Euskadi, Donostia und Pintxos?

Donostia, bedeutende Provinzhauptstadt in Euskadi, bekannt für Pintxos und 2016 Europas Kulturhauptstadt? Hat man da was verpasst?
Vielleicht hilft eine kleine „Übersetzung“ weiter: San Sebastián im Norden Spaniens, genauer: im Baskenland gelegen, wartet mit einer eigenen Interpretation der bekannten iberischen Tapas auf und wird in zwei Jahren Europas Kulturhauptstadt sein.
Aussagen wie diese sollten in der Region allerdings mit Vorsicht verbreitet werden – war doch das País Vasco, welches sich bis über die Grenze ins benachbarte Frankreich erstreckt und dort zum Pays Basque im Westen des Départements Pyrénées-Atlantiques wird, seit den späten 1960er Jahren Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen, in denen die Loslösung und Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien – vor allem durch die Vereinigung ETA – erzwungen werden sollte.
Heute hat sich die Lage jedoch weitestgehend beruhigt – nichts desto trotz weht über der Region vielerorts die baskische Flagge, und nicht die spanische Rojigualda.

Keine spanische Krone und kein Gelb in Sicht.. Das Baskenland zeigt Flagge.

Keine spanische Krone und kein Gelb in Sicht. Das Baskenland zeigt Flagge.

Im Baskenland gehen die Pyrenäen in das Kantabrische Gebirge über, und die sattgrüne Hügellandschaft direkt am Atlantik stellt einen krassen Gegensatz zum lehmbraunen, teils kargen Inneren der Iberischen Halbinsel.
Die Architektur im Bauernhaus- und Fachwerkstil überrascht ebenso wie das von Zeit zu Zeit hörbare Bimmeln von Kuhglocken, während unten an der Küste die Brandung der Biskaya gegen die Felsen tost – so scheint es, als ob der Schwarzwald oder das Allgäu direkt ans Meer versetzt wurden.

Nein, das ist nicht in Oberstdorf. Ein typisch baskisches Landhaus.

Nein, das ist nicht in Oberstdorf. Ein typisch baskisches Landhaus.

Ein bizarr-schönes Ausflugsziel befindet sich nordöstlich der Stadt Gernika / Guernica, der „Bemalte Wald“ Bosque Pintado. Der baskische Künstler Augustín Ibarrola verpasste den Kiefern Muster in allen Regenbogenfarben.

Kunst und Natur vereinen - Augustín Ibarrola ist das offensichtlich gelungen.

Kunst und Natur vereinen – Augustín Ibarrola ist das offensichtlich gelungen.

Ibarrola ist als Wortführer der Friedensbewegung gegen die ETA in der Region kein unumstrittener Zeitgenosse, weshalb seine Freiluftausstellung schön des Öfteren Opfer von Vandalismus wurde.
Dennoch sind der Wald und damit die Kunstwerke jederzeit frei zugänglich – und außerdem wachen nun zahlreiche Augen über das Gebiet…

Überwachung als Kunstwerk.

Überwachung als Kunstwerk.

Noch nichts vor im Sommer? Das Baskenland ist ein sehr spezielles Reiseziel, welches eine einzigartige Kultur, Landschaft und Leute vereint und sich selbst im Hochsommer durch ein angenehmes Klima auszeichnet.
Alle Informationen und Hintergründe, Highlights und Geheimtipps für das individuelle Entdecken der Region finden Sie in der aktuellen, 8. Auflage des Reiseführers Nordspanien des Michael Müller Verlags.

MM-Nordspanien von Thomas Schröder, 8. Auflage 2014, 612 Seiten.

MM-Nordspanien von Thomas Schröder, 8. Auflage 2014, 612 Seiten 

Text: © Johannes Endler

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Die Beatles in Hamburg

Ex-Trapezkünstler und Stripclubbesitzer Bruno Koschmider hatte die Jungs 1960 aus England  angeworben – eine vollkommen unbekannte Band, die sich The Beatles nannte –, um im Indra (Große Freiheit 64) eine Oben-ohne-Performance musikalisch zu unterstützen. Sie waren nur vierte Wahl gewesen, drei andere Liverpooler Bands hatten abgewinkt. Nach ihren anstrengenden Auftritten – der erste war am 17. August 1960 über die Bühne gegangen – „logierten“ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Pete Best in der Paul-Roosen-Straße 33. Auf einem dort angebrachten Schild halten sie eine Preludin-Packung in die Kamera: ein Schlankheitsmittel, das ihnen Energie verlieh, um den Auftrittsmarathon durchzuhalten. Wochentags mussten sie viereinhalb Stunden auf die Bühne, samstags sechs. Dafür gab es eine Pro-Kopf-Gage von 30 Mark.

Die Jungrocker "logierten" oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Die Jungrocker „logierten“ oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Der berühmt-berüchtigte Kaiserkeller (Große Freiheit 36) war ab dem 4. Oktober desselben Jahres ihre zweite Station: Bis zu 700 Gäste – hauptsächlich Seemänner und Nutten – wollten bespaßt werden. Sie wechselten sich mit Rory Storm & the Hurricanes ab und trafen zum ersten Mal auf einen gewissen Mr. Richard Starkey. Als Ringo Starr sollte er zwei Jahre später als Schlagzeuger für Pete Best einsteigen – genau dann, als die Weltkarriere der Beatles ihren Anfang nahm.

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Am 30. November 1960 hatten sie ihren letzten Auftritt, bevor sie zurück nach Großbritannien mussten: Nachdem Koschmider spitz bekommen hatte, dass die Band in den Top Ten Club wechseln wollte, soll er George Harrison bei der Stadt angeschwärzt haben; der Mann an der Leadgitarre war erst 17 und damit zu jung, um in einem Nachtclub aufzutreten. Aus Frust kokelte Paul ein Kondom in ihrer Unterkunft an, was ihm und Pete Best eine Nacht im Gefängnis des lokalen Polizeireviers einbrachte, der Davidwache.

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon "einquartiert" - auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache. (© Matthias Kröner)

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon „einquartiert“ – auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache.             (© Matthias Kröner)

Am 1. April 1961 begann die Top-Ten- und am 13. April 1962 die berühmt-berüchtigte Star-Club-Zeit, die den endgültigen Durchbruch für die Fab Four bringen sollte; der Bassist Stuart Sutcliffe war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen und am 10. April 1962 an einer Hirnblutung in einem Hamburger Krankenwagen gestorben … Im „bekanntesten Rock’n’Roll Club Deutschlands aller Zeiten“ (Süddeutsche) hatten sie insgesamt 79 Auftritte – bis Silvester 1962. Es wird kolportiert, dass die Band auch in Unterhosen und mit einer Klobrille um den Hals auftrat und die Verstärkeranlage demolierte, selbstverständlich alles in betrunkenem Zustand, wie es sich für echte Nachwuchstalente gehört. Paul McCartney wird später sagen, dass seine schönsten Erinnerungen mit dem Star-Club verbunden sind. John Lennon erklärte später, dass er erst in Hamburg erwachsen geworden sei. Ein Vierteljahr nachdem der von den Behörden gehasste Beatschuppen dicht gemacht hatte (die Gagen zahlreicher Stars waren ins Unermessliche gestiegen), trennten sich auch die Beatles, am 10. April 1970. Bis heute sollen sie über 1 Mrd. Tonträger verkauft haben. Ob das alles auch ohne die Hamburger Auftritte möglich gewesen wäre?!

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Dieses Stück Musikgeschichte hat es völlig zu Recht in einen der berühmten „gelben Kästen“ des Michael Müller Verlags im neuen MM-City Hamburg von Matthias Kröner geschafft. Er hat nicht nur viele weitere interessante Anekdoten aus Hamburgs Vergangenheit und Gegenwart zusammengetragen, vor allem führt er seine Leser in sieben Spaziergängen durch die Elbmetropole und steu­ert dabei neben Top-Sehenswürdig­kei­ten wie Hafen oder Spei­cher­stadt auch Lo­ca­ti­ons an, die nicht auf den ers­ten Blick zum Tou­ris­ten­mek­ka tau­gen.

MM-City Hamburg

Die erste Auflage des MM-City Hamburg ist vor kurzem erschienen.

© Matthias Kröner

Faszination Vasa

Macht man sich in Stockholm mit der Fähre auf den Weg zur Insel Djurgarden, fallen schon von weitem drei riesige Masten auf. Sie gehören zum Vasa-Museum. DAS Museum in der schwedischen Hauptstadt, das man unbedingt gesehen haben sollte. Und das, obwohl dieses Museum nur ein einziges Exponat hat: ein Schiff. Und dennoch ist das „Vasa Museet“ eines der beeindruckendsten Museen der Welt – auch für diejenigen, die von sich behaupten, sich überhaupt nicht für Schiffe oder Geschichte zu interessieren!

Mit jeder der insgesamt zwei Dreh- und drei Stahltüren, die man passieren muss, nimmt man zunächst einen immer stärker werdenden Geruch von altem Holz und Konservierungsmitteln wahr. Und dann passiert es irgendwie ganz plötzlich und man steht vor ihr: 69 Meter lang und 34 (ursprünglich sogar 52) Meter hoch, das Holz dunkel verfärbt, reich verziert mit Hunderten von geschnitzten Skulpturen. Erst nach ein paar Sekunden der völligen Sprachlosigkeit und wenn sich die Augen an das Dämmerlicht gewöhnt haben, fängt man an zu realisieren, was man da sieht. Das weltweit einzige, aus dem 17. Jahrhundert erhaltene Schiff der Welt.

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Blick auf das Deck der Vasa.

Das Heck der Vasa ist verziert mit Hunderten Schnitzereien.

Das Heck der Vasa ist verziert mit Hunderten Schnitzereien.

Es ist der 10. August 1628. Ganz Stockholm bewundert das neue und prachtvolle Kriegsschiff von König Gustav II. Adolf. Nachdem 400 Handwerker in zwei Jahren rund 1000 Eichen verarbeitet haben, ist das mit 1200 Tonnen Gewicht und 64 Kanonen mächtigste Flaggschiff seiner Zeit fertiggestellt: die Vasa. Vor dem königlichen Schloss in Stockholm legt der Stolz des Königs ab, bejubelt von vielen Zuschauern. Doch nur wenige Minuten später schlägt die Stimmung um: Eine Windböe trifft plötzlich das Schiff und bringt es in eine bedrohliche Schräglage. Mit Müh und Not kann sich die Vasa kurzzeitig wieder aufrichten, nur um kurz darauf erneut von einem Windstoß erfasst zu werden. Das Unglück nimmt seinen Lauf, denn nun kann sich das Schiff nicht mehr aufrichten, und bald strömt durch die aufgrund der Salutschüsse geöffneten Kanonenpforten Wasser in sein Inneres. Die Vasa kentert – mitten im Hafen von Stockholm. Nach nur 22 Minuten und 1300 Metern.

Der Stockholmer Hafen, mit Blick auf Östermalm.

Der Stockholmer Hafen, mit Blick auf Östermalm.

Wie konnte das geschehen? Nach Baubeginn des Schiffes ließ König Gustav II. Adolf den Entwurf für die Vasa nochmals ändern. Er wollte ungewöhnlich viele Kanonen an Bord haben, und so gestalteten die mit dieser Aufgabe völlig überforderten Konstrukteure einen viel zu hohen Aufbau mit zwei Kanonendecks. Der Schwerpunkt des Schiffes lag damit viel zu weit oben und der eingeplante Ballast war viel zu leicht. So konnte schon eine leichte Windböe die stolze Vasa aus dem Gleichgewicht bringen.

Es ist der 24. April 1961. Wieder sind viele Schaulustige rund um den Stockholmer Hafen unterwegs. Die Sensation: wieder wegen der Vasa! 333 Jahre nach dem verheerenden Unglück von 1628 erblickt die Vasa wieder das Tageslicht. Der Wrackforscher Anders Franzén hatte das Schiff einige Jahre zuvor in 32 Metern Tiefe gefunden. Dank dem schwefelhaltigen Brackwasser im Stockholmer Hafen lag die Vasa jahrhundertelang gut erhalten mitten im Hafen von Stockholm. Nach vielen Jahren der Restaurierung und Konservierung konnten 95 Prozent der Originalteile erhalten werden, und um das Schiff herum wurde ein Museum erbaut, welches 1990 eröffnet wurde. Die stilisierten Masten, die aus dem Museumsdach herausragen, markieren die ursprüngliche Höhe der Vasa: 52 Meter.

Das Vasmuseum mit den riesigen Masten, die die ursprüngliche Höhe der Vasa markieren.

Das Vasamuseum mit den riesigen Masten, die die ursprüngliche Höhe der Vasa markieren.

Im Museum selbst kann man die Vasa von sieben Ebenen aus jedem Blickwinkel heraus bewundern. Es herrschen konstante klimatische Bedingungen und dunkle Lichtverhältnisse, um den Verfall des jahrhundertealten Holzes zu verlangsamen. Aufzuhalten ist er allerdings nicht. Und so brennt sich nicht nur der unverwechselbare Geruch und die fast ehrfürchtige Stimmung im Museum in die Köpfe der Besucher ein. Es bleibt auch die bange Frage, wie lange die Vasa die Stockholm-Touristen noch in ihren Bann ziehen kann.Suedschweden-fb

Text und Fotos: © Kathrin Etzel

Wohin 2014?

Während des traditionellen Silvesterfondues, im Schein von Feuerwerk und beim Knallen der Sektkorken hörten – und fühlten – sich die guten Vorsätze für das neue Jahr ziemlich verlockend, grundsätzlich machbar, und ohnehin heldenhaft an.
Allerdings bleibt der Vorsatz, die Vorsätze einzuhalten, oftmals gerade einmal bis zum Neujahrstag bestehen – regelmäßig sogar mit einer kürzeren Halbwertszeit als der Kater nach der feucht-fröhlichen Silvesternacht. Doch eines steht fest – gereist wird auf jeden Fall!
Jährlich werden im Web die neuen Top-Destinationen gekürt – wohin also 2014? Weiterlesen