische Lage.
Fünf Stunden zum Mittelmeer, eine bis ins Tiroler Skigebiet, und die Anfahrt in die Bayerischen Alpen kann in der Zeiteinheit Minuten angegeben werden, ohne dabei fahren zu müssen wie ein Löw. München hat also ordentlich „Holz vor der Hütt’n“, wenn es um Ausflugsziele geht.

Blick ins Wettersteingebirge

Blick ins Wettersteingebirge mit Zugspitze von der Partenkirchener Dreitorspitze.

An den zahlreichen Föhntagen könnte man meinen, sie anfassen zu können, so nah und klar zeichnen sie sich ab: Die Benediktenwand, der Wendelstein in den Schlierseer Alpen, der Herzogstand, und im Hintergrund die höheren Gipfel der Ammergauer Alpen.
Und ab und an muss trotz – oder gerade wegen – der zahlreichen Grünanlagen, Biergärten, Trachtenfeste und Maß einfach mal durchgeschnauft werden.
Das funktioniert natürlich am besten in der frischen Bergluft, und von der gibt’s auf den Münchner Hausbergen reichlich. Natürlich, München hat derer mehrere, also wieder einmal unfair. Rio gibt sich mit dem Zuckerhut zufrieden, Los Angeles hat den Mount Lee in Hollywood, und Kapstadt begnügt sich mit dem Tafelberg.
München hingegen wartet mit einer ganzen Bergkette zwischen Zugspitze und Wendelstein auf, und als Puffer zwischen Stadt und Berg sind noch Ammersee, Starnberger See und Staffelsee als Ausflugsziele und sommerliche Naherholungsgebiete aufgereiht.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee und Walchensee.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee (l.) und Walchensee.

Freilich, die Münchner Haus- und Ausflugsberge strotzen nicht gerade vor alpinistischer Herausforderung. Das müssen sie aber auch gar nicht, denn genau durch diese Eigenschaft ermöglichen sie dem Metropoliten von der Isar, im wahrsten Sinne, den Horizont zu erweitern und Eisbach gegen Eibsee und den Olympiaberg gegen die Rotwand einzutauschen. Diesen mit überschaubaren 1884m höchsten Berg im bayerischen Teil des Mangfallgebirges erreicht man entweder vom malerischen Spitzingsee aus oder steigt von Geitau über den Soinsee auf den Gipfel.
Im Sommer und bei schöner Witterung kann es hier aufgrund der hohen Beliebtheit großen Andrang geben, doch abseits der Hauptwege kehrt recht schnell alpine Ruhe ein. Eine Umrundung der Rotwand ist mit etwas über neun Kilometern und knapp vier Stunden Wegstrecke auch für Kinder und Hobby-Kraxler geeignet. Unterhalb des Gipfels liegt auf 1737m das Rotwandhaus, die willkommene Einkehrmöglichkeit auf dieser Tour.
Hier wurde übrigens der „Problembär“ JJ1, besser bekannt als Bruno, 2006 gesichtet und erlegt. Zu wild soll’s dann eben auch nicht sein…

Im Juni erscheint die Neuauflage des Wanderführers Münchner Ausflugsberge inklusive GPS-Tracks. Ebenfalls erhältlich ist die Wanderführer App für Android, iOS und Windows Phone.

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014.