App in die Berge!

Seit gestern ist der blau-weiße Ausnahmezustand in München mal wieder Geschichte.
Unter den Augen der Bavaria drängten sich 6,3 Millionen Besucher des 181. Oktoberfests auf der Theresienwiese. Jedoch soll es tatsächlich auch Landeshauptstädter geben, die nichts mit den überfüllten Zelten, den Schwärmen von Grillhendln und den Sturzbächen aus Gerstensaft anfangen können.
Oder zumindest zwischendurch eine Auszeit brauchen. Münchens geographische Lage erlaubt es ja vergleichsweise einfach, ein Time-Out von Tracht, Trara und Trinkgelage zu nehmen und in frischer Bergluft durchzuatmen.
So nutzen auch wir das überaus milde Frühherbstwetter und verlassen die Stadt spontan zu einer  Halbtagestour in Richtung Berge. Wir entscheiden uns für den 1.565 Meter hohen Jochberg, der, zwischen Kochelsee und Walchensee gelegen, tolle Panoramen auf das Vorland verspricht und mit kurzer Anreise durch und durch als Hausberg der Isarstadt gilt.

Zunächst geht es vom Parkplatz an der Kesselbergstraße entlang bis zum Abzweig in den Wald, der die Motorengeräusche der Straße, welche von einigen Freizeitpiloten als Rennstrecke genutzt wird, schnell verschluckt. Der Anstieg bis zum zweiten Wegpunkt, der auf knapp 1.300 Metern eine erste tolle Aussicht bieten soll, ist mit etwa 400 Höhenmetern nicht ohne die eine oder andere Schweißperle und einen kleinen Schluck aus der Wasserflasche zu schaffen. Es soll sich jedoch lohnen!

Steil fällt die Felswand in Richtung flaches Vorland ab, und so ist der Blick bis zum Horizont unversperrt. Unter uns liegt blau-schimmernd der Kochelsee, in den man sich – zugegebenermaßen – nun kurz zum Abkühlen hineinwünscht.

Der Weg gabelt sich nun, rechts könnte man abkürzen und direkt den Einkehrschwung zur Jocheralm vollziehen, doch wahre Kraxler müssen zuerst das Gipfelkreuz berührt haben, um sich isotonische Getränke oder eine urige Brotzeit zu verdienen.
Im Gelände und freier Natur nicht unüblich, bleibt schon mal das Netz auf der Strecke. Kein Problem, wenn die Karten auch Offline verfügbar sind. Auf dem Schild kann man sich ja nochmals vergewissern. Und dann getrost dem Display trauen.

Die letzten Höhenmeter bis zum Gipfel fordern nochmals festen Tritt und stramme Wadeln, dann öffnet sich der Blick auf den Walchensee und über das Karwendel bis zur Zugspitze auf der einen, auf das bayerische Alpenvorland mit Kochelsee auf der anderen Seite.
Unten am Fuß des Gipfelhangs lockt mit wehenden, blau-weißen Fahnen schon die Jocheralm, um vor dem Abstieg noch in der Sonne bei Kuhglockengeläut und selbstgemachten Kuchen zu entspannen, bevor die Alm wieder mit der Theresienwiese und die Wanderstiefel mit den Haferlschuhen ausgetauscht werden.
Flüchten kann man immer – ist ja gleich ums Eck‘.

Die Münchner Ausflugsberge sind als MM-Wanderführer in der 2. Auflage 2014 mit GPS Tracks & Waypoints und als MM Wander-App erhältlich.
Mit 38 Touren zwischen Zugspitze und Wendelstein, detaillierter Weg- und Anreisebeschreibung sowie Hinweisen zu Schwierigkeit und Familienfreundlichkeit kommen Sie mit Buch oder digital sicher hoch hinaus – App in die Berge!

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, 2. Auflage 2014, farbig, 14,90 EUR

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, 2. Auflage 2014, farbig, 14,90 EUR

Fotos und Text: © Johannes Endler

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Direkt um’s Eck

München ist eigentlich unfair. Es beansprucht die meisten Sonnenstunden unter den deutschen Millionenstädten für sich – 1681 pro Jahr – , der Wirtschaftsstandort brummt, der Fußball – zumindest in den letzten Jahren – wie von einem anderen Stern, und dann natürlich obendrauf noch die geographische Lage.
Fünf Stunden zum Mittelmeer, eine bis ins Tiroler Skigebiet, und die Anfahrt in die Bayerischen Alpen kann in der Zeiteinheit Minuten angegeben werden, ohne dabei fahren zu müssen wie ein Löw. München hat also ordentlich „Holz vor der Hütt’n“, wenn es um Ausflugsziele geht.

Blick ins Wettersteingebirge

Blick ins Wettersteingebirge mit Zugspitze von der Partenkirchener Dreitorspitze.

An den zahlreichen Föhntagen könnte man meinen, sie anfassen zu können, so nah und klar zeichnen sie sich ab: Die Benediktenwand, der Wendelstein in den Schlierseer Alpen, der Herzogstand, und im Hintergrund die höheren Gipfel der Ammergauer Alpen.
Und ab und an muss trotz – oder gerade wegen – der zahlreichen Grünanlagen, Biergärten, Trachtenfeste und Maß einfach mal durchgeschnauft werden.
Das funktioniert natürlich am besten in der frischen Bergluft, und von der gibt’s auf den Münchner Hausbergen reichlich. Natürlich, München hat derer mehrere, also wieder einmal unfair. Rio gibt sich mit dem Zuckerhut zufrieden, Los Angeles hat den Mount Lee in Hollywood, und Kapstadt begnügt sich mit dem Tafelberg.
München hingegen wartet mit einer ganzen Bergkette zwischen Zugspitze und Wendelstein auf, und als Puffer zwischen Stadt und Berg sind noch Ammersee, Starnberger See und Staffelsee als Ausflugsziele und sommerliche Naherholungsgebiete aufgereiht.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee und Walchensee.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee (l.) und Walchensee.

Freilich, die Münchner Haus- und Ausflugsberge strotzen nicht gerade vor alpinistischer Herausforderung. Das müssen sie aber auch gar nicht, denn genau durch diese Eigenschaft ermöglichen sie dem Metropoliten von der Isar, im wahrsten Sinne, den Horizont zu erweitern und Eisbach gegen Eibsee und den Olympiaberg gegen die Rotwand einzutauschen. Diesen mit überschaubaren 1884m höchsten Berg im bayerischen Teil des Mangfallgebirges erreicht man entweder vom malerischen Spitzingsee aus oder steigt von Geitau über den Soinsee auf den Gipfel.
Im Sommer und bei schöner Witterung kann es hier aufgrund der hohen Beliebtheit großen Andrang geben, doch abseits der Hauptwege kehrt recht schnell alpine Ruhe ein. Eine Umrundung der Rotwand ist mit etwas über neun Kilometern und knapp vier Stunden Wegstrecke auch für Kinder und Hobby-Kraxler geeignet. Unterhalb des Gipfels liegt auf 1737m das Rotwandhaus, die willkommene Einkehrmöglichkeit auf dieser Tour.
Hier wurde übrigens der „Problembär“ JJ1, besser bekannt als Bruno, 2006 gesichtet und erlegt. Zu wild soll’s dann eben auch nicht sein…

Im Juni erscheint die Neuauflage des Wanderführers Münchner Ausflugsberge inklusive GPS-Tracks. Ebenfalls erhältlich ist die Wanderführer App für Android, iOS und Windows Phone.

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014.

Auf der Suche nach dem Yeti…

Da war er wieder, dieser Traum: Ich stapfe im Himalaya durch das Schneegestöber, auf der Suche nach dem geheimnisvollen Yeti. Immer meine Kamera im Anschlag, erklimme ich Meter um Meter. Da steht er auf einmal vor mir. Er öffnet seinen Mund und brüllt: „Mama Milch!“
Mama Milch? Da wird mir bewusst, ich bin nicht im Everest Basiscamp oder am Fuße des Annapurna, nein, ich liege im Bett zu Füßen des Karwendelgebirges im Werdenfelser Land und unser zweijähriger Sohn weckt uns pünktlich um sechs Uhr morgens zu seiner Guten-Morgen-Milch.

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Statt der Suche nach dem Yeti gibt es heute eine Familienwanderung. Weiterlesen