Eintauchen ins Blütenmeer: die Bundesgartenschau 2021 in Erfurt

Erfurt ist erblüht: Die Bundesgartenschau 2021 hat ihre Pforten geöffnet und lockt mit vielen Attraktionen in die Landeshauptstadt Thüringens. Unsere Autorin Heidi Schmitt taucht ein in das Frühlingsblütenmeer aus 330.000 Tulpen, Osterglocken und Co.

1. Erfurt – eine Gartenstadt mit Tradition

Die Puffbohne ist Erfurts knuddeliges Maskottchen, die Gemüsepflanze gehört nämlich zur jahrhundertealten Erfurter Gartenbautradition. An diese knüpft die BUGA 2021 nun an. Reich wurde die Stadt aber durch den Anbau und Handel mit der Färberpflanze Waid. Wie man aus deren Blüten mit ein bisschen Pipi ein wunderschönes Blau hergestellt hat, das erfahren die Besucher*innen in der Ausstellung „Erfurter Gartenschätze“. Außerdem greift die Schau viele Trend-Themen wie Klimawandel, Bienenschutz, essbare Gärten, Upcycling und Tinyhouse auf. Ein echtes Highlight in der Blumenstadt Erfurt!

2. Die Highlights der BUGA 2021

Hauptschauplatz ist der aufgefrischte egapark mit beliebten Highlights: das große Blumenbeet, der Japanische Garten und die Staudenschau an der Wasserachse. Als neue Attraktion wurde das Wüsten- und Urwaldhaus Danakil eingerichtet, das Pflanzen und Tiere zweier gegensätzlicher Klimazonen vereint.

Für die BUGA Erfurt 2021 neu gestaltet wurde das Gelände um die barocke Zitadelle auf dem Petersberg. Überall grünt und blüht es, das einst öde Exerziergelände und die renovierte Peterskirche sind nicht wiederzuerkennen. Der Festungsgraben wurde mit Blumen, Kräuter- und Gemüsebeeten farbenfroh gestaltet. Nicht nur die Besucher finden das toll, auch die im dortigen Biotop lebenden Hasen. Die haben bereits die Kohlrabi-Pflanzen abgefressen.

Die BUGA Erfurt 2021 bringt langfristig mehr Grün in die Stadt. Aufgepeppt mit Spielplätzen, Teichen, Liegewiesen und Radwegen zieht sich nun die Gera-Aue auf fünf Kilometern durch die Stadt.

Wüstenlandschaft Danakil @ BUGA Erfurt 2021 Foto: Steve Bauerschmidt

3. Wenn man schon mal da ist: Was gibt es sonst in Erfurt zu sehen?

Mit der BUGA-Rutsche geht’s vom Petersberg auf den Domplatz. Der Erfurter Dom ist DAS Wahrzeichen der Stadt. Von hier aus beginnt ein Spaziergang durch die historische Altstadt mit der mittelalterlichen Krämerbrücke als Highlight. Auf den Spuren von Martin Luther wandelt man im Lateinischen Viertel. Im Augustinerkloster wurde der spätere Reformator zum Mönch geweiht. In der ehemaligen Synagoge ist der „Erfurter Schatz“ zu bewundern. Im Angermuseum werden wertvolle Gemälde u.a. von Lucas Cranach, Carl Spitzweg und Caspar David Friedrich gezeigt.

Erfurt , 23.04.2021 , BUGA Erfurt 2021 , Die Petersberg Rutsche Im Bild: Gustav Lausch auf der Rutsche Foto: Steve Bauerschmidt

4. Ganz Thüringen ein Gartenparadies: die Außenstandorte

Thüringen ist reich an Parks und Landschaftsgärten. Als „Außenstandorte“ der BUGA Erfurt 2021 werden 25 Parks in einem Gartennetzwerk besonders hervorgehoben. Die meisten sind frei zugänglich wie die Dornburger Schlossgärten, die Parkanlagen der Residenzstadt Gotha, der Schlosspark Altenstein in Bad Liebenstein oder der Schlosspark Molsdorf bei Erfurt. Weimar lockt u.a. mit dem Schlosspark Belvedere und dem Park an der Ilm. Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man den Gärten der Stadt Bad Langensalza, wo der Japanische Garten und der Rosengarten ein besonderes Flair verströmen (Ermäßigung mit BUGA-Ticket).Wer mehr darüber erfahren will, stöbert einfach in unserem Reiseführer über Thüringen.

Der japanische Garten in Bad Langensalza @ Heidi Schmitt

5. BUGA und Corona

Leider bremste die Corona-Lage zum Start die Erlebnismöglichkeiten auf der BUGA Erfurt 2021 zunächst ein. Abhängig von den Corona-Inzidenzen, waren zunächst die Hallenschauen geschlossen, es gab keine Veranstaltungen und von den Besuchern wird ein tagesaktueller Corona-Test verlangt.

Seit Ende April gibt es eine neue Teststation am egapark. Um Wartezeit zu vermeiden ist es ratsam, einen höchstens 24 Stunden alten, offiziellen Test von seinem Wohnort mitzubringen.

Vollständig Geimpfte, also diejenigen die 14 Tage nach der Zweitimpfung den vollständigen Impfschutz erreicht haben, brauchen keinen Corona-Test mehr für den Zutritt auf die Bundesgartenschau in Erfurt. Auch Corona-Genesene sind von der Testpflicht befreit.

Alle anderen Besucher müssen sich vorher testen lassen (z.B. im Testzentrum in der Erfurter Messehalle).

Einlass in die Gartenschau ist nur mit vorab online gebuchten Tickets möglich.

Dauer: bis 10. Oktober 2021, über pandemiebedingte Aktualitäten informiert die BUGA-Webseite.

Fünf unvergessliche Unterkünfte in Südtirol und den Dolomiten

Besser als Ferien in Pension oder Ferienwohnung: Unser Südtirol-Experte empfiehlt ein Baumhaus mit Whirpool, eine Nacht unterm Sternenhimmel und ein Sonnenaufgangskonzert auf dem Col Margerita.

Sucht Ihr noch einen Geheimtipp für eine Unterkunft in Südtirol? Wer, wie unser Experte Florian Fritz als Reisebuchautor jahrelang in den Bergen Südtirols und der Dolomiten unterwegs ist, der bekommt im Laufe vieler Urlaube unglaubliche, lustige und einprägsame Erlebnisse zusammen. Als Südtirol-Insider suchen Florian und seine Frau im Rahmen der Recherche eher das Außergewöhnliche, als das Banale. Manchmal findet sich das Außergewöhnliche dann im Banalen, das ist dann auch gut. Für Euch hat er hier ein TOP-5-Ranking der unvergesslichsten Südtiroler Unterkünfte erstellt: Gnadenlos subjektiv, sicherlich einzigartig – und garantiert zur Nachahmung empfohlen!

Platz 5: Glamping im Baumhaus auf dem Campingplatz Sexten

Platz 5 schwebt über dem Boden, genauer gesagt befindet er sich in einem gigantischen Baumhaus auf dem Campingplatz Sexten. In 10 Metern Höhe gibt es eine Sauna, einen Whirlpool, eine Flasche Schampus zum Empfang, das alles umhüllt von Holz und Glas. Staunend geben wir uns dieser ökologisch verbrämten Dekadenz hin, die von einem Fünf-Gänge-Abendessen im nahen Restaurant unterbrochen wird. Der Preis ist, nun ja, heiß, aber wie oft nächtigt man schon in einem Fünf-Sterne-Baumhaus?

Ist halt Glamping, darf man sich im Urlaub trotzdem mal gegönnt haben. Auf einem Baum ruht das ganze Konstrukt übrigens nicht, da hätte es schon den Stumpf eines Mammutbaumes benötigt. Aber eines steht fest: Zumindest drum herum sind Bäume, jede Menge.

Platz 4: Bergrefugium Hotel zum Hirschen in St. Felix am Walde

Platz 4 verleihen wir dem Hotel zum Hirschen in St. Felix im Walde, einem verschlafenen Ort am Mendelpass. Von Bozen ist der Ort eine knappe Autostunde entfernt, von Meran braucht man etwa 45 Minuten. St. Felix am Walde ist ein traditionsreicher Ort,  tolle Küche mit regionalen Produkten und, zumindest in unserem Falle, gaaaaanz viel Schnee. Schon die Fahrt auf der Mendelpassstraße war in jenem Januar ein Abenteuer. Geschlossene Schneedecke, Schneetreiben, jede Serpentine ein eigener Schweißausbruch.

Blick aus dem Fenster nach einer Winternacht in St. Felix @ Florian Fritz

Auf dem Berg angekommen, im Hotel waren wir die einzigen Gäste, parkten im Dunkeln gegenüber vom Haus und durchschliefen eine schneeschwarze, absolut stille Nacht.

Morgens der Blick aus dem Fenster: ein Meter Neuschnee auf Dächern und der Straße, unglaublich. Unser Auto kaum noch zu sehen. Dann kam der Schneeräumer, fuhr an ihm vorbei und es war gar nicht mehr zu sehen. Das war‘s dann wohl, dachten wir uns. Weitere Schneefälle waren angesagt. Für immer gefangen im Hotel in St. Felix. Beim nächsten Mal doch lieber nach Meran?

St. Felix in Südtirol tief verschneit @ Florian Fritz

Schon am Vorabend war uns im Hotel ein lebhafter kleiner Peruaner aufgefallen, offenbar hier gestrandet mit seiner stillen, flinken Frau, die den Zimmerservice machte. Beim Frühstück sahen wir ihn dann – an unserem Auto. Er schippte unverdrossen kubikmeterweise den Schnee weg und winkte uns zwischendrin fröhlich zu. Später erzählte er, dass er schon seit vielen Jahren mit seiner Frau hierher ins Hotel käme, zwei von unzähligen Arbeitskräften aus dem Ausland, die Südtirols Tourismusbranche am Laufen halten und die Hotel-Angebote bezahlbar machen – vermutlich aber selten so gut gelaunt und überzeugt wie dieser Peruaner im meterhohen Schnee von St. Felix.

Platz 3: Die Hütte zur Schönen Aussicht im Schnalstal zum Almabtrieb der Schafe

Platz 3 geht an die Hütte zur Schönen Aussicht, auf 2.850 m Höhe im hintersten Schnalstal gelegen. Von Meran aus, sind es ungefähr 30 Autominuten. Die Hütte ist leicht erreichbar von der Gipfelstation der Seilbahn auf die Grawand auf 3.250 m Höhe – man muss nämlich nur bergab gehen, um sie zu erreichen. Besonders wird die Übernachtung nur an einem Tag im Jahr: wenn der historische Schafübertrieb im Herbst vom Ötztal zurück ins Südtiroler Schnalstal stattfindet, von den seit dem Mittelalter genutzten, in Österreich liegenden Sommerweiden der Südtiroler Schäfer – ein grandioses Ereignis und immaterielles Kulturerbe der UNESCO.

Davor steht: ein Abend in der rappelvollen Hütte, der Alkohol fließt in Strömen, die ganze Nacht üben im Bettenlager über uns erstaunlich konditionsstarke junge Menschen lautstark Vermehrungsstrategien, am Morgen schwankt man übermüdet an die frische Luft. Aber dann: 3000er, Gletscherseen, endlose Geröllflächen, in denen plötzlich braune Punkte auftauchen. Sie sind da!

Alle rennen los, hunderte von Menschen laufen hunderten von Schafen entgegen. Schäfer tragen neugeborene Lämmer im Arm, die während der Rast an der Hütte von ihren Mutterschafen gesäugt werden. Dann geht es den historischen schmalen Steig durch Südtiroler Steilhänge in einer endlosen Schafsschlange blökend und mähend bergab. Eine phantastische Kulisse für ein Schauspiel, das einen Hauch von Urzeit hat und ein Gefühl von Ewigkeit vermittelt. Müdigkeit? Iwo!

Platz 2: Zum Alpenglühen in den „Starlight Room“ der Dolomiten

Platz 2 gebührt einer mit roten Herzen verzierten Bettdecke, in die gekuschelt man durch beschlagene Scheiben Millionen Sterne am Himmel sieht, während ein Wärmegebläse mit ca. 110 Dezibel verhindert, dass man erfriert. Ein Wahnsinn!

Eine Winternacht im Starlight Room mit direktem Bllick zum Sternenhimmel und morgendlichem Alpenglühen @ Florian Fritz

Das Ereignis namens „StarlightRoom“ beginnt mit einem üppigen Abendmahl im Rifugio Col Gallina am Passo Falzarego. Anschließend geht es im Dunkeln mit dem Schneemobil die Piste hoch, dann rechts ab, bis man an einem verglasten Holzbau landet, der kaum größer ist als das Bett, das er beinhaltet. Bis morgen früh um 8, dann werden wir zum Frühstück abgeholt, sagt unser Fahrer, und weg ist er. Minus 10 Grad, ein sternenklarer Himmel, am Lagazuoi leuchtet das Rifugio, die Tofanen bleich im Abglanz des Mondes. Rein in die Hütte und unter die Decke, Gebläse an, Kondenswasser rinnt über die Scheiben, aber der Blick nach oben zeigt: Sterne. Sterne. Sterne. Diese Form der Romantik muss man erlebt haben.

Blick aus dem Starlight Room am Col Gallina @ Florian Fritz

Platz 1 Zum legendären Sonnenaufgangskonzert auf den Col Margherita

Platz 1 befindet sich nahe des Passo San Pellegrino: Die Talstation der Seilbahn Col Margherita, an einem Abend im Jahr Treffpunkt einer großen, bunten Schar von Campern und Dachzeltern, die aus ganz Italien daherkommen, die letzten weit nach Mitternacht. Es wird gegaskocht, Wein getrunken, geratscht, an Schlaf ist nicht zu denken in unserem dünnen Dachzelt. Wir waren schon am Nachmittag da, super. Jetzt erleben wir live mit, wie wir gegen Mitternacht lautstark von Wohnmobilen zurangiert werden. Wozu das alles?

Suoni delle Dolomiti, Alba delle Dolomiti am Col Margherita.

Das legendäre Sonnenaufgangskonzert findet um 6 Uhr morgens auf 2.500 m statt, ab 4 Uhr fährt die Seilbahn hunderte von Menschen nach oben, dann stolpert man im Dunkeln eine halbe Stunde auf Schotterpfad bergab im Schein einiger Fackeln, bei minus 3 Grad im August, um die Sonne über den Dolomiten aufgehen zu sehen, während die ersten Töne sphärischer Musik erklingen, eigentlich.

Denn in diesem Jahr setzt punkt halb 2 in der Nacht ein dröhnendes Gewitter ein – darf das wahr sein? Trotzdem raus aus dem klammen Schlafsack, durch den Regen zur Seilbahn. Warten. Um 3 regnet es immer noch. Irgendwann hängt der übernächtigte Ticketverkäufer ein Schild raus: Annullato.

Das war‘s. Miese Stimmung? Mitnichten. Die Italiener packen ihre Brotzeit aus, machen erst mal Picknick nachts um drei im Warteraum der Seilbahnstation. Schweigen? Wozu denn?

Es wird gegackert, palavert, das Leben geht weiter.

Wir schleichen zurück zum Auto, ab ins Zelt, gut gefüllt mit innerlichen Flüchen.

Versteht sich, dass uns um halb sechs in der Früh die Augustsonne wachkitzelt, von einem wolkenlosen azurblauen Himmel herab. Die Heimfahrt war, nun ja, eine müde Angelegenheit.

Camping vor der Seilbahn am Col Margherita @ Florian Fritz

Es muss aber fairerweise erwähnt werden, dass wir im Jahr zuvor einen grandiosen Sonnenaufgang musikalisch untermalt serviert bekamen – allerdings ist mir da die Übernachtung nicht mehr in Erinnerung.

Wann fährt die nächste Fähre nach Föhr?

Die Insel Föhr bietet genau die richtigen Voraussetzungen für Ruhe und Gemütlichkeit, selbst in der Hochsaison findet sich auf der Insel immer noch ein angenehm ruhiges Plätzchen – pure Erholung also, nicht nur für Stadtgestresste.

Unser Experte für die norddeutsche Küste: Autor Dieter Katz auf Föhr

Nur 7 km entfernt vom Festland liegt diese Oase in der Nordsee. Eine starke Brandung gibt es hier nicht – denn die Inseln Sylt, Amrum und die Halligen schützen Föhr vor schweren Stürmen. Aufgrund dieser windgeschützten Lage, hat sich auf Föhr eine reiche Vegetation mit zahlreichen stattlichen Bäumen entwickelt.

Warum heißt Föhr „die grüne Insel“?

Landschaftlich überwiegen hier saftige Wiesen und Felder der fruchtbaren, brettebenen Marsch, die mehr als die Hälfte der Insel bedeckt. Es gibt heute noch weit über 50 Landwirte auf Föhr, die die typische Landschaft der Insel erhalten und der Insel so zu ihrem Beinamen „grüne Insel“ verhalfen.

Warum solltest Du nach Föhr reisen?

Die durch und durch flache Insel besitzt malerische Inseldörfer mit oft alten, reetgedeckten Kapitänshäusern aus der Walfängerzeit. Fast nirgendwo in Deutschland finden sich so viele reetgedeckte Dorfkerne wie auf Föhr. Das macht den eigentlichen Charme der Insel aus. Viele der alten Friesenhäuser sind mit Rosenstöcken berankt und vor den Häusern stehen häufig stattliche Bäume. Allen voran gilt Nieblum als eines der schönsten – wenn nicht sogar als das schönste Dorf von Schleswig-Holstein.Alle Orte auf der Insel Föhr sind durch eine Ringstraße verbunden, die Rundföhrstraße.

Wo sonst gibt es an der deutschen Nordseeküste einen reinen Sandstrand?

Der Geestrand wird im Süden der Insel durch einen schönen, wenn auch relativ schmalen Sandstrand begrenzt. Dieser zieht sich auf einer Länge von 15 km von Wyk bis Utersum und ist das eigentliche Kapital von Deutschlands zweitgrößter Nordseeinsel.

Sylt bei Sonnenschein oder: Ein Tag im Strandkorb – was ist schon dabei?

Unser Reise-Autor findet, dass sich der wahre Reiz der Insel Sylt erst im Strandkorb erschließt. Lesen Sie hier, wie der Strandkorb nach Sylt kam, was ihn von Strandkörben der Ostsee unterscheidet und wo Sie sich einen Korb für zuhause fertigen lassen können.

Wer meint, in seinem Sylt-Urlaub von Leuchtturm zu Leuchtturm hetzen zu müssen, jede Gastwirtschaft an der Whiskymeile nach Promis abzusuchen oder mindestens zweimal am Tag den Zwang hat, die Friedrichsstraße von Westerland rauf- und runterzuflanieren, der hat den Sinn eines entspannten Urlaubs auf der Insel nicht verstanden.

Ein schöner Ferientag am Meer besteht im Entspannen, im gekonnten Nichtstun. Was bietet sich da mehr an, als einen Strandkorb zu mieten? Sobald man sich in das komfortable Strandmöbel eingekuschelt hat, lässt man seinen Blick über das Breitwandstrandpanorama der Nordseeinsel gleiten: Ein weiter Horizont, geschmückt mit ein paar weißen Wolken; der lange weiße Weststrand, auf dem sich die Strandkörbe pittoresk verteilen; die sich mal mächtig, mal friedlich gebenden Nordseewellen, die mit einem beruhigenden Rauschen am Strand auflaufen; und schließlich die Strandspaziergänger, die mehr oder weniger versunken in ihren Gedanken am Meeressaum entlang ziehen.

Wem das bald zu langweilig wird, bemüht sich eben in aller Ruhe und bei Sonnenschein, sich den nötigen Urlaubsteint zu erarbeiten oder er widmet sich seinem mitgebrachten Bücherstapel oder den vielen Zeitschriften, die sich in den Wochen vor dem Urlaub über angesammelt haben.

Große Auswahl am großen Strand: Im Strandkorbparadies @ Dirk Thomsen

Der Strandkorb hat seinen Ursprung allerdings nicht auf Sylt, das muss man selbst als eingefleischter Sylt-Fan einräumen. Er wurde an der Ostseeküste genauer gesagt in Rostock erfunden, um der an Gicht erkrankten Frau Elfriede Mahlzahn einen schonenden Aufenthalt am windigen Strand zu ermöglichen. Was gut an einen Strand an der Ostsee passt, passt selbstverständlich auch an einen Nordseestrand. Allerdings mit einem kleinen Unterschied: Die Seiten der Ostseekörbe haben abgerundete Ecken, die Körbe an der Nordsee haben gerade Kanten. Ursprünglich war das Strandmöbel nur für eine Person gedacht, doch da es bekanntlich zu zweit immer schöner ist, setzte sich der Zweisitzer durch.

Absolut romantiktauglich – der Sonnuntergang am Strand @ Dirk Thomsen

Und so kann man heute nicht nur seinen Blick über den weiten Strand schweifen lassen, sondern sich auch gegenseitig zustimmend zunicken: Der faule Tag im Strandkorb war die richtige Entscheidung. So entspannt kann man sich vielleicht am nächsten Tag der Leuchtturmjagd oder der Promi-Safari widmen…

Wer so gar nicht auf das faule Erlebnis verzichten kann und auch zu Hause das Strandkorbfeeling genießen möchte: Auf Sylt gibt es eine Strandkorbmanufaktur in Rantum, in der man sich einen Korb zulegen kann, und in List werden im Herbst ausgemusterte Strandkörbe versteigert.
Die Strandkörbe kann man tageweise mieten und zwar über die Tourismus-Services der Inselorte, reist man in der Hochsaison auf die Insel Sylt, sollte man sich allerdings vorher Gedanken machen, wann man einen Tag vertrödeln will und sich seinen Strandkorb im Voraus sichern. Die Strandkörbe sind leider oft schnell ausgebucht.

Vor Ort recherchiert und ausprobiert – mit unserem Autor Dirk Thomsen unterwegs auf Sylt:

  • Alles was man über Sylt wissen muss
  • Küsten, Orte und Sehenswertes im Detail
  • Daten, Fakten und Hintergrundgeschichten
  • Wertvolle Tipps und Adresse

Reisen und damit Geld verdienen

Reisen als Job, das war zumindest vor der Corona-Pandemie der Traum vieler Blogger und Autoren. Reisen, Zeit im Ausland verbringen und darüber berichten, klingt nach wenig Arbeit, aber wie kann ich als Reisejournalist mit meinen Texten Geld verdienen? Wer soll das lesen und wie erreiche ich meine Zielgruppe?

Reisejournalismus ist mittlerweile das Thema vieler Blogs, daher gehen wir an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Wer sich neben Online-Marketing und Blogaufbau lieber dem klassischen Reiseführer in gedruckter Form zuwenden will, für den haben wir hier ein paar Informationen zusammengestellt, wie Ihr den steinigen Weg von der ersten Idee zum Reiseführer-Buch leichter geht.

1. Im Michael Müller Verlag als Reisejournalist*in anheuern

Als Autor*in einen sogenannten „Allrounder“ zu schreiben– also einen Reiseführer, der sämtliche reiserelevanten Themen abdeckt – für diesen Verlag zu machen, ist ungefähr so, als müsste man „den Mount Everest mit einem Zahnstocher abtragen“. Dieses Zitat stammt von Thomas Schröder, der den Megabestseller des Verlags geschrieben hat: Mallorca, und zwar ohne Ballermannklischees.

Akribische Recherche ist die Basis jedes Reiseführers @ MMV

2. Als Journalist akribisch recherchieren

Als Reisejournalist ist man nicht nur ein Reiseleiter, der über seine Erlebnisse berichtet oder digitaler Nomade, der die Zeit im „verlängerten Urlaub“ fürs Schreiben nutzt. Man ist auch akribischer Rechercheur, der einen subjektiven Schreibstil entwickeln soll, um ein Urlaubsziel möglichst authentisch einzufangen. Man ist ein Autor, dessen Reiseberichte möglichst ehrlich sind und ohne PR-Sprech der Tourismusbüros auskommen. Dass dabei auch kritisiert werden darf, bleibt eines der großen Erfolgsgeheimnisse des Erlanger Bücherhauses.
Wer dabei Informationen recherchiert, die in anderen Büchern vernachlässigt wurden, hat häufig das Interesse auf seiner Seite.

3. Neuauflagen oder Wie man mit seinem Werk verwächst
Alle zwei Jahre überarbeiten Reisebuchautoren ihre Reiseführer. Das bedeutet, sie kämmen jeden Satz noch einmal auf seine Richtigkeit durch, gehen noch einmal in alle Restaurants und Museen, sind noch einmal von Pontius bis Pilatus unterwegs und schießen noch einmal Fotos, als würden sie ihr Gebiet zum ersten Mal bereisen.

Das Schöne daran: Während man mit der ersten Auflage (an der man mindestens neun Monate arbeitet) noch keinen überragenden Gewinn erzielt hat, ändert sich das mit den Folgenummern, für die man dieselben Prozente erhält. Doch auch der Verlag gewinnt: Denn mit jeder Neuauflage verwächst der Autor noch stärker mit seinem Werk. Spätestens mit der 3. Auflage enthalten die Bücher ein (aktuelles) Wissen, dem so schnell kein Mitbewerber etwas entgegensetzen kann.

4. Härtetest Lektorat
Das Lektorat ist der Härtetest für jeden Autor. Während es für den Verlag ein zeitaufwändiger, aber notwendiger Posten ist – vor allem bei Erstauflagen! –, muss man sich als Autor zusammenreißen, um nicht um jeden gekürzten Absatz zu kämpfen.
Dabei gilt: Nicht immer hat der Lektor recht, wenn es um stilistische Dinge geht, die die Eigenständigkeit eines Schreibers ausmachen. Bei orthographischen Geschichten sollte man den Meistern der deutschen Rechtschreibung (die natürlich noch sehr viel mehr sind) allerdings voll und ganz vertrauen.

5. Ist man als Reisejournalist auch Fotograf?
Ja! Im Michael Müller Verlag liefert der Autor die Fotos weitgehend selbst. Dabei wird keine Hochglanzqualität erwartet. Skurrile Shots, die das Ungewöhnliche des Alltags einfangen, sind gern gesehen. Lest dazu unseren Beitrag zum Thema „Wie fotografiere ich für einen Reiseführer?“

6. Der Zeitfaktor und die Zweifel
Geht das Typoskript – endlich – zur Druckerei, beginnt die Zitterei: Sind die Farben in guter Qualität? Funktioniert die Klebebindung? Wurden die Neuerungen allesamt eingearbeitet? Ist auf dem Cover was schief gelaufen?
Fischt man ein Vorabexemplar aus dem Briefkasten, denkt man an die ganzen Recherchen und Reisen, die man für die 200 bis 1.000 Seiten unternommen hat:
Bei „Norwegen“ war Kollege Armin Tima sechs Monate unterwegs (den Job der kompletten Niederschrift hatte er noch vor sich), bei „Lübeck“ kam unser Autor Matthias Kröner mit 70 Halbtagesrecherchen aus (die komplette Niederschrift hatte er noch vor sich). Man blickt auf die Restaurants und Unterkünfte, für die man sich entschieden hat – und beginnt zu zweifeln:
Stimmen die Öffnungszeiten der Museen noch, die man vor einigen Monaten mit viel Arbeit recherchiert hat? Sind im Kapitel zur Stadtgeschichte die Zahlen richtig? Und hat man auch genügend Tipps für Leute mit schmaler Geldbörse?

7. Die Zielgruppe
Zuletzt: Im Michael Müller Verlag schreibt man für eine sehr weite Zielgruppe: Man schreibt für neugierige Reisende zwischen 30 und 70 Jahren, die das eigene Erlebnis schätzen und auf eigene Faust unterwegs sind.
Nicht mehr zwingend mit Rucksack, doch noch genauso begierig auf Erkenntnisse, die über den Tellerrand des Klischees hinausgehen.

Dresden – die schönsten Plätze fürs Draußen-Unterwegssein

Es gibt nicht wenige, für die ist Dresden die „schönste Stadt Deutschlands“. Doch der Ruf der Stadt litt sehr unter den Montags-Demos der meist auswärtigen Pegida-Anhänger. Gerade jetzt, wo man lieber draußen unterwegs ist, eignet sich die sächsische Metropole jedoch hervorragend als Kurzreiseziel.

Angela Nitsche, im Hauptberuf Redakteurin, entdeckt, schreibt und wandert gern – am liebsten vor der Verlagshaustür in der Fränkischen Schweiz. Seit einigen Jahren hängt ein Teil ihres Herzens jedoch an der sächsischen Landeshauptstadt. Im Corona-Jahr 2020 hat sie Dresden zum wiederholten Mal erwandert und trotz Blasen an den Füßen einige ultimative Entdeckungen gemacht.

Warum sollten Sie gerade in Corona-Zeiten nach Dresden reisen?

Ganz einfach: In Dresden findet ganz viel draußen statt, es gibt viel Platz zum Ausweichen und die Stadt ist unglaublich abwechslungsreich, selbst für Dresdner.

Unterwegs im Großen Garten in Dresden @ Angela Nitsche

Wer gern draußen unterwegs ist, wird Dresden lieben!

Die Stadt ist für Stadtspaziergänge, Rad- und Bootstouren wie geschaffen. Der „Große Garten“ ist Dresdens grüne Lunge und ein Paradies zum Radfahren, Spazierengehen, Picknicken, Bahnfahren (mit der Miniatureisenbahn) und nicht zu vergessen: zum Rudern oder Eislaufen auf dem Carolasee.

In Dresden ist die Elbe immer in Sichtweite @ Angela Nitsche

In der Innenstadt fließt die Elbe stets in Sichtweite – sie sorgt für ein mildes Stadtklima, gute Luft und ein einmaliges mediterranes Flair. Es bleibt genug Platz zum Ausweichen, und wo sonst internationale Rollkoffer den Weg zu den Elbterrassen begleiten, ist es in diesem Jahr ungewohnt leise. Im Grünen Gewölbe und bei den Alten Meistern ist viel Platz, um sich die großen Kunstwerke in Ruhe anzusehen  – ohne, dass sich ein enthusiastischer Kunstkennerrücken in den Blick schiebt.

Das Glockenspielpalais am Dresdner Zwinger. @ Angela Nitsche

Die beliebtesten Sehenswürdigkeiten Dresdens:

Das für Touristen interessante Dresden ist von der Fläche her relativ klein und überschaubar – perfekt für eine Kurzreise! Südlich der Elbe befindet sich die Altstadt, nördlich liegt die Neustadt, beide sind durch die historische Augustusbrücke und weitere Brücken miteinander verbunden. Über die Top-Highlights der Dresdner Altstadt wurde bereits viel geschrieben, daher seien sie an dieser Stelle nur erwähnt:

  •  das Residenzschloss mit seinen einzigartigen Museen, darunter das Historische Grüne Gewölbe, Museum Nummer eins!
  • das Taschenbergpalais, das heute das Kempinski-Hotel beherbergt. Foyer und großer Hof können besichtigt werden, die dazugehörigen Lokale sind sowieso empfehlenswert. Ein Tipp: Zum Langschläferfrühstück oder Afternoon Tea im Café Vestibül einkehren.
  •  der Zwinger, ein einzigartiges Juwel barocker Architektur mit der weltberühmten Galerie Alte Meister
  • die Semperoper, beeindruckender Neo-Renaissancebau mit unvergleichlicher Akustik, unbedingt nach Restkarten fragen!
  • die elegante Hofkirche
  • die einzigartige Frauenkirche mit DER Kuppel
  • die Brühlsche Terrasse, „der Balkon Europas“ – einer der schönsten Ausblicke auf die Elbe.
  • die Neue Synagoge.
Die Dresdner Frauenkirche @ Angela Nitsche

Drei Museen in Dresden, die Sie unbedingt besuchen sollten:

Dresden kann mehr als Barock und Bauwerke! Hier drei ultimative Museumstipps:

  •  Das Militärhistorische Museum: Das bundeswehreigene Haus zählt zu den Meisterwerken des Architekten Daniel Libeskind. Doch es überzeugt nicht nur mit seiner Architektur: Auf vier Stockwerken setzen sich die Ausstellungen mit Militärtraditionen in Deutschland auseinander. An die Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg erinnert eine an mehreren Stellen durchlöcherte Straßenpflasterung: Die Löcher der Brandbomben.
Das Militärhistorische Museeum @ Angela Nitsche
  •  Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden. Ein Besuch der ehemaligen Stasizentrale samt Untersuchungsgefängnis gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Dresden-Reise – und zwar auch für Jugendliche. Man wandert durch die beklemmenden Kellerräume, besichtigt dann die Zellen des neueren Trakts, steht in den Verhörzellen, inspiziert das Original-Büro des letzten Behördenleiters Horst Böhm und stolpert über den wunderbaren Elbtal-Blick des Stasi-eigenen Festsaals. Das alles wird multimedial begleitet – ehemalige Gefangene erzählen von ihren Prozessen und den Haftbedingungen, man hört Telefonate, in denen Observationen besprochen werden und selbst der Speiseplan der Kantine hängt noch aus. Übrigens: am letzten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Führungen, Kasse, Literatur, Sonderausstellungen werden vom Verein „Erkenntnis durch Erinnerung e.V.“ geleistet.
Blick in eine Zelle im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis in der Bautzner Straße @ Angela Nitsche
  •   Deutsches Hygiene-Museum. Anthropologie, absolut gelungen! – findet unsere Autorin. Während des Rundgangs wird man durchs „Abenteuer Mensch“ geleitet, das oft interaktiv erfahrbar ist: Sinne, Bewegungsorgane, Gehirn und Lernen, Haar und Haut, Alterungsprozess. Im angeschlossenen Kindermuseum wird das Thema „Die Welt der Sinne“ für die Kleinen von 4 bis zum Grundschulalter aufbereitet. Die immer grandiosen Sonderausstellungen beschäftigen sich mit wichtigen Lebensthemen: 2021 mit dem Essen von morgen und dem Gefängis und dem Entzug der Freiheit.
Bester Blick von der Schwebebahn aufs Blaue Wunder @ Angela Nitsche

Dresdens Sehenswürdigkeiten liegen nicht nur in der Altstadt. Hier kommen drei echte Insider-Tipps:

  • Skulpturgarten Dresden Weißer Hirsch. Ein neuer Lieblingsort! Auflage für Auflage ist die Autorin aus Zeitmangel vorbeigerast und hat sich offensichtlich das Beste für die neue Auflage aufgehoben. In einem 5.000 m2 großen Garten einer Villa im Bauhausstil, hat das Anwaltsehepaar Bauer seine Sammlung zeitgenössischer Plastik eingewoben. Viel aufregende Schönheit an einem wunderbaren Ort. Sie haben noch keine Erfahrung mit modernen Skulpturen? Barbara Bauer holt Sie im Wortsinn am Gartentor ab und teilt bei ihrer Führung Wissen, Leidenschaft und Gartentipps.   Adresse: Sonnenleite 5, Besichtigung nach Absprache, am einfachsten kontaktieren Sie Barbara Bauer unter ihrer E-Mail- Adresse: bb@lexpert.de
Im Skulpturengarten an der Sonnenleite @ Angela Nitsche
  •  Winzerstadt Dresden. Am östlichen Rand der Stadt zwischen Loschwitz und Pillnitz trifft man immer wieder auf Weinberge und alte Weinbauernhäuser, Hosterwitz war ein fast reines Weinbauerndorf – ein Besuch ist dringend empfohlen. „Großer Berg“ nennen sich die Rebanlagen aus der Zeit Augusts des Starken. Heute bewirtschaften ca. 70 Freizeitwinzer den 6 ha großen, denkmalgeschützten Weinberg.  Überhaupt sind die Besenwirtschaften der Winzer die charmantesten „Biergärten“ der Stadt . Hier lernt man Dresden noch mal von einer gänzlich anderen, fast schon mediterran lässigen Seite kennen. Zwei Einkehrtipps:
    • Winzer Lutz Müller, Weinberg am Schloss Albrechtberg. Lutz Müller schenkt hier auf seiner Weinbergterrasse sehr guten Riesling und Grauburgunder aus. Dazu serviert er einen delikaten Flammkuchen. Den traumhaften Blick über die Silhouette der Stadt gibt es gratis dazu.www.winzer-lutz-mueller.de
    • Freytags Weingarten, Der sympathische Hobbywinzer Wolf Freytag serviert in der schlichten Besenwirtschaft den einfachen Wein der lokalen Winzergenossenschaft und weiß viel zu erzählen über den Wein, das alte Fischerhaus, in dem er lebt und ausschenkt, und über seine Wanderschaft auf dem Jakobsweg nach Compostela. http://www.freytags-weingarten.de
Beim Winzer Lutz Müller @ Angela Nitsche
  • Mit dem Rad entlang am Elbe-Südufer. Das Dresden der frühen Moderne.Den Elbhang mit den Weinbergen und Schlössern sieht man nirgends so gut wie von der gegenüberliegenden Flussseite. Hier entdeckt man ein ganz anderes Dresden:  die Stadt als Boomtown der Industriealisierung mit der selbstbewussten Architektur des ausgehenden 19. Jh. und der frühen Moderne. Quasi nebenbei passiert man die Brücke Blaues Wunder, die heute zwar kein Wunder mehr ist, aber immer noch ein ästhetisches Vergnügen. 
    • Im Villen-Vorort Blasewitz lässt sich ein interessanter Rundgang von weniger als einer Stunde unternehmen. Für Historismus- und Jugendstilfans hier ein paar Adressen:
      • Tolkewitzer Str. 47, Villa von Borcken, Neorenaissance von Karl Emil Scherz
      • Wägnerstr. 8, Villa Günther, Villa im „strengen“ Jugendstil von Martin Pietzsch
      • Wägnerstr. 18, Jugendstilvilla, ebenfalls von Martin Pietzsch
      • Mendelssohnallee 34, Villa Rothermund, heute Musikschule, Villa im Stil der Neorenaissance für den Kaufmann und Sammler A. Rothermund von Karl Emil Scherz
      • Loschwitzer Str. 37, Villa Ilgen, eine der prächtigsten Villen des Stadtteils im Stil eines griechischen Tempels von Richard Uebe
Das „Blaue Wunder“ verbindet Blasewitz und Loschwitz @ Angela Nitsche

Mehr Dresden-Tipps zum Nachlesen und Nachschlagen findet Ihr in unserem Reiseführer! 300 Seiten geballtes Wissen und Dresden-Inspiration. Viel Spaß in Dresden!

Unterwegs in Ecuador

Unser Experte für Ecuador heißt Volker Feser. Er lebt seit mehr als 30 Jahren in diesem faszinierenden Land. Volker ist nicht nur erfolgreich im Schreiben und Recherchieren, er führt auch ein kleines feines Reiseunternehmen in Ecuador. Spezialität: maßgeschneiderte Reiseprogramme. Bei Volker und seiner ecuadorianischen Crew gleicht keine Reise der anderen. Wenn Sie eine Reise nach Südamerika planen … dann nehmen Sie sich Zeit für Ecuador!

Wir haben Volker Feser, unseren Ecuador-Profi, nach seinen ultimativen Ausflugstipps rund um die Hauptstadt Quito gefragt. Hier seine persönlichen Reisetipps:

Anders als auf den Galapagos-Inseln, einer nahezu covid-freien Enklave im Pazifischen Ozean, reist man auf dem Festland Ecuadors je nach Region weniger entspannt. Doch wage ich mich so langsam wieder tageweise in die Provinz hinaus. Für Eskapaden im Jeep ist das von Kordilleren umringte Quito privilegiert. Wobei so manche Piste ins Hinterland noch von Dorfbewohnern blockiert sein könnte: Warnschilder, Eisenketten, mitunter ein Desinfektionstunnel direkt neben der Kuhweide. Doch führen plausible Erklärungen meist zum Ziel: „Habt´s Ihr gut hier draußen! Ich würd´ so gern auf euren schönen Berg steigen und die Fotos nach Alemania schicken. Am Nachmittag bin ich zurück.“

Am Pululahua Krater – eine Welt für sich

Nicht nur die Stille ist überwältigend. Mit 11 km Durchmesser, drei inneren Kegeln und Höhenlagen von 3.256 m bis subtropischen 1.600 m gilt dieser Hufeisenkrater als größte bewohnte Caldera der Welt. Dabei leben hier gerade mal ein Dutzend Bauernfamilien.

Der Pululahua Krater gilt als größte bewohnte Caldera der Welt @ Volker Feser, www.salsareisen.com

Wunderschön liegt die aus früher Kolonialzeit stammende Hacienda Niebli, im 16. Jh. die erste Zuckerrohrmühle für Quitos Alkoholbedarf. Auffällig auch die überwucherten Gemäuer einer Dominikaner-Hacienda und einiger Kalksteinöfen. Doch spätestens am Nachmittag zieht von der Küste das Wolkenmeer herauf und verwandelt die Caldera in einen wattebauschartigen, jeden Laut verschluckenden Nebeldampf. Dann erreicht die Stille ihren Höhepunkt.

Steile Pfade führen durch Nebel- und Bergurwaldarten @ Volker Feser, www.salsareisen.com

Die andine Natur zeigt sich aufgrund ihrer eingekesselten Abgeschiedenheit und diverser Mikroklimas wie kaum anderswo im Hochland Ecuadors so facettenreich wie hier in der 34 km² großen Reserva Geobotánica Pululahua. Mitunter steile Pfade führen durch eine Reihe von Nebel- und Bergurwaldarten, an frisch entsprungene Bächlein, auf die inneren Kraterkegel und auch über pyroklastische, schwefelhaltige Sedimentausflüsse. Es gibt ca. 2.000 Pflanzenarten, allen voran exotische Baumfarne, Bromelien, Myrten, Mimosen, Asteriden und Orchideen. Neben 180 Vogelarten, seltenen Beutelfröschen, Fledermäusen und Schmetterlingen genießen u.a. Wiesel, Opossums, Gürteltiere, Andenschakale und Zwerghirsche ein ziemlich ungestörtes Dasein.

Im Krater wachsen rund 2.000 verschiedene Pflanzenarten @ Volker Feser, www.salsareisen.com

Von Quito sind es hin und zurück bis zu 120 km (ca. 3,5 Std.). Zwei von der E28 abzweigende Pisten führen ins Kraterinnere: die geschotterte Serpentinenzufahrt 1 km östlich von Calacali bzw. 7 km westlich vom Äquator monument Mitad del Mundo und die geerdete, noch attraktivere Yunguilla-Zufahrt 3 km westlich von Calacali. Ein Loop bietet sich an.

Von den Minilagunen hat man einen tollen Rundumblick über die „Avenida der Vulkane“ … wenn nicht gerade die Wolken die Sicht versperren @ Volker Feser, www.salsareisen.com

Unterwegs in den Lagunas Cubilche – Panorama mit Folklore

Die beiden Mini-Lagunen von 40 m bis 60 m Durchmesser sitzen wie sturmwolkenblaue Himmelsaugen auf dem 3.826 m hohen Kegeltisch eines längst erloschenen Vulkans. Die hin und zurück gut vierstündige Wanderung führt anfangs noch durch ein uriges Kiefernwäldchen, bevor es auf dem tundraartigen Páramo sehr steile 500 Höhenmeter hinauf geht. Falls ein Wolkenknäul nicht den tollen Rundumblick über die „Avenida der Vulkane“ verschluckt, türmt sich in der Nachbarschaft auch der 5.790 m hohe Cayambe, über dessen Flanken die Äquatorlinie verläuft. Sie ist die höchste Erhebung des Äquators weltweit.

Der treue Begleiter unseres Autors @ Volker Feser, www.salsareisen.com

Auf der Rückfahrt geht es wieder durch die Mosaikfelder um La Esperanza.Bauern mit Spitzhacken, in Trachten oder hoch zu Ross winken dem Gringo mit seinem lustigen Hund zu. Das Lehmziegeldorf „Die Hoffnung“ war in den 1970-ern der Geheimtipp für jene aus Kuhfladen sprießenden Psychopilze. Bob Dylan kam extra deshalb hierher. Auf seinen Spuren zu wandeln wäre vielleicht etwas für den nächsten Ausflug.

Von Quito aus sind es über Cayambe und Zuleta hin und zurück 220 km (ca. 4,5 Std). Startpunkt der Wanderung ist die indigene Kommune El Abra 6,5km südwestlich von La Esperanza.

Rote Weihnachten auf Sardinien

Unsere Autorin Sandra Lietze lebt seit vielen Jahren auf dieser Trauminsel und arbeitet hier vor allem als Wanderführerin. Hier berichtet sie uns, wie sie die Zeit um den Jahreswechsel erlebt hat.

Heute ist ein roter Tag! Das bedeutet, dass wir zu Hause bleiben und wahrscheinlich auch keinen Besuch empfangen werden. Obwohl wir das dürften! An roten Tagen können bis zu zwei Personen, die nicht im selben Haushalt leben, zu Besuch kommen. Aber: Vor 22 Uhr müssen sie gehen, denn von 22 bis 05 Uhr gilt die Ausgangssperre. Auf das Neue Jahr müssten wir also in jedem Fall alleine anstoßen.

An roten Tagen bleibt so gut wie alles geschlossen in Italien @ Stephanie Albert Pixabay

Im Zeitraum vom 21.12.2020 bis 06.01.2021 ist ganz Italien je nach Wochentag eine „rote“ oder eine „orange Zone“. Das hat die Regierung Conte nach vielem Hin und Her mit den Regionen am 18.12.20 beschlossen. Die italienische Regierung hat viel Arbeit und Zeit darauf verwendet, um zu entscheiden, was wir über die Feiertage dürfen und was nicht. Nachlesen kann man das alles im „DPCM“ vom 18.12., das auch als „Decreto Natale“ bezeichnet wird. DPCM bedeutet übrigens „Decreto del Presidente del Consiglio di Ministri“ und seit dem Beginn der Corona-Pandemie haben wir den Überblick verloren, wie viele es davon gibt.

Türen zu in Alghero @ Pixabay

Um den Tag planen zu können, muss man also erst einmal wissen, ob man an einem roten oder einem orangen Tag aufgewacht ist. Rot sind der 24., 25., 26., 27., 31.12. und der 01., 02., 03., 05. und 06.01. Wer sich die Daten nicht merken kann, kann sich auch so behelfen: Rot sind alle Feiertage und Wochenenden sowie der Tag davor, orange die Tage, die übrigbleiben.

An roten Tagen sind alle Reisen zwischen den Regionen verboten. Auch der eventuell vorhandene Zweitwohnsitz in den Bergen oder am Meer außerhalb der eigenen Region darf nicht aufgesucht werden. Das heißt also: Wenn die Oma in Rom wohnt, hätte ich schon vor dem 21.12. dorthin fahren müssen und zurück geht es erst nach dem 06.01. Aber niemand verbietet mir, die Feiertage mit meiner römischen Oma zu verbringen. Die Oma durfte dann auch noch eine weitere Person zum Weihnachtsessen einladen, die  aber in derselben Region wohnen muss. Kinder unter 14 Jahren fallen nicht unter diese Regelung.

Die Kühe erobern sich die Strände @ Stephanie Albert Pixabay

Außerdem darf man an roten Tagen nur mit einer „autocertificazione“ vor die Tür. Das ist ein Zettel, den wir schon im Frühling kennen gelernt haben. Man trägt Name, Adresse und Wohnsitz ein und kreuzt dann an, warum man gerade jetzt durch die Gegend fahren muss. Zur Auswahl stehen „Arbeit“, „Gesundheit“, „notwendige Situationen“ und „Fahrt zum eigenen Wohnort“.

Einkaufszentren, Kosmetiksalons, Bars und Restaurants bleiben an roten Tagen geschlossen. Ein Lieferservice ist aber bis 22 Uhr erlaubt. Öffnen dürfen Supermärkte, die alt bewährten und vom Aussterben bedrohten „alimentari“, Kioske, Tabakläden, Waschsalons, Apotheken, Frisöre und die Kirchen. Letztere aber nur bis 22 Uhr. Die Mitternachtsmesse wurde dieses Jahr also vorverlegt.

Erlaubt ist auch Sport – allerdings nur rund ums Haus und „in forma individuale“.

An diesen Strand kommt man nur zu Fuß @ Sandra Lietze

An orangen Tagen ist das Leben weniger kompliziert. Wir können ohne „autocertificazione“ unterwegs sein und weil wir in einer kleinen Gemeinde mit weniger als 5.000 Einwohnern leben, uns im Umkreis von 30 km frei bewegen. Allerdings dürfen wir nicht in die Provinzhauptstadt fahren, auch wenn diese nur 20 km entfernt liegen sollte. Für die Besuche bei Freunden und Verwandten gelten dieselben Regeln wie an den roten Tagen. Auch Bars und Restaurants bleiben geschlossen. Alle Geschäfte dürfen jedoch bis 21 Uhr öffnen. Früh ins Bett müssen wir trotzdem, denn um 22 Uhr beginnt die Ausgangssperre!

Der Tourismus ist über die Feiertage auf Eis gelegt. Wer aus dem Ausland einreist, muss für zehn Tage in Quarantäne und alle Skilifte sind bis zum 06. Januar geschlossen.

Der Tourismus ist erstmal auf Eis gelegt @ Fabio Sarcona Pixabay

Und wenn es nun zu Hause einfach zu langweilig oder zu einsam wird oder man einfach einmal einen Tapetenwechsel braucht? Dann muss man gut aufpassen und darf sich bei einer Kontrolle nicht erwischen lassen! Anfang der Woche gab es in der Nähe der Ortschaft Baunei einen Kletterunfall. Bei einem schweren Sturz des Seilersten, der auch Steinschlag auslöste, wurde auch der Sicherer verletzt. Beide Kletterer landeten mit zahlreichen Knochenbrüchen im Krankenhaus. Als wäre das nicht genug, gab es als zusätzlichen Weihnachtsbonbon ein Bußgeld in Höhe von 400 Euro/Person, denn beide waren vom anderen Ende der Insel angereist. Als Treiber der Pandemie kann man das Pärchen trotzdem nicht verurteilen, denn beim Klettern konnten sie sich höchstens gegenseitig anhusten …

Nach dem 06.01. sind wir dann wieder „zonagialla“. Und die erste sardische Krankenschwester ist auch schon geimpft worden. Wenn das mal kein Hoffnungsschimmer ist!

Auf den Spuren des Klimawandels in Sommerhausen

Auberginenfarben, zitronengelb, lindengrün leuchten die Blätter der Rebstöcke an den Hängen des Mains. Als ich von Randersacker über Eibelstadt nach Sommerhausen fahre, verdient sich gerade der goldene Herbst seinen Namen. Die Weinberge im Maindreieck leuchten.

Unser Autor Dr. Hans-Peter Siebenhaar hat sich auf die Spuren des fränkischen Weins begeben. Was ihm dabei aufgefallen ist? Der Wein in Mainfranken verändert sich durch gestiegene Temperaturen und größere Trockenheit. Ist der Wein aus Mainfranken in Gefahr?

Mal wieder liegt ein heißer, trockener Sommer hinter uns. Die Lese ist mit Ausnahme der edelsüßen Weine jetzt abgeschlossen. Es kehrt wieder Ruhe in den Dörfern ein. Das malerische Winzerdorf Sommerhausen – mein Ziel an diesem Herbsttag – ist keine Ausnahme. In den Hängen schnurren zwar noch zwei Traktoren auf den breiten Flurbereinigungstrassen, aber ansonsten herrscht ungewöhnliche Ruhe, wenn man vom Grundrauschen des Talverkehrs von und nach Würzburg absieht.

Doch die malerische Idylle drückt. Die Pandemie hat auch Mainfranken eine beunruhigende Stille beschert. Als ich durch Sommerhausen schlendere, gehört die Hauptstraße den Einheimischen. Dabei ist eigentlich im Herbst Hochsaison. Doch die steigende Zahl von Infizierten verschreckt selbst treue Weinliebhaber, wie ich lerne. Auch ich Schloss Sommerhausen, dem renommiertesten Weingut des traditionsreichen Ortes, herrscht gähnende Leere. Das sind keine einfachen Zeiten für den Wein in Mainfranken. Selbst die besten Weingüter der Region zwischen Aschaffenburg über Würzburg bis Bamberg leiden unter dem Einbruch der Nachfrage in der Gastronomie und bei Endkunden. Das Weingut Schloss Sommerhausen macht keine Ausnahme, wie mir die Weinverkäuferin auf Nachfrage bestätigt.

Doch es ist nicht nur der Virus Covid-19, der den Winzern zusetzt, sondern insbesondere der Klimawandel. Die Pandemie wird zweifellos ein Ende haben, auch wenn noch niemand weiß, wann genau das sein wird. Der Klimawandel hingegen kennt kein Ende. Zwar hat die Europäische Union ihr Ziel, die Treibhausgase von bislang 40 Prozent auf 55 Prozent bis zum Jahr 2030 erhöht, doch das hilft den Weinmachern in Mainfranken vermutlich erst mittelfristig. Denn die gestiegenen Temperaturen und die größere Trockenheit verändern den Wein entlang des Mains. Der Alkoholgehalt von Silvaner, Müller-Thurgau und Riesling steigt zwangsläufig. Zwar ist der Alkohol bekanntlich ein Geschmackträger, doch wird der Alkoholgehalt zu groß, droht er die elegante Mineralität und das spannungsreiche Säurespiel zu vernichten.  Statt schlanke, elegante Weißweine nur noch rustikale Alkoholbomben?

Wer sich dem fränkischen Wein im Jahr 2020 auseinandersetzt, begibt sich unfreiwillig auf die Spuren des Klimawandels. Als ich nach einem Weißwein unter zwölf Prozent frage, kann mir die Weinverkäuferin trotz des opulenten Weinangebot von Schloss Sommerhausen nur drei, dafür preiswerte Weißweine anbieten: Den simplen Silvaner, eine Cuvée aus Silvaner und Riesling sowie einen Muskatteller. Ich entscheide mich für die Cuvée mit 11,5 Prozent. Eine gute Entscheidung. Denn wie ich am Abend feststelle, passt die schlanke Silvaner-Riesling-Kombi hervorragend zu einem fränkischen Karpfen. Ein Genuss.

Schloss Sommerhausen ist mit einer Rebfläche von 25 Hektar eines der größeren Weingüter in Mainfranken. Die Familien Steinmann betreibt in der 15. Generation (!) Weinbau. Noch kommt das traditionsreiche Weingut nach eigenen Angaben ohne künstliche Bewässerung aus. Insbesondere alte Rebstöcke, die besonders tief wurzeln, können die heißen Sommer traditionell besonders gut überstehen. Doch wie lange kann das noch in Mainfranken funktionieren? Die Wachau, Österreichs berühmteste Weinregion entlang der Donau vor den Toren Wiens, ist ein mahnendes Beispiel. Dort gehört die künstliche Bewässerung angesichts der extremen Sommer und des geringen Niederschlags quasi zur Standardausrüstung. Das Ergebnis des Klimawandels dort sind viele Veltliner-Alkoholbomben für teuer Geld.

Plätzchen-Weltreise

Das Bananenbrot als Lockdown-Gebäck wurde abgelöst – von Plätzchen! Passend zur Vorweihnachtszeit beschert uns der zweite Lockdown viel Zeit zuhause – obwohl wir lieber woanders wären! In unserem Lieblingsland zum Beispiel. Wie wir dem zumindest kulinarisch näherkommen? Wir reisen mit Plätzchen um die Welt.

Eine kleine Ansammlung von Weihnachtsplätzchen. Foto: Pixabay by NickyPe

Urlaubsfeeling einfach selber backen

Für die Prise Italien, die wir diesen Winter brauchen. Klassische Zitronen-Plätzchen verwandeln sich ganz einfach in Limoncello-Plätzchen. Der Likör ist ein italienischer Klassiker und wird oft aus dem Urlaub mitgebracht. Hier gehts zum Rezept.

In Andalusien reicht man Mantecados zu Weihnachten. Die süßen Mandel-Gebäckstücke haben ihren Ursprung im 16. Jahrhundert, da es dort zwischenzeitlich einen Überfluss an Getreide und Butter gab. Zimt und Mandeln sind dafür klassische Zutaten, allerdings gibt es auch Rezepte mit Sesam, Pistazien oder Schokolade. Ein einfaches Rezept, das garantiert gelingt, findet Ihr hier.

Eine walisische Weihnachtstradition sind Welsh Cookies. Um diese zuzubereiten braucht es nicht mal einen Backofen! Die Cookies werden in der Pfanne zubereitet. Das führt zu einer Konsistenz, die man unbedingt selbst probieren muss. Zimt, Muskat und Rosinen geben weihnachtliche Töne an. Hier gehts zum Rezept.

Kourabiedes sind Plätzchen, die in Griechenland verbreitet sind. Ursprünglich stammen sie aus der Türkei. Sie ähneln deutschen Vanillekipferln, da sie ebenfalls aus Mürbteig und einem Mantel aus Puderzucker bestehen. Zum Rezept kommt Ihr hier. Übrigens sind auch die griechischen Melomakarona einen Versuch wert. Diese sind schon aus byzantinischer Zeit bekannt und werden nach dem Backen in Sirup getaucht. Hier gehts zum Rezept.

Ein bisschen ähneln die Kourabiedes den Vanillekipferln. Foto: Pixabay by 5598375

Ein fester Bestandteil der norwegischen und schwedischen Weihnachtsbäckerei sind Pepperkaker – Pfefferlebkuchen. Sie gehören zu den nordischen Ländern wie Fisch und Skier. Pfefferkuchen ist dort übrigens wörtlich zu nehmen: Fertiges Lebkuchengewürz kommt nicht in die Tüte, gebacken wird mit einer selbst hergestellten Gewürzmischung mit einiges an Pfeffer. Für den perfekten Genuss muss der Teig über Nacht in Kühlschrank bleiben, deshalb unbedingt Zeit einplanen! Hier könnt Ihr das genaue Rezept nachlesen. Ein Tipp für die Zeit nach dem Lockdown: Immer im November entsteht in den norwegischen Bergen die größte Pfefferkuchen-Stadt der Welt.

Der deutsche Klassiker zum Schluss: Stollen

Nachdem wir nun einige Leckereien anderer Länder entdeckt haben, kommen wir nach Deutschland zurück. Dazu passend haben wir das Weihnachtsgebäck schlechthin: den Stollen. Ursprünglich aus Dresden stammend, hat der Stollen in ganz Deutschland Einzug gehalten. Früher bestand er nur aus Wasser, Haferschrot und Rübenöl (Rapsöl oder Öl von Ölrübsen). 1491 durften die Bäcker*innen Butter hinzufügen und – voilà! Der Stollen verbreitete sich.

„Gebratener Stollen“ aus dem Reisekochbuch „Gscheitgut – Franken isst besser“, Foto: Emil Bezold. Rezept: Braugasthof Höhn in Bamberg-Memmelsdorf

Wer es extravaganter mag, muss unbedingt unser Rezept „Gebratener Stollen mit Vanillemilcheis“ ausprobieren, aus dem „Gscheitgut vegetarisch“-Kochbuch.

Gebratener Stollen mit Vanillemilcheis

Für 4 Personen

Für das Eis:
1 Vanilleschote
500 ml Milch
6 Eigelb (M)
100 g Zucker

Für den Stollen:
8 cl Rum (braun; 54 vol.%)
120 g Sultaninen
250 g Weizenmehl (Type 405)
60 g Mandeln (gemahlen)
100 g Zucker
1/2 Pck. Backpulver
200 g Butter
100 g Magerquark
1 Ei (M)
je 60 g Zitronat und Orangeat
Fett und Mehl (für die Form)

1 Für das Eis die Vanilleschote mit einem spitzen Messer aufschlitzen und das Mark herauskratzen. Milch, Vanillemark und die ausgekratzte Schote in einem Topf aufkochen, vom Herd nehmen und zugedeckt etwa 20 Min. ziehen lassen.

2 Die Vanillemilch erneut erhitzen. Eigelbe und Zucker in einer Rührschüssel aus Metall über dem heißen Wasserbad cremig schlagen. Die heiße Vanillemilch nach und nach dazugießen und weiterschlagen, bis die Mischung eine cremige Konsistenz erhält (das passiert bei einer Temperatur von etwa 85°). Wenn sich an einem mit der Flüssigkeit benetzten Kochlöffel beim Daraufblasen Wellen bilden, die an Rosenblüten erinnern, ist die Creme perfekt (der Fachmann nennt das »zur Rose abziehen«). Die Schüssel in ein kaltes Wasserbad setzen, und die Creme weiterschlagen, bis sie kalt ist.

3 Die erkaltete Creme in eine Eismaschine füllen und darin gefrieren lassen. Alternativ die Mischung ins Tiefkühlfach stellen, bis sie anfängt zu gefrieren. Dann mit dem Handrührgerät kräftig verrühren und wieder kühl stellen. Diesen Vorgang dreimal stündlich wiederholen, bis ein cremiges Eis mit feinen Eiskristallen entstanden ist.

4 Für den Stollen den Rum erwärmen und in einem Schälchen über die Sultaninen gießen. Zugedeckt etwa 1 Std. einweichen.

5 Den Backofen auf 160° vorheizen. Mehl, Mandeln, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen und eine Mulde hineindrücken. 100 g Butter in Würfel schneiden und mit dem Quark, dem Ei, Zitronat und Orangeat sowie den abgetropften Sultaninen dazugeben. Alles mit den Händen zu einem glatten Teig verkneten.

6 Eine Kastenkuchenform (25 x 11 cm) einfetten und mit Mehl ausstreuen, überschüssiges Mehl abklopfen. Den Teig zu einem länglichen Laib formen und in die Form geben. Die Form auf die mittlere Schiene des heißen Backofens schieben, den Stollen darin 75 Min. backen, bis er durchgebacken und leicht gebräunt ist.

7 Die Form aus dem Ofen nehmen, den Stollen 5 Min. ruhen lassen. Dann herauslösen und auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen.

8 Vom abgekühlten Stollen 8 etwa 2 cm dicke Scheiben abschneiden, den restlichen Stollen anderweitig verwenden. Restliche Butter in zwei großen Pfannen erhitzen. Die Stollenscheiben darin bei nicht zu starker Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Je zwei Scheiben auf vier Dessertteller legen. Vom Eis mit einem Eisportionierer Kugeln bzw. Nocken abstechen und daneben anrichten. Den Stollen nach Belieben noch mit Puderzucker bestäuben und servieren.

Küchengeheimnisse

Bei Zitronat und Orangeat scheiden sich die Geister – die einen können davon gar nicht genug kriegen, die anderen hassen es. Für alle »Hater« hier noch eine Alternative: Im Stollenteig einfach durch 20 g Mohn und 80 g grob gehackte dunkle Schokolade ersetzen! Soll es weihnachtlich werden, können Sie das Vanilleeis zu einem Zimteis upgraden. Dafür die Eismasse zusätzlich noch mit 1/2 TL Zimtpulver würzen. Oder: 40 g Spekulatius fein zermahlen und die Brösel unter das bereits halbgefrorene Vanilleeis rühren. Komplett durchfrieren lassen! Fertig ist ein feines Spekulatius-Eis!