Plätzchen-Weltreise

Das Bananenbrot als Lockdown-Gebäck wurde abgelöst – von Plätzchen! Passend zur Vorweihnachtszeit beschert uns der zweite Lockdown viel Zeit zuhause – obwohl wir lieber woanders wären! In unserem Lieblingsland zum Beispiel. Wie wir dem zumindest kulinarisch näherkommen? Wir reisen mit Plätzchen um die Welt.

Urlaubsfeeling einfach selber backen

Für die Prise Italien, die wir diesen Winter brauchen. Klassische Zitronen-Plätzchen verwandeln sich ganz einfach in Limoncello-Plätzchen. Der Likör ist ein italienischer Klassiker und wird oft aus dem Urlaub mitgebracht. Hier gehts zum Rezept.

In Andalusien reicht man Mantecados zu Weihnachten. Die süßen Mandel-Gebäckstücke haben ihren Ursprung im 16. Jahrhundert, da es dort zwischenzeitlich einen Überfluss an Getreide und Butter gab. Zimt und Mandeln sind dafür klassische Zutaten, allerdings gibt es auch Rezepte mit Sesam, Pistazien oder Schokolade. Ein einfaches Rezept, das garantiert gelingt, findet Ihr hier.

Eine walisische Weihnachtstradition sind Welsh Cookies. Um diese zuzubereiten braucht es nicht mal einen Backofen! Die Cookies werden in der Pfanne zubereitet. Das führt zu einer Konsistenz, die man unbedingt selbst probieren muss. Zimt, Muskat und Rosinen geben weihnachtliche Töne an. Hier gehts zum Rezept.

Kourabiedes sind Plätzchen, die in Griechenland verbreitet sind. Ursprünglich stammen sie aus der Türkei. Sie ähneln deutschen Vanillekipferln, da sie ebenfalls aus Mürbteig und einem Mantel aus Puderzucker bestehen. Zum Rezept kommt Ihr hier. Übrigens sind auch die griechischen Melomakarona einen Versuch wert. Diese sind schon aus byzantinischer Zeit bekannt und werden nach dem Backen in Sirup getaucht. Hier gehts zum Rezept.

Ein bisschen ähneln die Kourabiedes den Vanillekipferln. Foto: Pixabay by 5598375

Ein fester Bestandteil der norwegischen und schwedischen Weihnachtsbäckerei sind Pepperkaker – Pfefferlebkuchen. Sie gehören zu den nordischen Ländern wie Fisch und Skier. Pfefferkuchen ist dort übrigens wörtlich zu nehmen: Fertiges Lebkuchengewürz kommt nicht in die Tüte, gebacken wird mit einer selbst hergestellten Gewürzmischung mit einiges an Pfeffer. Für den perfekten Genuss muss der Teig über Nacht in Kühlschrank bleiben, deshalb unbedingt Zeit einplanen! Hier könnt Ihr das genaue Rezept nachlesen. Ein Tipp für die Zeit nach dem Lockdown: Immer im November entsteht in den norwegischen Bergen die größte Pfefferkuchen-Stadt der Welt.

Der deutsche Klassiker zum Schluss: Stollen

Nachdem wir nun einige Leckereien anderer Länder entdeckt haben, kommen wir nach Deutschland zurück. Dazu passend haben wir das Weihnachtsgebäck schlechthin: den Stollen. Ursprünglich aus Dresden stammend, hat der Stollen in ganz Deutschland Einzug gehalten. Früher bestand er nur aus Wasser, Haferschrot und Rübenöl (Rapsöl oder Öl von Ölrübsen). 1491 durften die Bäcker*innen Butter hinzufügen und – voilà! Der Stollen verbreitete sich.

„Gebratener Stollen“ aus dem Reisekochbuch „Gscheitgut – Franken isst besser“, Foto: Emil Bezold. Rezept: Braugasthof Höhn in Bamberg-Memmelsdorf

Wer es extravaganter mag, muss unbedingt unser Rezept „Gebratener Stollen mit Vanillemilcheis“ ausprobieren, aus dem „Gscheitgut vegetarisch“-Kochbuch.

Gebratener Stollen mit Vanillemilcheis

Für 4 Personen

Für das Eis:
1 Vanilleschote
500 ml Milch
6 Eigelb (M)
100 g Zucker

Für den Stollen:
8 cl Rum (braun; 54 vol.%)
120 g Sultaninen
250 g Weizenmehl (Type 405)
60 g Mandeln (gemahlen)
100 g Zucker
1/2 Pck. Backpulver
200 g Butter
100 g Magerquark
1 Ei (M)
je 60 g Zitronat und Orangeat
Fett und Mehl (für die Form)

1 Für das Eis die Vanilleschote mit einem spitzen Messer aufschlitzen und das Mark herauskratzen. Milch, Vanillemark und die ausgekratzte Schote in einem Topf aufkochen, vom Herd nehmen und zugedeckt etwa 20 Min. ziehen lassen.

2 Die Vanillemilch erneut erhitzen. Eigelbe und Zucker in einer Rührschüssel aus Metall über dem heißen Wasserbad cremig schlagen. Die heiße Vanillemilch nach und nach dazugießen und weiterschlagen, bis die Mischung eine cremige Konsistenz erhält (das passiert bei einer Temperatur von etwa 85°). Wenn sich an einem mit der Flüssigkeit benetzten Kochlöffel beim Daraufblasen Wellen bilden, die an Rosenblüten erinnern, ist die Creme perfekt (der Fachmann nennt das »zur Rose abziehen«). Die Schüssel in ein kaltes Wasserbad setzen, und die Creme weiterschlagen, bis sie kalt ist.

3 Die erkaltete Creme in eine Eismaschine füllen und darin gefrieren lassen. Alternativ die Mischung ins Tiefkühlfach stellen, bis sie anfängt zu gefrieren. Dann mit dem Handrührgerät kräftig verrühren und wieder kühl stellen. Diesen Vorgang dreimal stündlich wiederholen, bis ein cremiges Eis mit feinen Eiskristallen entstanden ist.

4 Für den Stollen den Rum erwärmen und in einem Schälchen über die Sultaninen gießen. Zugedeckt etwa 1 Std. einweichen.

5 Den Backofen auf 160° vorheizen. Mehl, Mandeln, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen und eine Mulde hineindrücken. 100 g Butter in Würfel schneiden und mit dem Quark, dem Ei, Zitronat und Orangeat sowie den abgetropften Sultaninen dazugeben. Alles mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten.

6 Eine Kastenkuchenform (25 x 11 cm) einfetten und mit Mehl ausstreuen, überschüssiges Mehl abklopfen. Den Teig zu einem länglichen Laib formen und in die Form geben. Die Form auf die mittlere Schiene des heißen Backofens schieben, den Stollen darin 75 Min. backen, bis er durchgebacken und leicht gebräunt ist.

7 Die Form aus dem Ofen nehmen, den Stollen 5 Min. ruhen lassen. Dann herauslösen und auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.

8 Vom abgekühlten Stollen 8 etwa 2 cm dicke Scheiben abschneiden, den restlichen Stollen anderweitig verwenden. Restliche Butter in zwei großen Pfannen erhitzen. Die Stollenscheiben darin bei nicht zu starker Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Je zwei Scheiben auf vier Dessertteller legen. Vom Eis mit einem Eisportionierer Kugeln bzw. Nocken abstechen und daneben anrichten. Den Stollen nach Belieben noch mit Puderzucker bestäuben und servieren.

Küchengeheimnisse

Bei Zitronat und Orangeat scheiden sich die Geister – die einen können davon gar nicht genug kriegen, die anderen hassen es. Für alle »Hater« hier noch eine Alternative: Im Stollenteig einfach durch 20 g Mohn und 80 g grob gehackte dunkle Schokolade ersetzen! Soll es weihnachtlich werden, können Sie das Vanilleeis zu einem Zimteis upgraden. Dafür die Eismasse zusätzlich noch mit 1/2 TL Zimtpulver würzen. Oder: 40 g Spekulatius fein zermahlen und die Brösel unter das bereits halbgefrorene Vanilleeis rühren. Komplett durchfrieren lassen! Fertig ist ein feines Spekulatius-Eis!

Raus an die Luft, in die Wälder der Eifel

Was fast noch ein Geheimtipp ist: Die Eifel eignet sich perfekt für eine kleine Herbst-Auszeit. Unser Wanderführer-Autor Oliver Breda nimmt Euch mit auf seine Eifel Highlights im November und erklärt, warum Rotbuchenwälder auch im Winter ideale Wanderziele sind.

Der November ist bunt. Er hat den Ruf grau, trist und trübe zu sein. In der Eifel ist der Monat schöner, als sein Image.

Der erste Frost hat in der Nacht zum 4. November die Wälder der Eifel erreicht. Für die Bäume ist das ein Zeichen sich endgültig auf die Winterruhe einzustellen.

Schon seit einiger Zeit beginnen sie damit, die Photosynthese runter zu fahren und ziehen das Chlorophyll aus den Blättern. Es bleiben Carotinoide übrig.

Und die sorgen dafür, dass es im November bunt ist.Auch ohne Sonne leuchten die Laubwälder der Eifel gold-gelb.

Auch ohne Sonne leuchten die Laubwälder der Wifel gold-gelb @ Oliver Breda

Zurzeit strahlen bei Burg Nideggen Eichen, Buchen und Buntsandsteinfelsen in verschiedenen Orange- und Ockertönen um die Wette (vgl. Tour 13 und 14 im Wanderführer Eifel).

Das Grün der Weiden, das Gold der Wälder und das Blau des Rursees laden zur Fototour zum Kloster Mariawald oberhalb von Heimbach ein (vgl. Tour 5 im Wanderführer Eifel). Einkehren dürfen Sie im November nicht, aber die Klosterbuchhandlung (in der es auch Käse, Wild und Rindfleisch gibt) ist geöffnet.

Durchs Laub rascheln können Sie zum Beispiel auf dem Römerkanalweg von Nettersheim nach Kall. Das Örtchen Urft ist umgeben von Laubwäldern. Buchen-, Eichen- und Eschenblätter bilden große Haufen vor den Fußspitzen. Fühlen Sie sich wie früher, als Kind (vgl. Tour 11).

Einladung zum Blätterrascheln. Fühlen Sie sich wie ein Kind @ Oliver Breda

Eine meiner Lieblingstouren ist der Schöpfungspfad bei Erkensruhr (vgl. Tour 4), ganz gleich, ob im Frühjahr die Natur erwacht, die Blätter im Sommer Kühle spenden oder die eisigen Nebel des Winters über die Baumwipfel ziehen.

Wenn Sie nur schauen möchten, besuchen Sie „Vogelsang IP, Internationaler Platz“ auf dem Höhenrücken zwischen Gemünd und Einruhr. Informationsstelle, Ausstellungen und Gastronomie sind im November wegen der Covid-19-Pandemie zwar geschlossen, das Gelände ist aber zugänglich und von dort ergibt sich ein weiter Blick auf die Eifelwälder. Wandern können Sie dort natürlich auch. Es sind verschiedene Wege ausgeschildert (im Wanderführer habe ich einige davon beschrieben). Zum Beispiel die Tour „Burg Vogelsang und Wüstung Wollseifen“ oder „von der Burg Vogelsang entlang der Hänge des Kermeters nach Wolfgarten“.

Rund um Vogelsang sind viele Wanderwege markiert. Herrliche Blick auf die Eifelwälder inklusive @ Oliver Breda

Wer die gold-gelbe Pracht verpasst hat und erst in die Eifel kommt, wenn die meisten Bäume kahl sind, kann sein Glück in urwüchsigen Wäldern des Kermeter versuchen: junge Buchen behalten ihre Blätter oft den ganzen Winter über.

Oder die Buchenhecken in Höfen, bei Monschau: Für die dünnen, flexiblen Äste der Hecken mit ihren dicken Stämmen ist die Schneelast kein Problem. Eine Hecke aus Rotbuchen wirft die Blätter im Winter selten komplett ab.

Junge Buchen behalten ihre Blätter oft den ganzen Winter über @ Oliver Breda

Die kompletten Infos zu den Touren findet Ihr in Oliver Bredas Wanderführer, der bereits in 2. Auflage im Michael Müller Verlag erschienen ist. Für 14,90 EUR sind alle GPS-Tracks inklusive. Wer lieber digital unterwegs ist: Es gibt den Reiseführer jetzt auch als Wander-App. Hier gehts zur mmtravel-App für Android und fürs iPhone.

Wie wird man Kulturhauptstadt?


Was haben Bad Ischl und Chemnitz gemeinsam? Sie sind europäische Kulturhauptstadt geworden. Bad Ischl? Ernsthaft? Unser Nürnberg-Autor Ralf Nestmeyer geht hier der Frage nach, wie man eigentlich Kulturhauptstadt wird. Oder anders gesagt: Was hat den Städten Oslo, Barcelona und eben auch Nürnberg gefehlt, um europäische Kulturhauptstadt zu werden …

Ralf Nestmeyer ist Historiker und lebt seit 1995 als freier Autor in Nürnberg. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und hat nicht nur zahlreiche Reiseführer für den Michael Müller Verlag geschrieben, sondern auch Kriminalromane. Seine Essays, Reportagen und Rezensionen sind u.a. in der ZEIT, FAZ, taz, Spiegel online und dem Arte Magazin erschienen. Weitere Infos unter http://www.nestmeyer.de.


Am 28. Oktober 2020 hat eine unabhängige europäische Expertenjury entschieden, dass Chemnitz im Jahr 2025 die europäische Kulturhauptstadt werden wird. Glückwunsch nach Sachsen!

Als Nürnberger und Autor eines Nürnberg Reiseführers habe ich diese Entscheidung allerdings mit einem weinenden Auge zur Kenntnis genommen und mich gefragt, welche Kriterien bei der Bewerbung um den Titel den Ausschlag gegeben haben könnten? Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist, hat die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel vom 3. Dezember 2020 geäußert. Von Beratern, die gleich für mehrere Städte gleichzeitig gearbeitet haben, ist da die Rede. Von Interessenskonflikten und ziemlich hohen Beraterhonoraren …

Die Nürnberger Altstadt @ Ralf Nestmeyer

Ein Rückblick: Auf Vorschlag der damaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri wird seit 1985 jedes Jahr eine Stadt – seit 1999 meist mindestens zwei Städte – zur Kulturhauptstadt gekürt. Dies waren in der Anfangszeit meist Metropolen wie Athen, Florenz, Lissabon oder Paris, später kamen dann noch Riga, Marseille oder Breslau hinzu. Mit anderen Worten: Kulturstädte, die über jeden Zweifel erhaben waren und über die es im Programm des Michael-Müller-Verlags meist auch einen City-Guide gibt.

Doch in den letzten Jahren hat sich der Fokus der Expertenjury beträchtlich verschoben. Vor allem Städte aus der 3. und 4. Reihe durften sich mit diesem Titel schmücken, so das belgische Mons, das zypriotische Paphos oder das italienische Matera. Nein, ich will jetzt nicht die kulturelle Bedeutung dieser Städte in Frage stellen, doch spielen sie, was die Kulturlandschaft betrifft in einer ganz anderen Liga als Barcelona, Toulouse, Oslo oder Split – alles Städte, die es bisher nicht in den erlesenen Kreis geschafft haben.

Barcelona durfte sich auch noch nicht mit dem begehrten Titel „Kulturhauptstadt“ schmücken @ Michael Müller Verlag

Und wenn ich jetzt einen Blick in die Zukunft werfe und lese, wer in den nächsten Jahren die Kulturhauptstadt Europas sein wird, dann treibt es mir die Sorgenfalten auf die Stirn.

Was hat Bad Ischl was Nürnberg nicht hat?

Wie konnte die Wahl auf Eleusis (2021) oder Etsch an der Alzette (2022) fallen? Getoppt wird das allerdings durch die Entscheidung für Bad Ischl für das Jahr 2024. Der österreichische Kurort im Salzkammergut hat 14.000 Einwohner und sicherlich eine bewegte Geschichte mit dem einen oder anderen Kulturdenkmal, aber reicht das wirklich, um den Titel Kulturhauptstadt Europas zu tragen? Wird der Titel durch eine solche Wahl nicht konterkariert?

Andererseits kann sich Franken, wenn im Jahr 2040 Deutschland erneut die europäische Kulturhauptstadt stellen darf, auch wieder bewerben. Nein, dieses Mal nicht mit Nürnberg, sondern vielleicht mit Ansbach, Weißenburg oder mit Wolframs-Eschenbach? Alle drei Städte werden bei der Expertenjury sicherlich gute Chancen auf den prestigeträchtigen Titel haben …

Fotografieren für einen MM-Reiseführer-wie geht das?

Florian Fritz ist seit vielen Jahren MMV-Autor. Mit Grausen erinnert er sich an die Zeiten, als grobkörnige Schwarzweißbilder in den Büchern dominierten und in der Mitte ein kleiner Farbfototeil „aneinandergepappt“ war. Durch seinen Südtirol-Reiseführer hat er gelernt, worauf es bei einem guten Reiseführerfoto ankommt. Lest selbst …

Ich war schon immer der Ansicht, dass ein guter Reiseführer auch ansprechende Bilder in guter Qualität braucht, denn die Leserschaft liest nun mal auch über visuelle Eindrücke. Als ich selber Autor wurde, musste ich dann lernen, dass Bilder, die ich gut fand, nicht immer die Favoriten der Redaktion waren: „Zu dunkel, zu hell, schlechte Farben, nichtssagendes Motiv, am Rand zu knapp … „ Hmmm. Zunächst war ich mal beleidigt und dachte mir: „Die haben doch keine Ahnung, ich bin hier der Fotokünstler.“

Tatsächlich habe ich im Lauf der Jahre gelernt, worauf es bei einem Foto für einen Reiseführer ankommt: Nicht Fotokunst, sondern praktischer Nutzen. Klare Motive, gutes (nicht extremes) Licht, guter Ausgleich zwischen hellen und dunklen Flächen im Bild. Und Platz am Rand für den Beschnitt.

Das ist die technische Seite. Natürlich erlebt man auf Recherchereisen Geschichten und Fotos bilden diese ab, fangen lustige, spannende und einzigartige Momente ein. Wenn es ein solches Bild ins Buch schafft, bin ich glücklich. Die Kuh ist dafür prominentestes Beispiel. Sie war sogar auf dem Cover der letzten Ausgabe, und ich bin der tiefen Überzeugung, dass sie sich verkaufsfördernd ausgewirkt hat, ein Eyecatcher eben. Interessant war, dass kurz danach auch der Bruckmann-Verlag und später Lonely Planet bei ihren Dolomiten-Titeln eine Kuh auf dem Cover hatten. Zufall?

Tiefverschneites St. Felix © Florian Fritz

Das Bild zum tiefverschneiten St. Felix gehört zu meinen Favoriten, weil es entstand, als wir im tiefverschneiten St. Felix die einzigen Gäste waren, ein netter Peruaner, der im Hotel arbeitete, frühmorgens unser Auto freischaufelte und ich niemals mehr eine solche Menge weißer Pracht erlebt habe. Das Bild strahlt die Ruhe und Stille dieser Tage aus.

St. Johann in Ranui im Villnösstal © Florian Fritz

Das Bild „St. Johann in Ranui im Villnösstal“, ist trotz Instagram Stempel eins meiner Lieblinge. Denn es gibt viele Momente im Jahr, in denen dieser Ort, der Südtirol wie kaum ein zweiter verkörpert (Glauben, Kunst, Blumenpracht, zackige Gipfel), einem doch noch fast alleine gehört.

St. Magdalena in Villnöss © Florian Fritz

Das Bild „St. Magdalena in Villnöss“, mag ich, weil es wie gemalt aussieht. Eine solche Lichtstimmung lässt sich nicht am PC erschaffen!

Die Sella mit einem Paraglider © Florian Fritz

Die Sella mit einem Paraglider, hat es nie ins Buch geschafft. Ich mag es, weil es die Verbindung von Bergen, Freiheit und Sport verkörpert, für die Südtirol steht.

Der Schafübertrieb vom Ötz- ins Schnalstal © Florian Fritz

Das Bild vom Schafübertrieb vom Ötz- ins Schnalstal zeigt für mich eines der großen Ereignisse in Südtirol. Wir übernachteten auf der Hütte „Schöne Aussicht“, um in der Früh dem Ankommen der Schafherde beizuwohnen, die in fast 3000 m Höhe, vorbei an Gletscherseen, durch endlose Geröllfelder eines Hochtals heraufkam. Die unterwegs geborenen Lämmer (der Übertrieb dauert mehrere Tage) werden von den Hirten getragen, wenn sie müde werden. Das Bild drückt für mich eine innige Verbindung von Mensch und Tier aus.

Ein Ronenrisotto © Florian Fritz

Ein Ronenrisotto. Welch ein Rot! Ein perfektes Stilleben, das die typische, appetitliche Südtiroler Küche symbolisiert, die in einem Kulturmix aus Knödeln, Pasta und eben Risotto eigene Wege geht.

Bick aufs Flecknersee-Openair am Jaufenpass © Florian Fritz

Herbert Pixners Flecknersee Openair am Jaufenpass ist für mich DAS Konzerterlebnis in Südtirol. Ein Crossover von Volksmusik und modernen Klängen auf 2000 m Höhe, die Dämmerung bricht herein, man nippt am Rotweinbecher und isst die mitgebrachten Leckereien. Die perfekte Symbiose von Natur und Musik.

Winter am Ritten © Florian Fritz

Am Ritten ist für mich das perfekte Winterbild und typisch für Südtirol. Eine Hütte, ein Holzzaun, Schnee, blauer Himmel, all das grafisch gut umgesetzt.

Übergriffige Kuh © Florian Fritz

Meine Frau nimmt mir heute noch übel, dass ich auf den Auslöser gedrückt habe, statt sie dabei zu unterstützen, unseren Rucksack gegen eine offenkundig übergriffige Kuh zu verteidigen. Für mich mein witzigstes Südtirolbild, das auch im Buch auftaucht.

Winter in Brixen © Florian Fritz

Eines der wenigen Stadtbilder, die ich wirklich gut finde. Winter in Brixen, ein paar heftige Flocken rieseln vom Himmel, nach 5 Minuten war es schon wieder vorbei. Pastellige Farben, die bunten Schirme sind die perfekten Farbtupfer. Es war ein eindrücklicher Moment, aber kein Bild, dass es ins Buch schafft. Eher für mich, Bildkunst.

Ein paar Worte möchte ich noch zur Ausrüstung verlieren: Ich bin analog aufgewachsen, habe früh ins Digitale gewechselt und dann mit Leidenschaft und Rückenschmerzen meine Spiegelreflexmonsterausrüstung über Berg und Tal geschleppt. Das mache ich zunehmend seltener (ich nutze jetzt eine kompakte Sony Alpha 6000 und zwei, drei leichte Objektive). Moderne Smartphones (ich nutze das iPhone xs max) bieten bei guten Lichtverhältnissen (das ist die Einschränkung) eine hervorragende Bildqualität, sind schnell gezückt und wiegen nix. 1, 7, und 9 sind mit dem Smartphone entstanden.

Auf den Spuren des Klimawandels in Sommerhausen

Auberginenfarben, zitronengelb, lindengrün leuchten die Blätter der Rebstöcke an den Hängen des Mains. Als ich von Randersacker über Eibelstadt nach Sommerhausen fahre, verdient sich gerade der goldene Herbst seinen Namen. Die Weinberge im Maindreieck leuchten.

Unser Autor Dr. Hans-Peter Siebenhaar hat sich auf die Spuren des fränkischen Weins begeben. Was ihm dabei aufgefallen ist? Der Wein in Mainfranken verändert sich durch gestiegene Temperaturen und größere Trockenheit. Ist der Wein aus Mainfranken in Gefahr?

Mal wieder liegt ein heißer, trockener Sommer hinter uns. Die Lese ist mit Ausnahme der edelsüßen Weine jetzt abgeschlossen. Es kehrt wieder Ruhe in den Dörfern ein. Das malerische Winzerdorf Sommerhausen – mein Ziel an diesem Herbsttag – ist keine Ausnahme. In den Hängen schnurren zwar noch zwei Traktoren auf den breiten Flurbereinigungstrassen, aber ansonsten herrscht ungewöhnliche Ruhe, wenn man vom Grundrauschen des Talverkehrs von und nach Würzburg absieht.

Doch die malerische Idylle drückt. Die Pandemie hat auch Mainfranken eine beunruhigende Stille beschert. Als ich durch Sommerhausen schlendere, gehört die Hauptstraße den Einheimischen. Dabei ist eigentlich im Herbst Hochsaison. Doch die steigende Zahl von Infizierten verschreckt selbst treue Weinliebhaber, wie ich lerne. Auch ich Schloss Sommerhausen, dem renommiertesten Weingut des traditionsreichen Ortes, herrscht gähnende Leere. Das sind keine einfachen Zeiten für den Wein in Mainfranken. Selbst die besten Weingüter der Region zwischen Aschaffenburg über Würzburg bis Bamberg leiden unter dem Einbruch der Nachfrage in der Gastronomie und bei Endkunden. Das Weingut Schloss Sommerhausen macht keine Ausnahme, wie mir die Weinverkäuferin auf Nachfrage bestätigt.

Doch es ist nicht nur der Virus Covid-19, der den Winzern zusetzt, sondern insbesondere der Klimawandel. Die Pandemie wird zweifellos ein Ende haben, auch wenn noch niemand weiß, wann genau das sein wird. Der Klimawandel hingegen kennt kein Ende. Zwar hat die Europäische Union ihr Ziel, die Treibhausgase von bislang 40 Prozent auf 55 Prozent bis zum Jahr 2030 erhöht, doch das hilft den Weinmachern in Mainfranken vermutlich erst mittelfristig. Denn die gestiegenen Temperaturen und die größere Trockenheit verändern den Wein entlang des Mains. Der Alkoholgehalt von Silvaner, Müller-Thurgau und Riesling steigt zwangsläufig. Zwar ist der Alkohol bekanntlich ein Geschmackträger, doch wird der Alkoholgehalt zu groß, droht er die elegante Mineralität und das spannungsreiche Säurespiel zu vernichten.  Statt schlanke, elegante Weißweine nur noch rustikale Alkoholbomben?

Wer sich dem fränkischen Wein im Jahr 2020 auseinandersetzt, begibt sich unfreiwillig auf die Spuren des Klimawandels. Als ich nach einem Weißwein unter zwölf Prozent frage, kann mir die Weinverkäuferin trotz des opulenten Weinangebot von Schloss Sommerhausen nur drei, dafür preiswerte Weißweine anbieten: Den simplen Silvaner, eine Cuvée aus Silvaner und Riesling sowie einen Muskatteller. Ich entscheide mich für die Cuvée mit 11,5 Prozent. Eine gute Entscheidung. Denn wie ich am Abend feststelle, passt die schlanke Silvaner-Riesling-Kombi hervorragend zu einem fränkischen Karpfen. Ein Genuss.

Schloss Sommerhausen ist mit einer Rebfläche von 25 Hektar eines der größeren Weingüter in Mainfranken. Die Familien Steinmann betreibt in der 15. Generation (!) Weinbau. Noch kommt das traditionsreiche Weingut nach eigenen Angaben ohne künstliche Bewässerung aus. Insbesondere alte Rebstöcke, die besonders tief wurzeln, können die heißen Sommer traditionell besonders gut überstehen. Doch wie lange kann das noch in Mainfranken funktionieren? Die Wachau, Österreichs berühmteste Weinregion entlang der Donau vor den Toren Wiens, ist ein mahnendes Beispiel. Dort gehört die künstliche Bewässerung angesichts der extremen Sommer und des geringen Niederschlags quasi zur Standardausrüstung. Das Ergebnis des Klimawandels dort sind viele Veltliner-Alkoholbomben für teuer Geld.

Auf der Suche nach Bayerisch Kalifornien

Robert Zsolnay, unser Reisebuchautor, für Shanghai und Menorca, wäre eigentlich in diesem Sommer 2020 wieder im Mittelmeer unterwegs gewesen – die Recherchen für seinen Menorca-Reiseführer standen an. Statt nach Menorca, fuhr er an den Chiemsee – und kam ins Schwärmen, aber lest selbst.

Es duftet nach feuchtem Laub und Moos. Blau schimmernde Pechlibellen jagen an diesem strahlenden Herbstmorgen surrend über das Wasser des Kesselsees. Das kleine Paradies gehört zur Eggstätter-Hemhofer Seenplatte. Wie glitzernde Perlen liegen die siebzehn Seen nordwestlich des bayerischen Meeres in der Landschaft.

Natürlich gibt es in Bayern kein Meer, doch die Tourismuswerbung hat den Chiemsee nun mal so getauft, um den aus ihrer Sicht einzigen Makel des Freistaats zu kaschieren: den des fehlenden Ozeanzugangs. Während also die Besucher des Chiemgau zum Meer strömen, herrscht wenige Kilometer entfernt an der Eggstätter Seenplatte meist idyllische Ruhe. Das wissen vor allem Einheimische zu schätzen, von denen einige Hartgesottene bei gutem Wetter bis in den November hinein im Kesselsee schwimmen. Mir ist es trotz Sonne am Vormittag zu kalt dafür. Also beobachte ich Libellen: Looping, Rückwärtsflug – für die Vierflügeligen alles kein Problem.

Mir dagegen wurden, wie den meisten Weltenbummlern, dieses Jahr die Flügel gestutzt: Marrakesch, Menorca, Ibiza, Formentera – allesamt 2020 auf meinem Rechercheplan. Irgendwer sprach den schönen Satz: Planung ersetzt den Zufall durch den Irrtum. Aber hey – ja kein Selbstmitleid! Beginnen echte Abenteuer nicht häufig vor der Haustür?

Wasserspaß mit Aussicht: Tachinger See (Foto: R. Zsolnay)

Wir wurden südöstlich von München fündig, in den unbekannteren Teilen des Chiemgau –ohnehin ein von Schönheit geadelter Landstrich. Doch in den vergangenen Wochen und Monaten ist er meinen Liebsten und mir noch mehr ans Herz gewachsen. Und zwar nicht nur wegen der knapp 30 Kilometer Wanderwege durch die Eggstätter Seenplatte, den romantischen Buchten am Kesselsee, den Liegewiesen und Stegen an Hartsee, Pelhamer, Stettner und Langbürgner See.

Statt Tapas und köstlich-kaltem Malvasia auf Ibiza gab es eben knuspriges Haxerl mit Landbräu-Begleitung im Biergarten der Dorfwirtschaft Asten. Anstatt an weißen  Sandstränden ins Meerestürkis Formenteras abzutauchen, glitten wir im Elektroboot über den Tachinger See, sein grünes unbebautes Ufer und die prächtige Bergsilhouette immer im Blick. Statt Marrakeschs labyrinthartiger Medina lockte uns Tittmonings beschauliche Altstadt mit einem fast 300 Meter langen bunten Stadtplatz, über dem eine mittelalterliche Burg wacht, ehemals Dependance der Salzburger Bischöfe.

Großartige Kleinstadt: Das Rathaus ist nur eines von vielen Prachtgebäuden am Stadtplatz von Tittmoning (Foto: R. Zsolnay)

Eine unserer besten Bergwanderungen führte von Unterwössen auf den Hochgern (1748 Meter), wo knapp 300 Höhenmeter unter dem Gipfel ganzjährig das Hochgernhaus auf Gäste wartet. Ach ja: Eine Wiederholung gab’s doch im Chiemgau-Vertiefungsprogramm: Die Kampenwand ist einfach Pflicht – nicht nur, weil das Massiv unterhalb des Gipfelkreuzes so imposant dasteht. Auch, weil der Blick auf Aschau und die Weite dieser mit Seen, Wäldern und sanften Hügeln gesegneten Gegend einmalig ist – hier oben verstand ich vor Jahren zum ersten Mal, warum ein Chiemgauer mir in München einmal erzählt hatte, er stamme aus Bayerisch Kalifornien.

Die Kampenwand (1669 m) thront über dem Chiemgau( Foto: R. Zsolnay)

Wer es bequem mag, kann sich der Kampenwand mit der Seilbahn nähern (ganzjährig, Wartung 9.11. – 24.12). Ihre historischen Gondeln in den knalligen Farben der Siebziger sind Hingucker; in der Sonne leuchten sie fast so schön wie die Kesselsee-Libellen. Es gibt zwar kein bayerisches Meer, aber Chiemgauer und Kalifornier eint ein gewisses Lebensgefühl.

Berlin in Zeiten von Corona

Eine Bestandsaufnahme aus der Ferne

„Schreibt doch mal was über Corona in Berlin!“, forderte uns der Verlag kürzlich auf. Und weiter: „Was der Reisende jetzt so wissen muss.“ Der zweite Satz hatte sich schneller erledigt als wir in die Tasten hauen konnten. Vor Reisen nach Berlin wird gewarnt. Die deutsche Hauptstadt ist nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts zum Corona-Risikogebiet geworden. Die wenigen Touristen, die gerade in Berlin sind, kann man suchen wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Neukölln, 500 Meter von unserer Haustür entfernt, schreibt bei der Sieben-Tage-Inzidenz Rekorde. Und „unser“ Kreuzberg steht ebenfalls nicht gut da.

Unsere Autorin Gabi Tröger beim Spaziergang durch Friedrichshain, Foto: privat

Zu Bestsellern werden unsere Reiseführer über Risiko-Berlin in diesen Zeiten nicht. Berlin steht bei vielen gerade als allerletztes Ziel auf der Bucket-List. Auch im Sommer war die Stadt schon vergleichsweise kleinlaut. Unter den Linden, der Alexanderplatz, der Pariser Platz vorm Brandenburger Tor – tote Touristenhose. Und bei den Restaurants trennte sich die Spreu vom Weizen: Gut besucht waren die, die immer schon bei der Berliner Stammkundschaft mit Qualität punkten mussten. Leer waren die, deren 08/15-Küche vor Corona vorwiegend Einmal-und-nie-wieder-Gästen serviert worden war.

Voll dagegen waren die Parks. Wir staunten nicht schlecht, wie sich der riesige Volkspark Hasenheide vor unserer Haustür mit dem Untergehen der Sonne zu einem Festivalgelände entwickelte. Mit DJ-Pults, fahrenden Gin-Tonic-Verkäufern und illuminierten Chill-out-Ecken. Und noch am nächsten Morgen sahen wir beim Joggen Party People im Park tanzen. Jetzt, wo die Zahlen in Berlin explodieren und der Nieselherbst kaum mehr Partys im Freien zulässt, will der Regierende Bürgermeister die Parks stärker kontrollieren lassen. Eine Lachnummer. Genauso wie die verordnete Sperrstunde, die schon wieder gekippt wurde. Oder das Alkoholverbot nach 23 Uhr! Welcher Wirt wird sich dem beugen? Berlin kann nicht vieles, aber eines doch immer: legal, illegal und scheißegal feiern.

Während Karl Marx in der Mülltonne kramt, spielt ein Kätzchen mit dem Coronavirus: Stencil von Marycula Foto: G.Tröger

An Regeln halten sich in der Stadt bekanntlich wenige. Das macht Berlin ja auch so sexy. In Corona-Zeiten aber geht uns das auf den Senkel. Dafür braucht es nicht mal die Ignoranten auf den Anti-Corona-Demos, die Hand in Hand mit Nazis marschieren. Es gibt Provokateure in der U-Bahn, die nur darauf warten, zum Tragen einer Maske aufgefordert zu werden, um dann loszustänkern. Es gibt den Wirt ums Eck, der die Mundschutzpflicht bis heute nicht kennen will. Auch so manche Spätis machen weiter wie seit eh und je: ohne Maske, ohne Glasscheibe, ohne Abstand.

All das hat uns die Koffer packen lassen. Jetzt, wo wir dies hier schreiben, sitzen wir vor unserem Van auf einem Campingplatz in Griechenland. Über uns das schattige Dach eines Olivenbaums, vor uns ein schneeweißer Kieselstrand und türkisfarbenes Meer. Rechts und links von uns: niemand. Auf dem Peloponnes schreiben wir gerade unsere Texte. Und von hier verfolgen wir die Debatten aus der Hauptstadt, während dort die Fallzahlen täglich steigen. Heizpilze ja oder nein? Schnelltests in der Clubszene ja oder nein? Reisen – darf man noch oder doch nicht?


Coronaarbeit des in Berlin lebenden argentinischen Streetart-Künstlers Alaniz. „Media scares me more than Corona“, ließ er diesbezüglich auf seiner FB-Seite verkünden, Foto: G.Tröger


Bis wir unser „altes“ Berlin wiederbekommen, wird es wohl noch ein Weilchen dauern. Schon jetzt aber freuen wir uns darauf. Auf verqualmte Bars, wo die Leute fröhlich über die ganze Theke schreien. Auf Konzerte, so laut, dass die Ohren klingeln. Und auf all die Restaurants mit ihren verrückten Konzepten, durch die wir uns genüsslich futtern werden.

Fazit: Derzeit ist ein Berlin nicht gerade einen Besuch wert. Sich aber schon mal einen unserer Reiseführer zu besorgen, darin zu schmökern und zu planen – das halten wir für eine großartige Idee…

Im Altmühltal: Zwischen UNESCO Welterbe und Naturerlebnis

„Das Altmühltal ist eine grüne Schatzkammer“, so schreibt es unser Autor Johann Schrenk in seinem gerade erschienen Reiseführer zum Altmühltal und Fränkischem Seenland. Entlang von 230 Kilometern schlängelt sich die Altmühl von Rothenburg nach Kelheim.

Johann Schrenk hat im Jahr 2020 im Michael Müller Verlag einen neuen Reiseführer zum Altmühltal veröffentlicht.

An der Altmühl

Wo genau liegt das Altmühltal? Zwischen den Städten Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber und Eichstätt im Norden Bayerns, erwarten Euch im Naturpark Altmühltal pittoreske Kleinstädte, abwechslungsreiche Landschaften und eine faszinierende Kultur. Radfahrer, Kanuten und Wanderer kommen voll auf ihre Kosten. Gerade richtig für eine kleine Herbstauszeit!

Wollt Ihr wissen, wo das Altmühltal am Schönsten ist? Wir geben euch fünf Tipps zum Entdecken, Entschleunigen und Staunen. Nachzulesen sind sie im Reiseführer Altmühltal und Fränkisches Seenland.

1. Millionen Jahre alte Geschichte zum Anfassen
Zwischen Eichstätt und Solnhofen erwartet Euch Spektakuläres. Im Eichstädter Jura-Museum  ist der Urvogel Archäopteryx zu sehen. Das Museum für Ur- und Frühgeschichte zeigt einzigartige Funde. Sehr zu empfehlen! für Kinder und Jugendliche gibt es freien Eintritt, sonntags um 14 Uhr gibt es öffentliche Museumsführungen (max. 8 Personen).Von Dienstags bis Sonntags geöffnet. Hier erfahrt Ihr mehr.

Einzigartige Funde sind in den Altmühltaler Museen zu sehen

Solnhofen ist wegen seiner einzigartigen Lage an einem der schönsten Streckenabschnitte der Altmühl immer einen Besuch wert. Die Urlaubsgemeinde beherbergt seit 2014 einen neu eingerichteten „PaläoZoo“ mit drei Originalfunden des Urvogels Archaeopteryx und einem gefiederten Raubdinosaurier. Das Museum hat täglich geöffnet (im Winter nur sonntags).

2. Kultur zum Erleben.
Im Altmühltal wird die Kultur nicht nur bewahrt, sondern gelebt. Dabei thematisieren die zahlreichen Ausstellungen, Museen und Veranstaltungen vor allem den Alltag, die Landwirtschaft und die Arbeit in früherer und heutiger Zeit. Sehenswert ist zum Beispiel das Museum „HopfenBierGut“ im ehemaligen Kornhaus in Spalt am Brombachsee mit begehbarem Braukessel, Panorama-Kino und Aromastation.

In Beilngries erwartet die Besucher eine „Bierkultur“ mit dem Brauereimuseum im Felsenkellerlabyrinh und zahlreichen Biergärten, in denen man sich an lauen Abenden trifft.

Herrliche Biergärten locken nach der Radtour

Und auch das Kloster Weltenburg lockt mit einem herrlichen Biergarten. Wer nicht mit dem „Mainstream“ zum Kloster gelangen will, der geht zu Fuß von Kehlheim aus über das Klösterl nach Stausacker (ca. 70 Min. Hier setzt eine Fähre über die Donau. Das dunkle Klosterbier in der Klosterschenke schmeckt am besten zu einem frischen Radi.

 3. Burgen zum Besichtigen

Hoch über der Altmühl thronen zahllose Burgen und Ruinen über dem Tal. Zum Beispiel die Burg Dollnstein, wo das „Altmühlzentrum Burg Dollnstein“ eine klasse Einführung in den Burgenbau der Region liefert.

Burg Prunn @Pixabay_FelixMittermeier

Die Burg Prunn thront beim Ort Riedenburg hoch über dem Main-Donau-Kanal und gilt als eine der schönsten Bayerns. Die schönste Burg vom Altmühltal ist sie allemal.

4. Natur zum Erleben

In Gungolding stößt man auf die schönste Wacholderheide des Altmühltals. Durch Beweidung entstanden hier artenreiche Trockenrasen, auf denen natürlich auch Wacholderbeeren reifen. Die Schafe im Naturpark Altmühltal sorgen dafür, dass die Gungoldinger Wacholderheide erhalten bleibt. Und das Altmühltaler Lamm steht auch bei vielen Gastronomen auf der Speisekarte. Hier geht es zur Übersicht.

Wacholderheide bei Gungolding

Das Rad ist ideal an der Altmühl und zwischen den Seen, egal ob Tourenrad, Mountainbike oder E-Bike. Die Infrastruktur ist fantastisch, es gibt ein perfekt ausgebautes und ausgeschildertes Wegenetz, darunter den Klassiker Altmühltal-Radweg mit 166 km. Spezielle Infos für E-Bike und Pedelecs auf www.stromtreter.de.

Für Wanderer warten neben dem Altmühltal-Panoramaweg mit seinen optionalen Schleifen 19 geprüfte Rundwanderwege und eine Fülle von Themenwegen.

Das Seezentrum und die Vogelinsel in Muhr am See zählen zu den beliebtesten Ausflugszielen am Altmühlsee.Das Informationszentrum in Muhr genießt Alleinstellung – dank großer Ausstellungen, Dorfstadel und Gästestadel. Direkt daneben befindet sich die Geschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz.

Am Altmühlsee

5. Naturwunder

In Wolfsbrunn, ca. 10 km nördlich von Treuchtlingen befindet sich die Steinerne Rinne. Hier hat sich das kalkreiche Wasser nicht in die Erde gegraben, sondern einen natürlichen Aquädukt geschaffen. Das Naturdenkmal lohnt einen Ausflug.

Alles drin, was man zum Altmühltal wissen muss und viele Expertentipps inklusive

Im Thüringer Urwald den „Indian Summer“ erleben und fünf Ausflüge für ein unvergessliches Wochenende

Das „grüne Herz Deutschlands“ wird Thüringen genannt. Hier gibt unsere Autorin fünf Wandertipps für den Hainich, die Thüringer Rhön und das mittlere Saaletal. Damit kann das Wochenende beginnen!

Regelmäßig ist unsere Autorin Heidi Schmitt im „grünen Herz Deutschlands“ unterwegs.Sie weiß, wo die schönsten Wanderwege von Thüringen verlaufen, wie man sich auf die Spuren der Kelten begibt und welche Attraktionen Familien auf keinen Fall versäumen sollten.

Urwald mit Aussicht: der Hainich in Thüringen

Unterwegs im Urwald: Der Hainich im Nordwesten Thüringens bildet mit seinen 16.000 Hektar Fläche das größte Laubwaldgebiet Deutschlands. Als Nationalpark sind 7.500 Hektar ausgewiesen und das bedeutet: Hier darf der Wald ohne Eingriff von Menschenhand  seinen natürlichen Lebenszyklen folgen. Vor allem Rotbuchen wachsen in diesem beeindruckenden und von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Urwald. Im Herbst können Wanderer unter dem gelb-orange gefärbten Blätterdach eine wahren „Indian Summer“ erleben. Eine der schönsten und leicht zu gehenden Wandertouren startet in der Nationalparkgemeinde Kammerforst und führt auf einem insgesamt 12 km langen Rundweg zur über 800 Jahre alten Betteleiche. In einer Höhlung des alten Baumstamms legten einst die Bewohner der Umgebung Lebensmittel für die in einer Klause lebenden Bettelmönche ab. Heute passt ein ausgewachsener Mensch in das Baumloch hinein (Die ausführliche Wanderung findet ihr im Reiseführer Thüringen).

Unsere Reiseführer-Autorin vor der Betteleiche im Hainich

Auf über 20 Wanderwegen mit insgesamt über 120 km lässt sich der Hainich ganz entschleunigt erleben. Für ein ganz besonderes Hainich-Erlebnis verlassen Groß und Klein den artenreichen Waldboden, um dem Wald besonders nahe zu kommen. Ein 540 Meter langer barrierefreier Holzpfad auf Stelzen führt hinauf in die Baumkronen, so kann man buchstäblich „dem Urwald aufs Dach steigen“. Vom 44 Meter hohen Aussichtsturm des Baumkronenpfads hat man einen wunderschönen Panoramablick über den Hainich und das Thüringer Becken bis hinüber zum Harz. In der Wurzelhöhle werden die Prozesse, die sich im Waldboden abspielen,  interessant und spielerisch erklärt. (April-Okt. 10-19, Nov.-März 10-16 Uhr).

Auf dem Baumkronenpfad im Hainich

Eine neue Attraktion für die Kleinsten ist gerade nahe des Besucherzentrums Thiemsburg eröffnet worden: der Abenteuerspielplatz „Fagati“. In Anlehnung an die Fabelgestalt des Fagati können Kinder hier klettern, toben und spielen. Dabei soll ihr Interesse an der ursprünglichen Natur des Nationalparks Hainich geweckt werden (Eintritt frei, geöffnet April-Oktober 10-19 Uhr). Als Abstecher für die ganze Familie eignet sich ein Besuch im Wildkatzendorf Hütscheroda. Die geschützte Wildkatze ist im Hainich wieder heimisch, aber sie ist scheu und nachtaktiv, weshalb man sie in der Natur selten zu Gesicht bekommt. Wie die kräftigen, graubraun melierten Pelzträger jagen, das kann man im Freigehege des Wildkatzendorfes bei Schaufütterungen beobachten. (April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-16 Uhr).

Im Wildkatzendorf Hütscheroda lassen sich scheue Wildkatzen beobachten

Auf den Spuren der Kelten findet man im Grabfeld und in der Thüringer Rhön interessante und abwechslungsreiche Wanderwege. Das größte Bodendenkmal Thüringens ist die Steinsburg bei Römhild. Die Kelten legten diese 68 Hektar große Befestigungsanlage schon im 5. Jahrhundert v. Chr. in den so genannten Gleichbergen an. Ein archäologischer Wanderweg (10 km) führt zu Resten der drei Mauerringe und passiert Grabhügel und Wohnplateaus. Der Weg beginnt am Steinsburgmuseum (an der Straße nach Hildburghausen), das die Kultur der Kelten mit exquisiten Funden präsentiert. Wie eine keltische Siedlung ausgesehen hat, das lässt sich im nachgebauten Keltendorf Sünna erleben. Von hier aus führt der „Keltenpfad“ (16 km) zu archäologischen Fundstellen am Öchsenberg und am Dietrichsberg. Im Kelten-Hotel kann man (nach Anmeldung) mit Pfeil und Bogen schießen wie die Kelten und danach keltische Speisen genießen.

Im Keltendorf Sünna

In der Weinlesezeit zieht es Weinliebhaber natürlich an die Saale. Ein rundum genussreicher (verlängerter) Wochenendtrip führt nach Jena. Bevor man allabendlich in der regionalen Gastronomie oder in den Weingütern vor Ort ausgesuchte Saaleweine probiert, dürfen tagsüber die Muskeln arbeiten. Auf der„Saale-Horizontale (72 km) lernen die Wanderer die Muschelkalkhänge zwischen Jena und Dornburg mit ihrer Natur und Kultur kennen. Herbstlich gefärbter Buchenwald, duftende Kieferhaine, schroffe Abbruchkanten, malerische Ruinen, Streuobstwiesen, Orchideen und die gemächlich dahinfließende Saale – unterwegs bieten sich abwechslungsreiche Eindrücke. Die Gesamtstrecke lässt sich in vier Tagesetappen gliedern, Start- und Zielpunkte sind mit Bussen erreichbar. Insgesamt sind über 3.400 Höhenmeter zu bewältigen, aber die herrlichen Ausblicke über das mittlere Saaletal sind der Mühen wert. Kulturelles Highlight sind die Dornburger Schlösser, die schon Goethe besang und an deren Schlossberg ein guter Wein reift. Auch mehrere Kurztouren (um die 2 km) wie zum Beispiel zum Fuchsturm, zur Lobdeburg oder zur „Studentenrutsche“ sind möglich. Wenn das Wetter mal nicht passt: In Jena sorgen zahlreiche Sehenswürdigkeiten vom Zeiss-Planetarium bis zum Schott-Glasmuseum für anregenden Zeitvertreib (mehr Infos dazu gibt es im Thüringen Reiseführer).

Die Dornburger Schlösser wurden schon von Goethe besungen

Corona-Hinweis: Für die beschriebenen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten gelten wegen der Corona-Pandemie die üblichen Hygiene-Konzepte (Abstand halten, wo es eng wird Maske auf, Hand-Hygiene etc.). In Thüringen gilt Maskenpflicht im ÖPNV sowie im Einzelhandel. Bitte informieren Sie sich auf den im Buch genannten Webseiten oder in den Touristenbüros über möglicherweise abweichende Öffnungszeiten.

Ein unvergesslicher Trip: Zehn Seen in drei Tagen an der Mecklenburgischen Seenplatte

Für alle, die Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte machen, haben unsere Mecklenburg-Vorpommern-Autoren Sabine Becht und Sven Talaron einen ganz besonderen Tipp: die 10-Seen-Runde auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte – ein Paddel-Klassiker!

Dass auch kleine Boote große Wellen machen können, steht lapidar auf der Rückseite unserer Wasserwanderkarte. In der Tat wurde es für uns ein paarmal bedenklich wackelig auf den Seen der Tour, die auch für Motorboote zugelassen sind. Doch eigentlich galt unsere Sorge dem Regen, der angekündigt war. Tatsächlich aber schien die Sonne, als wir mit zwei schwer beladenen Canadiern, vier Personen und Hund lospaddelten. Erstes Highlight ist die Ahrensberger Hausbrücke und nebendran ein weithin bekannter Fischereihof: Fischräucherei und -imbiss samt Biergarten, undenkbar, diese Rast auszulassen!

Aber es liegt noch ein beträchtliches Stück Wasserwanderweg vor uns, also muss es irgendwann weitergehen, über Priepert- und Ellbogensee zur Schleuse von Strasen. Auf dem Kleinen Pälitzsee werden die Arme dann zunehmend schwerer, besagte „kleine Boote“ lassen uns ein paarmal fluchen – ganz schön hoch sind deren 15-PS-Wellen. Müde aber trocken erreichen wir nach fast 18 Kilometern endlich unseren Wasserwanderrastplatz am Campingplatz Pälitzsee. 

Am nächsten Morgen dann kein Regen, dafür ziemlich starker Wind, der uns schon auf dem Canower See ins Schwitzen bringt, nach der Canower Schleuse aber auf dem Labussee einen scheinbar nicht endenden Kraftakt erfordert. „Na, habters jeschafft?!“ ruft uns anerkennend ein Berliner zu, als wir schwer schnaufend in die Dollbek einbiegen. Mit einem Mal ist es absolut windstill, spiegelglatte Wasseroberfläche, Seerosenparadies – was für ein Idyll! Danach sind nur noch der Gobenowsee und Klenzsee zu durchqueren, gegen den Labussee ein Kinderspiel, bis wir unser Ziel, den Kanuhof Wustrow, erreichen.

Am letzten Tag dann der Plätlinsee, keine Motorboote, dafür wieder ordentlich Wind, aber Rückenwind! Das Problem: am Ende des lang gestreckten Sees sind wir fast zu schnell und verpassen beinahe die Schwaanhavel. Also Paddel querstellen, scharfe Kurve, dann mit voller Kraft an der Tonne vorbei, die die Einfahrt zur Schwaanhavel markiert. Auf diesem letzten Abschnitt der Tour sollte man sich ein wenig Zeit lassen. Das baumbestandene Ufer und eine üppige Vegetation schaffen einen besonderen Zauber, Schwan- und Entenfamilien wird man höchstwahrscheinlich antreffen, vielleicht aber auch ein paar seltenere Wasservögel. Und natürlich jede Menge andere Kanuten. Das Wasser ist flach, zwischendurch müssen wir die Boote treideln, bei Niedrigstand wie zuletzt 2018 und 2019 ist die Schwaanhavel gar nicht befahrbar.              

Drei Tage, diverse Fischbrötchen, zehn Seen und vier Schleusen später kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück, beziehen unsere winzigen Hütten in der Kanu-Mühle Wesenberg und erleben einen Wolkenbruch vom Feinsten. Eine Punktlandung.

Info: Die Tour (ca. 36 km) im 2er- bis 4er-Canadier ist auch für durchschnittlich Sportliche gut machbar. Die genaue Routenbeschreibung, Kanuverleiher, Wasserwanderrastplätze, Übernachtungs-, Essens- sowie vielen weiteren nützlichen Tipps werden in der Neuauflage unseres Reiseführers „Mecklenburgische Seenplatte“ veröffentlicht, der in 5. Auflage Anfang 2021 erscheinen wird.