Vielfältig und bunt – der 37. DEKT in Berlin

Dass Berlin eine Reise wert ist, versteht sich von selbst. Auch wer kein Freund der Großstadt ist, fühlt sich öfters dabei ertappt, Berlin doch ganz nett zu finden. Kein Wunder, denn kaum eine Stadt in Deutschland bietet so viele verschiedene kulturelle Angebote wie unsere Hauptstadt.

 

Zwei Feste in einer Stadt

19403486_1347429552037991_1922073046_o

Wahrzeichen der Stadt im Zeichen des Kirchentags

Besonders spürbar war dies am letzten Samstag im Mai. Am 27. Mai 2017 machten es sich gleich drei Gruppen zur Aufgabe, das Gesicht der Stadt zu verwandeln. Mit schillernden Farben zogen unterschiedlichste Menschen aus nah und fern in den Straßen umher. Geschmückt mit Fanschals und Trikots traf man sich an bunten Ständen und feierte – mehr oder weniger gemeinsam – gleich zwei große Feste. Der bunte Mix aus Rot, Weiß, Gelb, Schwarz und Orange mochte einige auf den ersten Blick verwirren. Denn während die einen dem DFB-Pokal-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund entgegenfieberten, trafen sich gleichzeitig tausende zu den Feierlichkeiten des „Lutherjubiläum“ auf dem 37. Evangelischen Kirchentag in Berlin.

Sehen und gesehen werden

berlin_Alex

Graues Berlin?

Unter dem Motto „Du siehst mich“ (1. Mose 16, 13) versammelten sich von Mittwoch bis Sonntag zahlreiche Christen, aber auch Gläubige aus anderen Religionen, wie dem Judentum und dem Islam, Atheisten und generell Interessierte in Berlin. Alle zwei Jahre lädt die Evangelische Kirche Deutschlands ein, sich untereinander auszutauschen und friedlich so manches Streitthema zu diskutieren. Obwohl dieser Dialog durchaus christlich-protestantisch geprägt ist, finden so auch Menschen außerhalb dieses Glaubens interessante Angebote. Ob nun Diskussionen, Konzerte, Poetry Slams oder Theaterstücke, mit einem unfangreichen 500-Seiten-Programm war einiges zu erleben!

 

Große Themen – drängende Fragen

…oder Spiegel der Vielfalt?

Denn die Evangelische Kirche schaut hinaus in die Welt und sieht auf die brennenden Fragen in der Gesellschaft. Bei Podiumsdiskussionen, Gesprächsrunden und offenen Fragestunden standen beispielsweise PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und MenschenrechtlerInnen dem Publikum Rede und Antwort. Ein großes Thema war hier die Digitalisierung und die Rolle Deutschlands als Friedensbotschafter in aller Welt. Während auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama bejubelt wurden, mahnte Außenminister Sigmar Gabriel auf der Messe mehr Verantwortungsbewusstsein an.
Klatschen sei einfach. Doch diese Art der Zustimmung reiche leider nicht aus, um die Tendenz in Richtung Aufrüstung und Krieg zu stoppen und umzudrehen. Es müsse endlich wieder um wichtige soziale, religiöse und politische Themen geredet, diskutiert und sich gestritten werden – im positiven Sinne. So solle die  Gesellschaft sich beteiligen bei den Fragen um Frieden, Nächstenliebe und weitere große Themen die sich mit den aktuellen politischen Lagen verknüpfen lassen.

 

„Tragt Freundlichkeit in die Welt!“

Der Eröffnungsgottesdienst erzählt Geschichte und Geschichten der Stadt Berlin

Mit diesem Appell, sich mehr an der Gestaltung der Politik und des öffentlichen Lebens zu beteiligen, waren die Politiker nicht alleine. Mit viel Herz und Humor ermutigte auch Eckhart von Hirschhausen dazu, Freundlichkeit in die Welt zu tragen: Dies könne schon im ganz Kleinen Anfangen. Als Tipp empfahl er, ab und an eine Münze auf die Straße fallen zu lassen. Wer überraschendes Glück erlebe, sei danach nämlich viel hilfsbereiter. Neben aller Heiterkeit warnte der Klavier-Kabarettist Bodo Wartke in seinem Lied „Nicht in meinem Namen“ davor, vorschnell Religion als Streitursache zu missbrauchen oder missbrauchen zu lassen.

 

Spiel und Spaß sind genauso wichtig

Natürlich durfte neben diesen ernsten Themen auch der Spaß nicht fehlen. So gab es viel Raum und Zeit, sich bei Sport, Tanz und Musik oder dem Feiern eines gemeinsamen Gottesdienstes zu treffen. Besonders auf sich aufmerksam machten mit Spiel und Spaß das Zentrum Jugend und das Zentrum Kinder: Hier war es dank vieler Mitmach-Aktionen laut und bunt.

Wittenberg_1

Abschlussgottesdienst in Wittenberg

Auch der Markt der Möglichkeit, der Markt der Innovation und andere Zentren boten vielfältige Angebote. Wer auf der Suche nach Impulsen und Antworten zu verschiedenen Themen suchte, war hier bestens aufgehoben. Seinen Abschluss fand der 37. Kirchentag dieses Jahr ausnahmsweise fernab vom eigentlichen Veranstaltungsort. Zu einem letzten Festakt – dem Abschlussgottesdienst – machten sich viele der Besucher auf nach Wittenberg.

 

„Hier stehen wir – und wollen anders. Jetzt gehen wir – und können anders!

Nun blicke ich nach ein paar Tagen zurück und frage mich was bleibt, von diesem Event und dem Wunsch anders zu handeln und Teil einer Friedensbewegung zu sein?
Für mich bleibt die Erfahrung, Teil einer unglaublich vielfältigen Weltgemeinschaft sein zu dürfen. Die Hoffnung, dass viele Menschen lieber Frieden suchen als Streit, egal aus welcher Region, Religion oder Orientierung sie kommen und der Wunsch Berlin als Stadt bald genauso bunt und weltoffen wiederzusehen.

berlin_kerzen
Kerzenmeer zum Ausklang des Tages in der Messe Berlin

 

 

Text: Saskia B. Vortisch

Fotos: Saskia B. Vortisch

Infos: https://www.kirchentag.de/

 

Advertisements

App durch München!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

„Im August ist München leer“ – sagt der freundliche, schnauzbärtige Pakistani wissend. Was man von seinem kleinen, aber feinen Restaurant im Uni-Viertel zur Mittagszeit allerdings nicht behaupten kann. Und insgesamt herrscht – jedenfalls für meine Begriffe als Zug’roaster – zwischen Schellingstraße, Türkenstraße, LMU und Pinakotheken reger Betrieb. Junge, hübsche, hippe Leute, dann die deutlich zu erkennenden Kunst- und Stilliebhaber, Shoppingqueens (und -kings!) und bestimmt noch einige, die ihre Seminararbeiten vervollständigen, Nachholklausuren ablegen oder dicke, schlaue Bücher abgeben müssen und zwischen Institutsgebäuden und Bibliotheken hin und her „hetzen“.
Wir haben uns für den Spaziergang 6, „Ludwigstraße, Leopoldstraße und Schwabing“ entschieden. Zunächst allerdings meldet sich der Appetit – beim großen Angebot an Restaurants, Wirtschaften und Imbissen in diesem Viertel fällt die Wahl schwer, dann aber nach einem Blick auf die München-App eindeutig auf das nette pakistanische Restaurant in der Barer Straße, direkt gegenüber der Alten und Neuen Pinakothek. Derselbe Kellner, der zuvor über das angebliche Sommerloch geklagt hatte, wieselt flink zwischen den Tischchen und bedient die – zahlreichen – Gäste mit scharfen Curry-Varianten, Naan-Broten und erfrischenden Lassis. Ein geschmacklicher Volltreffer.

Dass mir die Angabe des Schärfegrades auf der Speisekarte häufig nicht als Garantie genügt, sondern ich unbedingt und mit Nachdruck meinen Wunsch nach Feuer auf dem Teller äußere, wird in Restaurants mit südasiatischer Küche meistens mit einem Augenzwinkern quittiert. Jedenfalls muss nun Abkühlung her: Eis, am besten lecker, hausgemacht und schnell. Becher oder Waffel? Hauptsache Haselnuss!
In der Türkenstraße, welche parallel zur prachtvollen Ludwigstraße mit den imposanten Universitäts- und Verwaltungsgebäuden verläuft und eine Verbindung zwischen Schwabing und Maxvorstadt bildet, reihen sich traditionelle Wirtshäuser, moderne Cafés und kleine Ladengeschäfte aneinander. Dazwischen finden wir sofort die kleine Eisdiele, welche auf dem Handydisplay verheißungsvoll mit drei Kugeln aufwartet.

Nun aber los Richtung Kultur! Vom Univiertel leitet der Spaziergang 5 die Besucher durch das Museumsquartier über den Karolinenplatz zum Königsplatz. Die ehemaligen Zentralen der „braunen“ Verwaltung und der NS-Parteiorganisationen in der Brienner Straße und am Karolinenplatz sind heute Heimat von Anwaltskanzleien, Industrie- und Handelskammern sowie der Bayerische Börse. Entsprechend hoch ist die Dichte der Luxuskarossen, Kameraklingelschildern und Springbrunnen vor den massiven Echtholztüren.
Die ehemalige Aufmarschzone des Königsplatzes ist heute beliebter Treffpunkt für junges Publikum, das sich auf den Stufen der griechisch-römisch anmutenden Gebäude zum abendlichen Umtrunk und Picknick einfindet. Aktuell sind über den ganzen Platz bunte Heuballen verteilt, welche zum Verweilen und Entspannen einladen. In den Ausstellungsräumen kann man das ganze Jahr über antike Meisterwerke bestaunen.

Die MMTravel Guide App ist für iOS, Windows Phone und Android konzipiert und für sämtliche MM-City-Ziele sowie ausgesuchte Wanderführer verfügbar. Der komplette Inhalt des Reiseführers steht als eBook in der App zur Verfügung. Durch die Funktion CityLive! können individuelle Touren nach verschiedensten Rahmenbedingungen gestaltet werden. Während des Entdeckungszuges durch Stadt oder Gelände fallen dank der Offline-Verfügbarkeit (auch im Ausland!) keine Roaming-Gebühren an.
Weiterhin ist in allen seit Januar 2014 erschienenen MM-City-Guides ein Gutschein-Code zum Download der MMTravel Guide App enthalten.

Nichts gegen den guten alten Stadtplan - mit der App kommt man allerdings sicher(er) ans Ziel.

Nichts gegen den guten alten Stadtplan – mit der App kommt man allerdings sicher(er) ans Ziel.

© Johannes Endler

Die Beatles in Hamburg

Ex-Trapezkünstler und Stripclubbesitzer Bruno Koschmider hatte die Jungs 1960 aus England  angeworben – eine vollkommen unbekannte Band, die sich The Beatles nannte –, um im Indra (Große Freiheit 64) eine Oben-ohne-Performance musikalisch zu unterstützen. Sie waren nur vierte Wahl gewesen, drei andere Liverpooler Bands hatten abgewinkt. Nach ihren anstrengenden Auftritten – der erste war am 17. August 1960 über die Bühne gegangen – „logierten“ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Pete Best in der Paul-Roosen-Straße 33. Auf einem dort angebrachten Schild halten sie eine Preludin-Packung in die Kamera: ein Schlankheitsmittel, das ihnen Energie verlieh, um den Auftrittsmarathon durchzuhalten. Wochentags mussten sie viereinhalb Stunden auf die Bühne, samstags sechs. Dafür gab es eine Pro-Kopf-Gage von 30 Mark.

Die Jungrocker "logierten" oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Die Jungrocker „logierten“ oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Der berühmt-berüchtigte Kaiserkeller (Große Freiheit 36) war ab dem 4. Oktober desselben Jahres ihre zweite Station: Bis zu 700 Gäste – hauptsächlich Seemänner und Nutten – wollten bespaßt werden. Sie wechselten sich mit Rory Storm & the Hurricanes ab und trafen zum ersten Mal auf einen gewissen Mr. Richard Starkey. Als Ringo Starr sollte er zwei Jahre später als Schlagzeuger für Pete Best einsteigen – genau dann, als die Weltkarriere der Beatles ihren Anfang nahm.

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Am 30. November 1960 hatten sie ihren letzten Auftritt, bevor sie zurück nach Großbritannien mussten: Nachdem Koschmider spitz bekommen hatte, dass die Band in den Top Ten Club wechseln wollte, soll er George Harrison bei der Stadt angeschwärzt haben; der Mann an der Leadgitarre war erst 17 und damit zu jung, um in einem Nachtclub aufzutreten. Aus Frust kokelte Paul ein Kondom in ihrer Unterkunft an, was ihm und Pete Best eine Nacht im Gefängnis des lokalen Polizeireviers einbrachte, der Davidwache.

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon "einquartiert" - auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache. (© Matthias Kröner)

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon „einquartiert“ – auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache.             (© Matthias Kröner)

Am 1. April 1961 begann die Top-Ten- und am 13. April 1962 die berühmt-berüchtigte Star-Club-Zeit, die den endgültigen Durchbruch für die Fab Four bringen sollte; der Bassist Stuart Sutcliffe war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen und am 10. April 1962 an einer Hirnblutung in einem Hamburger Krankenwagen gestorben … Im „bekanntesten Rock’n’Roll Club Deutschlands aller Zeiten“ (Süddeutsche) hatten sie insgesamt 79 Auftritte – bis Silvester 1962. Es wird kolportiert, dass die Band auch in Unterhosen und mit einer Klobrille um den Hals auftrat und die Verstärkeranlage demolierte, selbstverständlich alles in betrunkenem Zustand, wie es sich für echte Nachwuchstalente gehört. Paul McCartney wird später sagen, dass seine schönsten Erinnerungen mit dem Star-Club verbunden sind. John Lennon erklärte später, dass er erst in Hamburg erwachsen geworden sei. Ein Vierteljahr nachdem der von den Behörden gehasste Beatschuppen dicht gemacht hatte (die Gagen zahlreicher Stars waren ins Unermessliche gestiegen), trennten sich auch die Beatles, am 10. April 1970. Bis heute sollen sie über 1 Mrd. Tonträger verkauft haben. Ob das alles auch ohne die Hamburger Auftritte möglich gewesen wäre?!

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Dieses Stück Musikgeschichte hat es völlig zu Recht in einen der berühmten „gelben Kästen“ des Michael Müller Verlags im neuen MM-City Hamburg von Matthias Kröner geschafft. Er hat nicht nur viele weitere interessante Anekdoten aus Hamburgs Vergangenheit und Gegenwart zusammengetragen, vor allem führt er seine Leser in sieben Spaziergängen durch die Elbmetropole und steu­ert dabei neben Top-Sehenswürdig­kei­ten wie Hafen oder Spei­cher­stadt auch Lo­ca­ti­ons an, die nicht auf den ers­ten Blick zum Tou­ris­ten­mek­ka tau­gen.

MM-City Hamburg

Die erste Auflage des MM-City Hamburg ist vor kurzem erschienen.

© Matthias Kröner

Brennen für das Projekt oder Wie entsteht ein Reiseführer?

Wie geht eigentlich Reiseführer? Matthias Kröner hat einen launigen und sehr ehrlichen Blog-Beitrag zu dieser Frage verfasst. Nach dem Überraschungserfolg mit „Lübeck MM-City“ bringt der Autor, der unter anderem fürs Feiertags-Feuilleton des Bayerischen Rundfunks schreibt, im Mai seinen zweiten, subjektiven Reiseführer im Michael Müller Verlag heraus: „Hamburg MM-City“.

Kopfsteinpflaster

Steinig und uneben ist er, der Weg eines Reisebuchautors … (Foto: Berit Koepke)

 

Brennen für das Projekt
„Wir suchen keine Autoren“ lautet Michael Müllers Credo, seit er den Verlag im fränkischen Ebermannstadt vor 34 Jahren aus der Taufe gehoben hat. „Die Autoren müssen zu uns kommen. Nur so wissen wir, dass sie für ihr Projekt auch brennen.“ Was sich ein wenig überspannt anhört, versteht derjenige, der sich die Mühe macht, ein Buch für den vielleicht wichtigsten Individualreiseführerverlag der Republik zu schreiben.
Einen sogenannten „Allrounder“ – also ein Reisehandbuch, das sämtliche reiserelevanten Themen abdeckt – für diesen Verlag zu machen, ist ungefähr so, als müsste man „den Mount Everest mit einem Zahnstocher abtragen“. Dieses Zitat stammt von Thomas Schröder, der den Megabestseller des Verlags geschrieben hat: Mallorca, und zwar ohne Ballermannklischees.
Man ist nicht nur Dienstleister und professioneller Urlauber. Man ist auch akribischer Rechercheur, der einen subjektiven Schreibstil entwickeln soll, um ein Urlaubsziel möglichst authentisch einzufangen. Dass dabei auch kritisiert werden darf, bleibt eines der großen Erfolgsgeheimnisse des Erlanger Bücherhauses.

 

Subjektivität und Unterhaltung
Die Frage der Fragen lautet: Wie beginne ich die Recherche? Die Antwort der Antworten ist nicht so schwer. Man muss sich lediglich etwas Zeit nehmen – und zwar, bevor der Städtetrip losgeht.

Holstentor

Ehrliche Kritik: „Die Ausstellung im Holstentor hat etwas von einem sehr netten Heimatmuseum.“ (Foto: Berit Koepke)

Als Beispiel: In Lübeck existieren vielleicht 400 Restaurants, für das Reisebuch kann ich nur etwa 20 testen. Schon die erste Auswahl ist – subjektiv. Ich probierte mich durch die derzeitigen Szene-Lokale und Klassiker und wählte Lokalitäten aus, die von Einheimischen gerne besucht werden. In Hotels lasse ich mir Zimmer zeigen („Meine Eltern suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Lübeck. Wäre es möglich, dass ich einen Blick in Ihre Zimmer werfe?“). Wer seine Profession verrät, wird schon mal brüsk abgewiesen oder, bei Hotels ab 4 Sternen, an die Pressedame verwiesen, die dann doch wieder nur eine Hochglanzbroschüre weitergibt. Wenigstens bekommt man so einen kostenlosen Kaffee, doch muss zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen, wenn die Rezeption neu besetzt ist. Sonst erhält man keine echten Einblicke. Zudem lohnt es sich, ein Reisebuch auch als Lesebuch zu betrachten, das der Urlauber zum Schmökern zur Hand nimmt (nicht nur, wenn er einen Tipp braucht).
Wer Dinge recherchiert, die in anderen Büchern vernachlässigt wurden, hat häufig das Interesse auf seiner Seite.

 

Neuauflagen oder Wie man mit seinem Werk verwächst
Alle zwei Jahre überarbeiten Reisebuchautoren ihre Bände. D. h. sie kämmen jeden Satz noch einmal auf seine Richtigkeit durch, gehen noch einmal in alle Restaurants und Museen, sind noch einmal von Pontius bis Pilatus unterwegs und schießen noch einmal Fotos, als würden sie ihr Gebiet zum ersten Mal bereisen.

Alle zwei Jahre wird alles erneut getestet: die Kirchen, die Restaurants, die Straßenzüge

Alle zwei Jahre wird alles erneut getestet: die Kirchen, die Restaurants, die Straßenzüge (Foto: Berit Koepke)

Das Schöne daran: Während man mit der ersten Auflage (an der man mindestens neun Monate arbeitet) noch keinen überragenden Gewinn erzielt hat, ändert sich das mit den Folgenummern, für die man dieselben Prozente erhält. Doch auch der Verlag gewinnt: Denn mit jeder Neuauflage verwächst der Autor noch stärker mit seinem Werk. Spätestens mit der 3. Auflage enthalten die Bücher ein (aktuelles) Wissen, dem so schnell kein Mitbewerber etwas entgegensetzen kann.

 

Härtetest Lektorat
Das Lektorat ist der Härtetest für jeden Autor. Während es für den Verlag ein zeitaufwändiger, aber notwendiger Posten ist – vor allem bei Erstauflagen! –, muss man sich als Autor zusammenreißen, um nicht um jeden gekürzten Absatz zu kämpfen.
Dabei gilt: Nicht immer hat der Lektor recht, wenn es um stilistische Dinge geht, die die Eigenständigkeit eines Schreibers ausmachen. Bei orthographischen Geschichten sollte man den Meistern der deutschen Rechtschreibung (die natürlich noch sehr viel mehr sind) allerdings voll und ganz vertrauen.

 

Layout und Fahnen
Im Michael Müller Verlag liefert der Autor die Fotos weitgehend selbst. Dabei wird keine Hochglanzqualität erwartet. Skurrile Shots, die das Ungewöhnliche des Alltags einfangen, sind gern gesehen.

Marienkirche und Schiff

Wussten Sie, dass in der Marienkirche der größte Fälscherskandal der Nachkriegszeit stattfand? (Foto: Berit Koepke)

Bekommt man die gelayouteten Fahnen, muss es schnell gehen. In Windeseile liest man noch einmal das gesamte Typoskript von vorne bis hinten durch, korrigiert die Mängel der automatischen Silbentrennung, bittet darum, einige Fotos zugunsten der eigenen Lieblingsbilder auszutauschen und nimmt minimalste Änderungen allerletzter Art vor.
Im Falle der 2. Auflage von „Lübeck MM-City“ schloss kurz vor Drucklegung das einst so legendäre Casino in Travemünde, in dem bereits Dostojewski und – man höre und staune – der biedere Konrad Adenauer gezockt haben.

 

Der Zeitfaktor und die Zweifel
Geht das Typoskript – endlich – zur Druckerei, beginnt die Zitterei. Sind die Farben in guter Qualität? Funktioniert die Klebebindung? Wurden die Neuerungen allesamt eingearbeitet? Ist auf dem Cover was schief gelaufen?
Fischt man ein Vorabexemplar aus dem Briefkasten, denkt man an die ganzen Recherchen und Reisen, die man für die 200 bis 1.000 Seiten unternommen hat:
Bei „Norwegen“ war Kollege Armin Tima sechs Monate unterwegs (die komplette Niederschrift hatte er noch vor sich), bei „Lübeck“ kam ich mit 70 Halbtagesrecherchen aus (die komplette Niederschrift hatte ich noch vor mir). Man blickt auf die Restaurants und Unterkünfte, für die man sich entschieden hat – und beginnt zu zweifeln:
Stimmen die Öffnungszeiten der Museen noch, die man vor einigen Monaten recherchiert hat? Sind im Kapitel zur Stadtgeschichte die Zahlen richtig? Und hat man auch genügend Tipps für Leute mit schmaler Geldbörse?

Man schreibt für neugierige Reisende zwischen 30 und 70 Jahren, die das eigene Erlebnis schätzen, aber nicht mehr zwingend mit dem Rucksack unterwegs sind.

Reiseführer nicht nur für Backpacker (Foto: Matthias Kröner)

 

Die Zielgruppe
Zuletzt: Im Michael Müller Verlag schreibt man für eine sehr weite Zielgruppe: Man schreibt für neugierige Reisende zwischen 30 und 70 Jahren, die das eigene Erlebnis schätzen und auf eigene Faust unterwegs sind.
Nicht mehr zwingend mit Rucksack, doch noch genauso begierig auf Erkenntnisse, die über den Tellerrand des Klischees hinausgehen.

© Matthias Kröner

MM-City Hamburg

Der Städte-Guide Hamburg erscheint am 6. Mai.

MM-City Lübeck

Der Städte-Guide Lübeck ist in der 2. Auflage von 2013 erhältlich.

180 Länder auf 160.000 Quadratmetern

App nach Berlin - der Michael Müller Verlag präsentiert sich auf der weltgrößten Tourismusmesse.

App nach Berlin – der Michael Müller Verlag präsentiert sich auf der weltgrößten Tourismusmesse. Foto: Michael Müller Verlag

Ob Buch- oder Reisemesse: Immer wieder steht man vor dem Problem, dass einen das enorme Angebot fast erschlägt. Deshalb veröffentlichen wir einen kleinen Navigator über das Messegelände, sowohl für Fach- als auch für Privatbesucher. Neben speziellen Angeboten für Familien mit Kindern und einer Jobbörse für touristische Berufe geht es auch um kleine Fluchten, um im trubeligen Messeleben kurz durchzuatmen. Und: Wie kann man eigentlich günstiger Tickets buchen? Weiterlesen

Pappmaché-Krabbe trifft Plüschhäschen

Johannes Kral, Autor des gerade erschienenen MM-City Führers Mainz und seines Zeichens ex-Faschingsmuffel, erkundet die Fastnachtshochburg am Rhein während der närrischsten Zeit des Jahres – und da Angriff die beste Verteidigung ist, stürzt er sich einfach mit ins Getümmel.

Es ist kalt, nass und grau an diesem Freitag Anfang Februar. Der sonst so belebte Gutenbergplatz ist menschenleer. Keine knutschenden Teenager auf den Treppen des Staatstheaters. Keine Seniorengrüppchen beim Plausch nach dem Marktbesuch. Keine Touristen, die das Bronzestandbild Gutenbergs belagern. Nicht einmal die Tauben machen mit ihren Gurr-Lauten auf sich aufmerksam. Abgesehen von den Motorengeräuschen der Busse herrscht Stille.
Das passt ihr gar nicht! „Zuchplakettcher! Kaaft Zuchplakettcher!“, ruft die Dame Mitte 50 unüberhörbar in die Leere des Platzes. Selbstbewusst steht sie vor dem Theater. Um ihren Hals hat sie einen rot-blau-weiß-gelb gestreiften Schal geschwungen – die Farben der Mainzer Fastnacht. Ihr Haupt krönt eine Narrenkappe. Ein tiefer Sack hält sicher die Ware unter Verschluss, die heute Vormittag unters Volk gebracht werden soll. Der Verkauf der „Zuchplakettcher“ – kleine Plastikfiguren – soll den großen Rosenmontagszug finanzieren. Bunte Clowns sind es in diesem Jahr, die sich die Besucher zum Highlight der Mainzer Fastnacht um den Hals hängen werden.

Es stimmt wirklich: Mainz kann gleichzeitig singen und lachen. Foto: Sascha Knopp

Es stimmt also wirklich: Mainz kann gleichzeitig singen und lachen. Foto: Sascha Kopp

Eine halbe Million Schaulustige werden es auch dieses Jahr wieder sein, die den rund 9.000 Narren auf ihrem sieben Kilometer langen Zug ausgelassen zujubeln. Uniformierte Ranzengardisten, bunte Fahnenschwinger, berittene Narren, schrille Musikgruppen aus aller Welt und kritisch-humorvolle Motivwagen rollen am 3. März bereits zum 113. Mal durch die Mainzer Innenstadt. Und wer als Besucher dieses Spektakels nicht als graue Maus und Fastnachtsmuffel abgetan werden will, der sollte sich zeitig überlegen, in welcher Maskerade er denn zum größten Volksfest der Region erscheinen will.

Rosenmontagsumzug in Mainz - überragend. Foto: Sascha Knopp

Rosenmontagsumzug in Mainz – überragend närrisch.
Foto: Sascha Kopp

Bedenke, irgendwann muss auch der Narr mal auf’s Klo

Freunde der Mainzer Saalfastnacht erproben bereits ab Anfang Januar, wie die gewählte Kostümierung für die diesjährige Kampagne beim übrigen Narrenvolk ankommt. Rund 200 Prunksitzungen in den großen und kleinen Hallen der Stadt dienen als willkommene Bühne, um das gewählte Outfit unter den kritischen Blicken Gleichgesinnter auf Originalität zu testen. Wer die Sitzungen der Fastnachtsvereine nicht als gesellige Volkskunst, sondern vielmehr als gekünstelten Frohsinn versteht und deshalb einen großen Bogen um die Festsäle in Rheingoldhalle und Kurfürstliches Schloss macht, der sucht sich eben andere Möglichkeiten, sich und seine Kreativität zu präsentieren.
Eine Fastnachts-Warm-up-Party in der Neustadt etwa ist eine gute Alternative. Heute haben Lisa und Judith in ihre WG geladen, um „abzuchecken, ob wir uns mit unserer Verkleidung am Rosenmontag überhaupt auf die Straße wagen können“. Neben rein optischen Merkmalen müssen Fastnachtskostüme auch praktische Kriterien erfüllen. Letztes Jahr waren Lisa und Judith als Burlesque-Ladys unterwegs: „Sah geil aus, aber die Korsage hat gezwickt, mit Netzstrümpfen friert man sich sonst was ab und mit Mega-High Heels zügig durch die Massen zu kommen, ist auch nicht einfach.“ Deswegen gehen die beiden in diesem Jahr als Krabbenpärchen zum Zug. Für Kostümidee und konsequenten Seitwärtsgang bekommen die beiden volle Punktzahl in Sachen Optik. Dass Pappmaché-Rückenpanzer und -scheren beim Toilettenbesuch etwas hinderlich sein können, werden die Mädels später noch erfahren. Dafür gibt’s dann Punktabzug in Sachen Praxistauglichkeit.
Ein gutes Dutzend an Kostümen wird an diesem Abend zur Schau gestellt. Es gibt Lob, Kritik und im besten Fall lautes Gelächter. Timo ist wie jedes Jahr Verlierer, wenn die Kreativität der Kostümierung bewertet wird. Er nimmt’s gelassen, schüttelt kurz seine Schlappohren und streicht sich über den rosa Plüschwanst. Seit zehn Jahren schon mischt er sich als „schwuler Osterhase“ unter das Narrenvolk. Das Kostüm hat sich bewährt: Der gefütterte Anzug hält bei Wind und Wetter warm und ein Reißverschluss an der richtigen Stelle erweist sich als äußerst hilfreich, will man etwas von dem loswerden, „was man den Tag über so in sich hineingeschüttet hat“, weiß er.
Und das kann in der Zeit um den Rosenmontag schon mal etwas mehr werden. Helau!

Rosenmontag in Mainz

Schon tagsüber geht es in Mainz während der Fünften Jahreszeit feucht-fröhlich zu.    Foto: Sascha Kopp.

Hier gehts zum brandneuen MM-City Führer Mainz.

mainz_city_219

Maskenball in der Lagune

Am 15. Februar verwandelt sich Venedig wieder einmal in Europas (südlichste) Karnevalhochburg. Jahr für Jahr zieht es bis zu 1.5 Millionen Besucher in die Lagunenstadt an der Adria. Eröffnet wird das bunte, närrische Treiben traditionell mit dem Engelsflug von der Spitze des Markusdoms hinab zum Dogenpalast, bei dem der oder die Auserwählte, nicht zwingend im Engelskostüm, von Konfettiregen und tausenden Schaulustigen begrüßt wird.

Der Engel schwebt zur Eröffnung des Karnevals auf den markusplatz herab. Foto: www.carnevale.venezia.it

Der Angelo schwebt zur Eröffnung des Karnevals auf den Markusplatz herab.                   Foto: http://www.carnevale.venezia.it

Höhepunkt des Karnevalstreibens ist unbestritten der internationale Kostümwettbewerb. Aus den 300 speziell angefertigten Kostümen, die es in die Vorentscheidung geschafft haben, wählt dieaus Prominenten und Designern bestehende Jury  80 für die Finalrunde auf dem Markusplatz aus, welche von circa 125.000 Zuschauern dicht gedrängt verfolgt wird.
Wichtigstes Accessoire aller Besucher ist natürlich die Karnevalsmaske. Das Tragen von Masken ist in Venedig bereits seit dem 18. Jahrhundert – und nicht nur während der Karnevalszeit – üblich. Die venezianische Halbmaske, die praktischerweise Essen und Trinken ermöglicht, ohne das Gesicht zu entblößen, war auch in den Wochen um Pfingsten und in der Vorweihnachtszeit häufig in Venedigs Gässchen und rund um die Kanäle zu sehen.

Traditionell: Die venezianischen Halbmasken, die auch Essen und Trinken ermöglichen - einzig die lange Nase könnte beim Karnevalsküßchen hinderlich sein. Foto: http://carnevale.venezia.it

Traditionell: Die venezianischen Halbmasken, die auch Essen und Trinken ermöglichen – einzig die lange Nase könnte beim Karnevalsküßchen hinderlich sein.                               Foto: http://www.carnevale.venezia.it

Beliebt ist auch die Moretta. Eher klein, rund und ursprünglich aus schwarzem Samt wird sie vom Mund auf dem Gesicht gehalten – allerdings eher etwas für Gesprächsmuffel, denn sie birgt einen entscheidenden Nachteil: Unter ihr kann man nicht sprechen.

Eine eher stille Tradition: Unter der moretta ist kein Sprechen möglich. Foto: Azienda di Promozione Turistica (APT)

Eine eher stille Tradition: Unter der Moretta ist kein Sprechen möglich.                            Foto: Azienda di Promozione Turistica (APT)

Wie viele der Venezianer, die ihrer Stadt während der Karnevalszeit den Rücken kehren, sollten auch Touristen ohne Hang zu Fasching, Verkleidung und Maskerade der Stadt während den 10 Tagen Narretei lieber fernbleiben. Horrende Zimmerpreise, überfüllte Piazzas und ständige Beschallung sind nicht jedermanns Sache. Für Karnevalsfans handelt es sich hingegen um einen Pflichttermin und zweifellos ein Erlebnis: Die Festtage sind gefüllt mit Maskenbällen, Umzügen und künstlerischen Darbietungen, und lassen das Faschingsherz jedes Jecken höher schlagen.
Oder man hält es pragmatisch mit Goethe, der höchstpersönlich dem venezianischen Karneval während seiner Italienreise beigewohnt hat: „Ohne Fastnachtstanz und Mummenspiel ist im Februar auch nicht viel“.
Unentschlossene finden vielleicht hier gute Gründe, die für oder gegen einen Besuch sprechen:

Dass Venedig neben Karnevalstreiben und Gondelfahrten auf dem Canal Grande noch vieles mehr zu bieten hat, versteht sich von selbst. In der gerade erschienenen 7. Auflage des MM-City Führers „Venedig“ aus dem Michael Müller Verlag, der jetzt sogar mit Gratis-App zu haben ist, wird garantiert kein Detail zwischen Lagune und San Marco ausgespart.
Buch und/oder App finden sicherlich in jeder Tasche Platz, denn:
So viel Handgepäck muss sein.

venedig_city_219