Lissabon

Dieses Jahr habe ich mir zusammen mit meinem Mann eine kleine Auszeit gegönnt. D. h. wir haben unseren Sohn und die 2 Kätzchen in die Obhut von Oma&Opa gegeben und sind für 6 Tage nach Lissabon geflogen. Also waren wir auch außerhalb der Ferien unterwegs, was ich jedem nur empfehlen kann. Von einem Freund habe ich dann im Nachhinein erfahren, dass die Restaurantes 2 unterschiedliche Speisekarten haben und die Preise im Sommer viel höher sind als  im September. Also Glück für uns…:-) Dementsprechend haben wir auch ordentlich gefuttert und ich bin ein echter Fan der portugiesischen Küche geworden.
Wir haben für Planung und Unsetzung den Reiseführer von Johannes Beck benutzt, den ich sehr empfehlen kann. Nicht nur, dass er gerade erst erschienen ist, der Autor ist ein echter Lissabonkenner und der Führer bietet für den Tag einzelne Touren an, die wir fast alle ausprobiert haben. Außerdem gibt es eine detaillierte große Karte und viele kleine. Einige Restaurants haben wir auch aufgrund seiner Empfehlung besucht und waren jedes Mal mehr als zufrieden.1. Tag: Avenida da Liberdade und SantanaAuf dem ersten Foto seht ihr unser Hotel. Ja, hm, eigentlich absolut zu empehlen. Der Service ist top, das Frühstück ist günstig und reichhaltig mit einigen Lissabonner Spezialitäten. Die Zimmer sind sauber und modern, womit das Hotel auch speziell wirbt. Und da ist dann auch für mich der Haken. Wie der Concierge richtig bemerkte, man sieht es auf der Homepage, aber live fanden wir es doch mehr als gewöhnungsbedürftig. Es gibt nämlich eigentlich kein Bad, d. h. dass das Waschbecken direkt neben der Garderobe im Zimmer ist. Dusche und Toilette befinden sich in Kapseln, die zum einen nicht wirklich groß sind und wie soll ich sagen…man hat einfach keine Privatsphäre…Da es auch keinen Kleiderschrank gibt, hatte ich meine Kosmetika etc. in der Garderobe stehen…den Rest müsst ihr euch jetzt vorstellen ;-)…aber für mich ist dieses urbane Nomadentum nix, wo man nur mit 2 T-Shirts und einer Unterhose unterwegs ist…aber, an dieser Stelle ein großes Lob, nachdem ich meinem Unbehagen Luft gemacht hatte, haben wir das einzige Zimmer mit einem normalen Bad bekommen. Der Urlaub war gerettet und der Concierge musste immer grinsen, wenn er uns gesehen hat. Eine WinWinsituation also… 🙂
Fast neben dem Hotel seht ihr ein kleines Häuschen mit grünem Dach. Die gibt es in der Stadt an jeder Ecke und man bekommt dort ein paar Snacks und Getränke zu echt günstigen Tarifen.

Geht ihr die Avenida da Liberdade in Richtung Praça  Marquêsde Pombal kommt nach dem Platz, den Ihr auf dem Foto unten seht, die große Wiese mit den Hecken. Am Kopf hat man wieder einen tollen Ausblick bis zum Tejo. Auf der rechten Seite steht der PavilhãoCarlos Lopes.
Lissabon ist auf 7 Hügeln erbaut worden, und dementsprechend gibt es viele Steigungen. Darum haben sich die Lissabonner etwas einfallen lassen, so dass neben den Aufzügen solche Bahnen den fußmüden Touristen bergauf  oder -ab transportieren. Auch hier ist manchmal Schlangestehen angesagt, aber wir hatten Glück und konnten direkt einsteigen.
2. Tag: Baixa und Chiado
 
Am ersten Morgen haben wir es leider nicht geschafft, im Hotel zu frühstücken. Aber da wir ja direkt nebenan diesen Imbiss hatten, konnten wir uns dort für den Tag stärken….und eigentlich eher für 2…
Nach diesem Megasandwich war ich eigentlich schon mehr als satt, aber trotzdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, eines der typischen Puddingküchlein, die pasteis de nata, zu probieren. Sehr sehr lecker…
Kleiner Sprung in der Thematik….ich musste mit einem lieben Freund den Film IT gucken, und das, obwohl ich überhaupt kein Horrorfilmfan bin. Nicht, weil ich die Art Filme prinzipiell nicht mag, sondern weil ich ein echter Angsthase bin. Und so konnte ich auch nach dem Kinobesuch 2 Tage nicht schlafen…und was entdecke ich jetzt beim Sichten der Fotos… einen roten Luftballon….😎
Aber nun zurück zum Urlaub und den entspannten Dingen im Leben. Hier seht ihr den Elevador de Santa Justa, mit dem ihr zu einer Aussichtsplattform kommt. Oben angekommen hat man einen tollen Blick über Lissabon. Mit der Lisboacard ist die Fahrt kostenlos, und obwohl sie sehr kurz ist, solltet ihr das Anstehen in Kauf nehmen.
Die Karte lohnt sich übrigens für alle, die auch gerne ins Museum gehen. Zwar ist dort der Eintritt nicht frei, aber es gibt immerhin einen Rabatt. Außerdem ist sie auch gleichzeitig eine Fahrkarte, was wirklich praktisch ist. Wenn ihr sie im Netz bestellt, bekommt ihr einen Voucher, den ihr am Flughafen gegen die Karte eintauschen könnt.  Leider war eine meiner Karten, wir brauchten für den Zeitraum 2, defekt und wir mussten sie vorort umtauschen, was natürlich nicht so toll war, aber das der Flughafen von Lissabon nicht weit entfernt ist, konnten wir nach einer Stunde mit unserer Sightseeingtour weitermachen.
Nachdem wir ausgiebig den Blick genossen hatten sind wir in Richtung Igreja do Convento do Carmo geschlendert. Die Ruine, in der sich das Museu Arqueológico befindet, ist ebenfalls ein Besuch wert.
Ein Markenzeichen von Lissabon ist die historische Linie 28E. Der Reiseführer rät, an der Starthaltestelle einzusteigen. Um ehrlich zu sein, würde ich persönlich davon abraten. Die Wartezeit kann schon erheblich sein. Wir sind einfach zwischendurch eingestiegen, was überhaupt kein Problem war. Leider ist die Bahn ein beliebtes Jagdrevier für Taschendiebe, wie ich nach der Reise erfahren habe. Mir ist zum Glück nichts gestohlen worden, aber leider einem Bekannten.
Es ist auch sehr spannend die Fahrt von außen zu betrachten, da die Bahn sich durch enge Straßen kämpfen und dabei die enormen Steigungen und Gefälle meistern muss.
Es gibt viele Geschäfte, die nur Dosenfisch anbieten. Der schmeckt nicht nur lecker, sondern ist auch ein hübsches Mitbringsel für daheimgebliebene Fischliebhaber.
Der Praça do Comércio ist einer der schönsten Plätze Europas und mit seiner Lage direkt am Tejo auch bei Einheimischen sehr beliebt. Es gibt einen kleinen Stadtstrand und viele Möglichkeiten vom Großstadttrubel zu entspannen. Schön ist es, hier den Tag ausklingen zu lassen. Wenn die Sonne langsam untergeht, kann man an vielen Stellen bei einem Sundowner die blaue Stunde genießen.
 3. Tag: Alfama, Mouraria und Graca
Das war eine wirklich tolle Tour, die aber mal wieder unsere Kondition getestet hat. Besonders, weil wir die Strecke kurzentschlossen wieder hochgelaufen sind, um im Le Petit Café etwas zu Essen. Auch eine Empfehlung des Reiseführers, die genau zutraf. Es war super lecker und der Service sehr nett.
 Wir sind nicht nur den Essensratschlägen, sondern wie meistens auch den Tourempfehlungen von Herrn Beck gefolgt. Eine kleine Verschnaufpause kann man an einem weiteren tollen Aussichtspunkt machen. „Unserer lieben Frau vom Berge“ (Miradouro da Nossa Senhora do Monte)  ist außerdem ein beliebter Wallfahrtsort mit Marienstatue und kleiner Kapelle.
Auf dem Rückweg haben wir endlich einen Platz in der Linie 28 ergattert, mit der wir ganz bis zur Endstation durchgefahren sind. Aber wie gesagt, sind wir dann doch kurzentschlossen wieder zurück, um bei einem Essen Energie tanken zu können.
Und da wir schonmal da waren, und die blaue Stunde immer näher rückte, sind wir noch hoch zur Burg (Castelo de São Jorge), um von dort aus den Sonnenuntergang genießen zu können. Und, was soll ich sagen, ihr ahnt es sicher schon, auch von hier aus gibt es einen Rrundumblick…:-)

4. Tag: Avenidas Novas und Bairro Alto

Der Campo Pequeno ist eine Stierkampfarena, die aber geschlossen war, als wir gegen mittag ankamen.

In der Stadt wird viel renoviert und die Lissabonner scheinen den Wert ihrer historischen Bauwerke schätzen gelernt zu haben. Einzelne Fassaden, aber auch Bäume  werden zum Schutz mit Metallgerüsten abgestützt.
Das Museum Calouste Gulbenkian sollte auch auf jeder Sightseeingliste stehen. Es liegt in einem kleinen Park, der asiatisch gestaltet ist. Die Gebäude sind modern gehalten und setzten sich so von der Stadt ab. Es gibt ein Gebäude, das die moderne Sammlung beherbergt, mit der Gulbenkian persönlich nichts zu tun hatte. Er war eher an historischen bzw. antiken Gegenständen und Gemälden interessiert, die in einem anderen Bauwerk zu besichtigen sind. Sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, dass dies seine private Sammlung war.
Ich verzichte hier darauf, euch noch mehr Exponate zu präsentieren. Die Libellendame war nur eines meiner Lieblingsstücke. Für den Rest müsst ihr selber vorbeischauen…
Der Besuch dieses Rooftoprestaurantes ist ein echtes Highlight und einen Besuch würde ich euch wärmstens empfehlen. Ebenfalls ein Tip aus dem Reiseführer. Wenn ihr allerdings nach 19 Uhr einen Tisch haben wollt, ist eine Reservierung notwendig. Es gibt Tapas, die etwas größer sind als normal und die Empfehlung des Kellners 3 für 2 Personen zu nehmen, passte genau. Wir haben uns daran nicht gehalten und noch Nr. 4 bestellt… Aber da wir früh da waren, konnten wir entspannt alles verputzen und zusehen, wie die Sonne langsam verschwindet…

5. Tag Sintra

Falls ihr nur für 2 oder 3 Tage in Lissabon seid, solltet ihr euch überlegen, ob ihr diesen Tagesausflug mitnehmen möchtet, denn die Zeit ist notwendig, um Sintra gesehen zu haben. Es lohnt sich auf jeden Fall, und da wir 5 Tage zur freien Verfügung hatten, war das für uns kein Problem. Der Zug fährt nicht ganz so häufig, darum ist es sinvoll, sich den Fahrplan im Netz anzuschauen.
Am Bahnhof in Sintra gibt es einige kleine Läden, in denen ihr frischen Proviant kaufen könnt. Mit Obst, Wasser und guten Laufschuhen haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine Windjacke solltet ihr auch mitnehmen, da der Wind, trotz 27 Grad und Sonne, zumindest bei uns sehr eisig war.
Es gibt die Möglichkeit mit einem Bus oder per TuckTuck hoch zur Burg und zum Schloss zu gelangen. Wenn ihr fit seid, würde ich euch aber empfehlen, zu Fuß durch die tolle Parkanlage zu wandern. Der Aufstieg ist zwar recht anstrengend, aber die mit viel Liebe zum Detail angelegte Grünanlage lohnt die Mühe ganz bestimmt.
Im Schloss gibt es eine tolle Ausstellung. Für den Foody in mir war natürlich die Küche besonders interessant. Aber auch der Rest war sehr schön inszeniert.
Essen waren wir an diesem Tag ebenfalls in Sintra und mal wieder auf Empfehlung des Reiseführers bei Incomum. Auch hier Reservieren!

6. Tag 

An unserem letzten Tag haben wir uns einfach mal ein bisschen treiben lassen. Die meiste Zeit haben wir uns Bairro Alto mal bei Tageslicht angeschaut und sind u. a. in einem tollen Kaufhaus gelandet. Auch wenn die Gegend mehr für ihr Nachtleben bekannt ist, lohnt sich ein Besuch der vielen kleinen Boutiquen und Läden.


Oben auf dem Bild seht ihr den typischen getrockneten bacalhau. Und unten den Mercado da Ribeira. Ein Schlemmerparadies, in dem für bestimmt jeden Geschmack etwas dabei ist. Und ja, von Entspannung war dann doch keine Rede, denn wir sind an diesem Tag 2 mal vom Tejo hoch nach Bairro Alto und wieder zurück gelaufen, da wir uns einfach nicht entscheiden konnten, wo wir essen sollten…Wenn ihr das selber mal gemacht habt, wisst ihr, was ich meine…da ist der Muskelkater vorprogrammiert.

Unten seht ihr eine typische Lissabonner Nachspeise, die Papos del Anjo (Engelsbäckchen). Sie sehen nicht spektakulär aus, sind aber himmlisch lecker.

Zum Abschluss nochmal der Lissabonner ganzer Stolz, ihr Tejo bei Sonnenuntergang…
Tipps und ausführliche Hintergrundinfos im Reiseführer „Lissabon“:
lissabon_city

Text: © Melanie Kohlhaas, Bilder: © Melanie Kohlhaas

Melanie Kohlhaas ist Bloggerin und Fotografin und hat diesen schönen Beitrag über Lissabon auf ihrem Blog Caramelja veröffentlicht.

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Lisboa – Schönheit am Tejo

Der Miradouro de Santa Luzia eröffnet ein spektakuläres Panorama über das "alte" Lissabon.

Der Miradouro de Santa Luzia eröffnet ein spektakuläres Panorama über das „alte“ Lissabon.

Wer Lissabon entdecken will, sollte gut zu Fuß sein. Nicht, weil die Hauptstadt Portugals sonderlich weitläufig wäre, vielmehr erstreckt sie sich über zwei Hügel, die in der Stadtmitte durch ein Tal getrennt sind. In der Senke befindet sich die Baixa, das Geschäfts- und Bankenviertel Lissabons, und der Chiado, wo Designergeschäfte und die „üblichen Verdächtigen“ zum Großstadt-Shopping locken.
Die östliche Erhebung beherbergt das wohl schönste Altstadtviertel, die Alfama, welche mit der Burg Castelo de São Jorge, der Kathedrale und dem Aussichtsplatz Miradouro de Santa Luzia der romantischen Vorstellung einer südeuropäischen Metropole sicherlich am nächsten kommt. Die engen Gassen mit den zweistöckigen Häuschen, den bunten Blumenkästen auf kleinen Balkonen und der Lage mitten im historischen Stadtkern lassen den Besucher leicht vergessen, dass sich in Lissabons historischen Stadtteilen fast jedes zweite Gebäude in einem sehr schlechten Zustand befindet – die dramatische Verschuldung der Stadt am Tejo, die sich über viele Jahre mit zahlreichen Großprojekten übernommen hat, lässt da wohl auch kaum eine Möglichkeit für eine flächendeckende, nachhaltige Restauration.

Hübsch anzusehen, doch die Fassade bröckelt vielerorts. Die Häuser im historischen Stadtviertel Lissabons, der Alfama.

Hübsch anzusehen, doch die Fassade bröckelt vielerorts. Über den Dächern der Alfama, dem historischen Stadtviertel Lissabons.

Krieg & Frieden. Auch die NATO genießt  den schönen Ausblick auf die Ingreja de São Miguel.

Krieg & Frieden. Auch die Marine genießt den schönen Ausblick auf die Ingreja de São Miguel.

Das Bairro Alto, die Oberstadt, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite und ist das Zentrum der Kneipenszene und des Lissabonner Nachtlebens. Doch auch tagsüber ist ein Rundgang durch die engen, steilen Sträßchen, durch die sich die gelben Straßenbahnen quetschen, äußerst empfehlenswert. Nicht der Mainstream, sondern das Alternative gibt hier den Ton an. Und doch kann gerade der Mainstream hilfreich sein, äußerst günstig in diesen Teil der Stadt zu gelangen. Zwar bietet sich vom Chiado aus die Möglichkeit, mit dem Elevador de Santa Justa den Höhenunterschied zu meistern, doch ist diese Option mit saftigen 5 EUR nicht gerade preiswert. Alternativ kann man die Oberstadt mit dem Fahrstuhl eines bekannten Modehauses mit den zwei Buchstaben „für umsonst“ erreichen.
Mit dem botanischen Garten, einer wahrhaft grünen Oase mitten in der Großstadt, zahlreichen Plätzen und Cafés sowie hier beheimateten Fakultäten der Universität hat sich eine ziemlich entspannte Atmosphäre entwickelt, und schnell verweilt man länger als geplant. Durch zahlreiche Street-Art- und Graffiti-Malereien an den Wänden wird das Flair des Szenebezirks, den das Bairro Alto vor allem bei Nacht versprüht, noch authentischer.

Ob der Platz wohl reicht? Straßenbahnen im Bairro Alto.

Ob der Platz wohl reicht? Straßenbahnen im Bairro Alto.

Street-Art im Bairro Alto, Lissabons alternativem Viertel.

Street-Art im Bairro Alto, Lissabons alternativem Viertel.

Sowohl in der Alfama als auch im Bairro Alto bietet sich die Möglichkeit, in einem Fado-Lokal den Abend ausklingen zu lassen. Fado bedeutet wörtlich „Schicksal“ und ist der volkstümliche Musikstil der Lissabonner. Im Fado, der voller Wehmut von mindestens zwei Gitarren begleitet vorgetragen wird, wird die melancholische Grundstimmung der Portugiesen, die sogenannte Saudade, transportiert. Während des Fado herrscht absolute Stille, danach ist Beifall aber durchaus willkommen.
Die wohl populärste Fado-Sängerin aller Zeiten ist die 1999 verstorbene Amália Rodrigues.

Mit 15 Touren in und um die hügelige Stadt am Tejo, die den Besucher so gar nicht wehmütig zu machen vermag, bietet der MM-City Lissabon – inklusive Gratis-App – umfassende Informationen und Tipps, so dass die Saudade garantiert erst beim Abschied Einzug hält!
Auch die 21., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage des MM-Reiseführers Portugal widmet Lissabon selbstverständlich ein eigenes Kapitel.

 Text & Fotos © Johannes Endler.

Portugal, 816 Seiten, 21. Auflage 2014, farbig, 26,90 EUR.

Portugal, 21. Auflage 2014, 816 Seiten, 26,90 EUR.

Lissabon, 7. Auflage 2014, 17,90 EUR (D), 288 Seiten.

Lissabon, 7. Auflage 2014, 288 Seiten, 17,90 EUR.

 

 

 

 

 

 

 

 

Algarve – Tudo bem!

Wer an die Algarve, in die südlichste der sieben Regionen Portugals reist, kommt mit 99-prozentiger Sicherheit in Faro, der Hauptstadt der Ostalgarve an. Das „Ende“ Europas ist als Urlaubsregion längst kein Geheimtipp mehr. Erblickt man die Hotelburgen in Albufeira, Lagos oder Olhos de Água, ergreift der oder die Individualreisende schnell die Flucht…und wird belohnt!
Mit dem Mietwagen geht es auf der (mautfreien!) Nationalstraße 125 Richtung Westen, der erste Stopp heißt Ferragudo, ein beschauliches Dörfchen, dessen weiße Häuser am Hügel über dem Meer festzukleben scheinen. Ein malerisches Kastell wacht über die Bucht, wo das Meer auf den Rio Arade trifft. Nur einen Kilometer vom Dorfkern entfernt, auf der anderen Seite des Hügels, befindet sich der Praia Grande, eine ruhige Badebucht. Keine Wolke trübt den blauen Himmel, die Sonne strahlt und das Wasser glitzert einladend – doch der Atlantik kennt im April noch keine Gnade mit Schwimmern, und so erlauben die sehr frischen Wassertemperaturen nur ein kurzes Planschen, welches aufgrund der beißenden Kälte weithin hörbar durch lautes Prusten und Schnauben begleitet wird.
Wenn abends die Essensuche beginnt, kommt es auf den richtigen Riecher an: Immer der Nase nach, bis ein Restaurant mit großem, schwelenden Holzkohlegrill gefunden ist, auf dem der Fang des Tages zubereitet wird. Und mit Meerblick schmeckt die Dorade mit Salzkartoffeln und Salat sowieso am besten.

Abendstimmung im Hafen von Ferragudo. Grillen ist Chefsache.

Abendstimmung am Hafen von Ferragudo. Grillen ist Chefsache.

 

Abendstimmung in Ferragudo.

Der Charme des Fischerdörfchens konnte weitestgehend erhalten werden.

In Sagres, seines Zeichens Hochburg der europäischen Surfcommunity, bläst immer ein heftiger Wind über die Plateaus, die sich aus dem Meer erheben. Zwei Landausläufer wagen sich besonders weit in den tosenden Atlantik hinaus: Auf dem einen befindet sich die Fortaleza de Sagres, eine Wehrburg aus dem 15. Jahrhundert, deren Umgebung aufgrund der mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt unter Naturschutz steht; auf dem anderen das Cabo de São Vicente, das Ende der „Alten Welt“. An den bis zu 60 Meter hohen Klippen sitzen hier die einheimischen Angler, die geduldig darauf warten, den Fang des Tages aus den tosenden Fluten zu fischen.

Die einzigartige Flora am Ende Europas steht unter Naturschutz.

Die einzigartige Flora am Ende Europas steht unter Naturschutz.

 

Nervenkitzel, auch wenn mal nichts an den Haken geht: Am Cabo de São Vicente krachen die Wellen gegen die Klippen, auf denen Fischer auf den großen Fang warten.

Nervenkitzel, auch wenn mal nichts an den Haken geht: Am Cabo de São Vicente krachen die Wellen gegen die Klippen, auf denen Fischer auf den großen Fang warten.

Zeit, eine algarvische Spezialität zu probieren: der Sepia-Tintenfisch – eine hervorragende Wahl, wie der Kellner betont. Man solle nur darauf achten, den kleinen Schnabel nicht mitzuessen, da dieser sehr hart und entsprechend unangenehm beim Kauen sei. Sonst sei aber jeder Teil des Tintenfischs genießbar – bei Portugiesen bleibe häufig nicht einmal der Schnabel übrig. So stehen wenig später die dampfenden Teller mit zehn, größeren und kleineren Kopffüßlern im leckeren Knoblauch-Kräuter-Sud und Salzkartoffeln vor uns. Als ich mit meinem Messer einen der größeren in Angriff nehme, gibt es eine Überraschung:
Mein Teller färbt sich langsam, aber stetig tiefschwarz… Doch weder werde ich ohnmächtig, noch will sich der Geist des Sepia an mir rächen – ich habe mein Abendessen schlicht nicht „sem tinta“ (ohne Tinte) bestellt…Der aufmerksame Kellner bemerkt meine Verwunderung und serviert augenzwinkernd einen Medronho-Schnaps, um den Schrecken zu lindern. Tudo bem!

Was man an der Algarve unbedingt probieren muss, wie man bestellt und abseits des Massentourismus die „echte“ Region am Südwestrand Europas entdeckt? 
Die gerade erschienene 21. Auflage des Reiseführers „Portugal“ aus dem Michael Müller Verlag enthält natürlich auch alles Wissenswerte über die Algarve. 
Noch detaillierter und ausführlicher wird Portugals Süden im „Algarve“ Reiseführer vorgestellt.
portugal

Fotos und Text © Johannes Endler

 

Von Glasfaserkabeln und einer Erinnerung an ganz wüste Wetterlagen – Eine Azoren-Auszeit mit Michael Müller

Ein Fischerort namens Lagoa_Copyright Michael Müller

Ein Fischerort names Lagoa © Michael Müller

An einer Pier der Inselhauptstadt Ponta Delgada hatte gerade die imposante „Skandi Seven“ auf einem Zwischenstopp nach Mobile/Alabama festgemacht. Aufgrund ihrer Aufbauten dachte ich, dass es sich in alter Azorentradition um ein Schiff zur Verlegung von Glasfaserkabeln quer durch den Atlantik handelt; seit der NSA-Affäre fallen einem solche Sachen noch stärker auf …
Die bis zu 120 Besatzungsmitglieder verlegen allerdings Rohrleitungen auf dem Meeresgrund des Golfs von Mexico: für Shell. Dabei braucht man das „Fossil“ Ölindustrie auf den Azoren immer weniger. Längst erzeugen zwei Geothermiekraftwerke den größten Teil der elektrischen Energie auf der Hauptinsel. Auf der kleinen Nachbarinsel Graciosa geht 2014 ein Pilotprojekt aus Sonnen- und Windenergie zusammen mit robusten Stromspeichern in Betrieb, welche die Insel völlig autark machen soll.

Aber eigentlich bin ich im Urlaub, möchte von Technik und ihren Problemen wenig hören, habe im  Verlag genug mit der Computerproblematik zu schaffen. Und die Erstellung der Apps – alle ohne (!) Roaming-Gebühren – erfordert höchste Konzentration.

Michael Müller beim Kochen an den heißen Quellen von Furnas - ein Säckchen Milho (Maiskolben) ist in zwanzig Minuten gar und bekommt einen unverwechselbaren Geschmack

Michael Müller beim Kochen an den heißen Quellen von Furnas – ein Säckchen Milho (Maiskolben) ist in zwanzig Minuten gar und bekommt einen unverwechselbaren Geschmack © Michael Müller

Vor vielleicht zwanzig Jahren war ich zuletzt auf dieser Inselgruppe mitten im Atlantik – von Deutschland aus gesehen auf halber Strecke zur Neuen Welt. Die Azoren und Madeira waren damals regelmäßig meine Anlaufpunkte zu Aktualisierungsarbeiten am Portugal Gesamt-Band. Meist fiel die Reise in den Spätherbst oder Winter, und ich habe Erinnerungen an ganz wüste Wetterlagen, bei denen der Wind so stark fegte, dass man jederzeit damit rechnen konnte, das Dach zu verlieren.

Cracas sind Riesenseepocken. Beim Herauspulen mit speziellem Werkzeug fühlt man sich wie ein Zahnarzt bei einer Wurzelresektion. Copyright Michael Müller

Cracas sind Riesenseepocken. Beim Herauspulen mit speziellem Werkzeug fühlt man sich wie ein Zahnarzt bei einer Wurzelresektion © Michael Müller

Nun, seit zehn Tagen habe ich mich mit meiner Familie auf der Hauptinsel Sao Miguel in ein Häuschen eingemietet und das sprichwörtliche Azorenhoch meint es gut mit uns. Wir gehen baden im 30 Grad erwärmten Meerwasser – durch heiße Quellen entsteht diese außergewöhnliche Temperatur – und wandern entlang eines von Hortensien gesäumten Kraterrandes von Sete Cidades. Ein entspanntes kleines Urlaubsparadies mit herzlichen Einwohnern und wenigen Touristen, die meist vom Festland kommen oder sich als Azoren-Amerikaner auf Heimatbesuch herausstellen.

Mal sehen, wie sich das Wetter bis zum Ende unserer Reise entwickeln wird. In einigen Wochen sind wir zurück in Erlangen, um die neue Reiseführer-Staffel für 2014 vorzubereiten. Ab Januar wird es dann auch die ersten Bände geben, zu denen die Apps umsonst mitgeliefert werden.