Lissabon

Dieses Jahr habe ich mir zusammen mit meinem Mann eine kleine Auszeit gegönnt. D. h. wir haben unseren Sohn und die 2 Kätzchen in die Obhut von Oma&Opa gegeben und sind für 6 Tage nach Lissabon geflogen. Also waren wir auch außerhalb der Ferien unterwegs, was ich jedem nur empfehlen kann. Von einem Freund habe ich dann im Nachhinein erfahren, dass die Restaurantes 2 unterschiedliche Speisekarten haben und die Preise im Sommer viel höher sind als  im September. Also Glück für uns…:-) Dementsprechend haben wir auch ordentlich gefuttert und ich bin ein echter Fan der portugiesischen Küche geworden.
Wir haben für Planung und Unsetzung den Reiseführer von Johannes Beck benutzt, den ich sehr empfehlen kann. Nicht nur, dass er gerade erst erschienen ist, der Autor ist ein echter Lissabonkenner und der Führer bietet für den Tag einzelne Touren an, die wir fast alle ausprobiert haben. Außerdem gibt es eine detaillierte große Karte und viele kleine. Einige Restaurants haben wir auch aufgrund seiner Empfehlung besucht und waren jedes Mal mehr als zufrieden.1. Tag: Avenida da Liberdade und SantanaAuf dem ersten Foto seht ihr unser Hotel. Ja, hm, eigentlich absolut zu empehlen. Der Service ist top, das Frühstück ist günstig und reichhaltig mit einigen Lissabonner Spezialitäten. Die Zimmer sind sauber und modern, womit das Hotel auch speziell wirbt. Und da ist dann auch für mich der Haken. Wie der Concierge richtig bemerkte, man sieht es auf der Homepage, aber live fanden wir es doch mehr als gewöhnungsbedürftig. Es gibt nämlich eigentlich kein Bad, d. h. dass das Waschbecken direkt neben der Garderobe im Zimmer ist. Dusche und Toilette befinden sich in Kapseln, die zum einen nicht wirklich groß sind und wie soll ich sagen…man hat einfach keine Privatsphäre…Da es auch keinen Kleiderschrank gibt, hatte ich meine Kosmetika etc. in der Garderobe stehen…den Rest müsst ihr euch jetzt vorstellen ;-)…aber für mich ist dieses urbane Nomadentum nix, wo man nur mit 2 T-Shirts und einer Unterhose unterwegs ist…aber, an dieser Stelle ein großes Lob, nachdem ich meinem Unbehagen Luft gemacht hatte, haben wir das einzige Zimmer mit einem normalen Bad bekommen. Der Urlaub war gerettet und der Concierge musste immer grinsen, wenn er uns gesehen hat. Eine WinWinsituation also… 🙂
Fast neben dem Hotel seht ihr ein kleines Häuschen mit grünem Dach. Die gibt es in der Stadt an jeder Ecke und man bekommt dort ein paar Snacks und Getränke zu echt günstigen Tarifen.

Geht ihr die Avenida da Liberdade in Richtung Praça  Marquêsde Pombal kommt nach dem Platz, den Ihr auf dem Foto unten seht, die große Wiese mit den Hecken. Am Kopf hat man wieder einen tollen Ausblick bis zum Tejo. Auf der rechten Seite steht der PavilhãoCarlos Lopes.
Lissabon ist auf 7 Hügeln erbaut worden, und dementsprechend gibt es viele Steigungen. Darum haben sich die Lissabonner etwas einfallen lassen, so dass neben den Aufzügen solche Bahnen den fußmüden Touristen bergauf  oder -ab transportieren. Auch hier ist manchmal Schlangestehen angesagt, aber wir hatten Glück und konnten direkt einsteigen.
2. Tag: Baixa und Chiado
 
Am ersten Morgen haben wir es leider nicht geschafft, im Hotel zu frühstücken. Aber da wir ja direkt nebenan diesen Imbiss hatten, konnten wir uns dort für den Tag stärken….und eigentlich eher für 2…
Nach diesem Megasandwich war ich eigentlich schon mehr als satt, aber trotzdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, eines der typischen Puddingküchlein, die pasteis de nata, zu probieren. Sehr sehr lecker…
Kleiner Sprung in der Thematik….ich musste mit einem lieben Freund den Film IT gucken, und das, obwohl ich überhaupt kein Horrorfilmfan bin. Nicht, weil ich die Art Filme prinzipiell nicht mag, sondern weil ich ein echter Angsthase bin. Und so konnte ich auch nach dem Kinobesuch 2 Tage nicht schlafen…und was entdecke ich jetzt beim Sichten der Fotos… einen roten Luftballon….😎
Aber nun zurück zum Urlaub und den entspannten Dingen im Leben. Hier seht ihr den Elevador de Santa Justa, mit dem ihr zu einer Aussichtsplattform kommt. Oben angekommen hat man einen tollen Blick über Lissabon. Mit der Lisboacard ist die Fahrt kostenlos, und obwohl sie sehr kurz ist, solltet ihr das Anstehen in Kauf nehmen.
Die Karte lohnt sich übrigens für alle, die auch gerne ins Museum gehen. Zwar ist dort der Eintritt nicht frei, aber es gibt immerhin einen Rabatt. Außerdem ist sie auch gleichzeitig eine Fahrkarte, was wirklich praktisch ist. Wenn ihr sie im Netz bestellt, bekommt ihr einen Voucher, den ihr am Flughafen gegen die Karte eintauschen könnt.  Leider war eine meiner Karten, wir brauchten für den Zeitraum 2, defekt und wir mussten sie vorort umtauschen, was natürlich nicht so toll war, aber das der Flughafen von Lissabon nicht weit entfernt ist, konnten wir nach einer Stunde mit unserer Sightseeingtour weitermachen.
Nachdem wir ausgiebig den Blick genossen hatten sind wir in Richtung Igreja do Convento do Carmo geschlendert. Die Ruine, in der sich das Museu Arqueológico befindet, ist ebenfalls ein Besuch wert.
Ein Markenzeichen von Lissabon ist die historische Linie 28E. Der Reiseführer rät, an der Starthaltestelle einzusteigen. Um ehrlich zu sein, würde ich persönlich davon abraten. Die Wartezeit kann schon erheblich sein. Wir sind einfach zwischendurch eingestiegen, was überhaupt kein Problem war. Leider ist die Bahn ein beliebtes Jagdrevier für Taschendiebe, wie ich nach der Reise erfahren habe. Mir ist zum Glück nichts gestohlen worden, aber leider einem Bekannten.
Es ist auch sehr spannend die Fahrt von außen zu betrachten, da die Bahn sich durch enge Straßen kämpfen und dabei die enormen Steigungen und Gefälle meistern muss.
Es gibt viele Geschäfte, die nur Dosenfisch anbieten. Der schmeckt nicht nur lecker, sondern ist auch ein hübsches Mitbringsel für daheimgebliebene Fischliebhaber.
Der Praça do Comércio ist einer der schönsten Plätze Europas und mit seiner Lage direkt am Tejo auch bei Einheimischen sehr beliebt. Es gibt einen kleinen Stadtstrand und viele Möglichkeiten vom Großstadttrubel zu entspannen. Schön ist es, hier den Tag ausklingen zu lassen. Wenn die Sonne langsam untergeht, kann man an vielen Stellen bei einem Sundowner die blaue Stunde genießen.
 3. Tag: Alfama, Mouraria und Graca
Das war eine wirklich tolle Tour, die aber mal wieder unsere Kondition getestet hat. Besonders, weil wir die Strecke kurzentschlossen wieder hochgelaufen sind, um im Le Petit Café etwas zu Essen. Auch eine Empfehlung des Reiseführers, die genau zutraf. Es war super lecker und der Service sehr nett.
 Wir sind nicht nur den Essensratschlägen, sondern wie meistens auch den Tourempfehlungen von Herrn Beck gefolgt. Eine kleine Verschnaufpause kann man an einem weiteren tollen Aussichtspunkt machen. „Unserer lieben Frau vom Berge“ (Miradouro da Nossa Senhora do Monte)  ist außerdem ein beliebter Wallfahrtsort mit Marienstatue und kleiner Kapelle.
Auf dem Rückweg haben wir endlich einen Platz in der Linie 28 ergattert, mit der wir ganz bis zur Endstation durchgefahren sind. Aber wie gesagt, sind wir dann doch kurzentschlossen wieder zurück, um bei einem Essen Energie tanken zu können.
Und da wir schonmal da waren, und die blaue Stunde immer näher rückte, sind wir noch hoch zur Burg (Castelo de São Jorge), um von dort aus den Sonnenuntergang genießen zu können. Und, was soll ich sagen, ihr ahnt es sicher schon, auch von hier aus gibt es einen Rrundumblick…:-)

4. Tag: Avenidas Novas und Bairro Alto

Der Campo Pequeno ist eine Stierkampfarena, die aber geschlossen war, als wir gegen mittag ankamen.

In der Stadt wird viel renoviert und die Lissabonner scheinen den Wert ihrer historischen Bauwerke schätzen gelernt zu haben. Einzelne Fassaden, aber auch Bäume  werden zum Schutz mit Metallgerüsten abgestützt.
Das Museum Calouste Gulbenkian sollte auch auf jeder Sightseeingliste stehen. Es liegt in einem kleinen Park, der asiatisch gestaltet ist. Die Gebäude sind modern gehalten und setzten sich so von der Stadt ab. Es gibt ein Gebäude, das die moderne Sammlung beherbergt, mit der Gulbenkian persönlich nichts zu tun hatte. Er war eher an historischen bzw. antiken Gegenständen und Gemälden interessiert, die in einem anderen Bauwerk zu besichtigen sind. Sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, dass dies seine private Sammlung war.
Ich verzichte hier darauf, euch noch mehr Exponate zu präsentieren. Die Libellendame war nur eines meiner Lieblingsstücke. Für den Rest müsst ihr selber vorbeischauen…
Der Besuch dieses Rooftoprestaurantes ist ein echtes Highlight und einen Besuch würde ich euch wärmstens empfehlen. Ebenfalls ein Tip aus dem Reiseführer. Wenn ihr allerdings nach 19 Uhr einen Tisch haben wollt, ist eine Reservierung notwendig. Es gibt Tapas, die etwas größer sind als normal und die Empfehlung des Kellners 3 für 2 Personen zu nehmen, passte genau. Wir haben uns daran nicht gehalten und noch Nr. 4 bestellt… Aber da wir früh da waren, konnten wir entspannt alles verputzen und zusehen, wie die Sonne langsam verschwindet…

5. Tag Sintra

Falls ihr nur für 2 oder 3 Tage in Lissabon seid, solltet ihr euch überlegen, ob ihr diesen Tagesausflug mitnehmen möchtet, denn die Zeit ist notwendig, um Sintra gesehen zu haben. Es lohnt sich auf jeden Fall, und da wir 5 Tage zur freien Verfügung hatten, war das für uns kein Problem. Der Zug fährt nicht ganz so häufig, darum ist es sinvoll, sich den Fahrplan im Netz anzuschauen.
Am Bahnhof in Sintra gibt es einige kleine Läden, in denen ihr frischen Proviant kaufen könnt. Mit Obst, Wasser und guten Laufschuhen haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine Windjacke solltet ihr auch mitnehmen, da der Wind, trotz 27 Grad und Sonne, zumindest bei uns sehr eisig war.
Es gibt die Möglichkeit mit einem Bus oder per TuckTuck hoch zur Burg und zum Schloss zu gelangen. Wenn ihr fit seid, würde ich euch aber empfehlen, zu Fuß durch die tolle Parkanlage zu wandern. Der Aufstieg ist zwar recht anstrengend, aber die mit viel Liebe zum Detail angelegte Grünanlage lohnt die Mühe ganz bestimmt.
Im Schloss gibt es eine tolle Ausstellung. Für den Foody in mir war natürlich die Küche besonders interessant. Aber auch der Rest war sehr schön inszeniert.
Essen waren wir an diesem Tag ebenfalls in Sintra und mal wieder auf Empfehlung des Reiseführers bei Incomum. Auch hier Reservieren!

6. Tag 

An unserem letzten Tag haben wir uns einfach mal ein bisschen treiben lassen. Die meiste Zeit haben wir uns Bairro Alto mal bei Tageslicht angeschaut und sind u. a. in einem tollen Kaufhaus gelandet. Auch wenn die Gegend mehr für ihr Nachtleben bekannt ist, lohnt sich ein Besuch der vielen kleinen Boutiquen und Läden.


Oben auf dem Bild seht ihr den typischen getrockneten bacalhau. Und unten den Mercado da Ribeira. Ein Schlemmerparadies, in dem für bestimmt jeden Geschmack etwas dabei ist. Und ja, von Entspannung war dann doch keine Rede, denn wir sind an diesem Tag 2 mal vom Tejo hoch nach Bairro Alto und wieder zurück gelaufen, da wir uns einfach nicht entscheiden konnten, wo wir essen sollten…Wenn ihr das selber mal gemacht habt, wisst ihr, was ich meine…da ist der Muskelkater vorprogrammiert.

Unten seht ihr eine typische Lissabonner Nachspeise, die Papos del Anjo (Engelsbäckchen). Sie sehen nicht spektakulär aus, sind aber himmlisch lecker.

Zum Abschluss nochmal der Lissabonner ganzer Stolz, ihr Tejo bei Sonnenuntergang…
Tipps und ausführliche Hintergrundinfos im Reiseführer „Lissabon“:
lissabon_city

Text: © Melanie Kohlhaas, Bilder: © Melanie Kohlhaas

Melanie Kohlhaas ist Bloggerin und Fotografin und hat diesen schönen Beitrag über Lissabon auf ihrem Blog Caramelja veröffentlicht.

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Bella Liguria

Die Küstenregion Ligurien, die sich im Nordwesten Italiens entlang der Riviera di Ponente und der Riviera de Levante erstreckt, trägt zu großen Teilen zum Attribut Bella der Appeninhalbinsel bei. Eingerahmt von Alpenausläufern und Mittelmeer bildet die Region ein reizvolles Reiseziel. Aktivurlaub mit Wandern, Klettern und Radfahren ist ebenso möglich wie entspanntes Sonnenbaden oder kulturelle Aktivitäten.

Zur Freude von Aktivurlaubern durchziehen zahlreiche Wanderwege Liguriens Küstenregion.

Zur Freude für Aktivurlauber durchziehen zahlreiche Wanderwege Liguriens Küstenregion.

Genua, Liguriens Hauptstadt, mag auf den ersten Eindruck etwas chaotisch, unordentlich und rau wirken. Flaniert man aber erst einmal abseits der Hauptstraßen durch die Gassen, Hinterhöfe und Grünanlagen des weitläufigen Centro storico der geschichtsträchtigen Hafenstadt – in Italien besitzt nur Venedig eine größere Altstadt -, erkennt man schnell, warum die Genuesen ihre Stadt selbstbewusst „La Superba“, die „Stolze“ nennen.
Zu verdanken hat Genua das nicht zuletzt dem prominentesten Sohn der Stadt, Cristoforo Colombo, seines Zeichens unerschrockener Seefahrer im Dienste der spanischen Krone und Entdecker der Neuen Welt. Zu dessen Ehren waren die in den 1990er Jahren zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas abgehaltenen Kolumbus-Feiern Auslöser für weitgreifende Sanierungen und Renovierungen der historischen Prachtbauten und der Umwandlung des einst anrüchigen Porto antico in ein modernes Kultur- und Vergnügungszentrum. 2004 war Genua außerdem Europäische Kulturhauptstadt.

Im Sommer ballt sich über der Stadt jedoch häufig flirrende Hitze, der es zu entkommen gilt. Keine besonders schwere Aufgabe, betrachtet man Genuas Umgebung.
In Richtung der französischen Grenze bieten die Palmen-Rivieria und die Blumen-Riviera mit den wie an einer Perlenkette aufgezogenen Küstenstädtchen und einem ruhigen Hinterland hundertprozentiges, mediterranes Italien-Flair. Ein Reiseziel mit „Tiefgang“ sind in dieser Gegend die Grotte di Toirano bei Loano. Die rund 70 Tropfsteinhöhlen mit ihren bizarren Formationen gleichen einer versteinerten Märchenwelt. Auch Spuren steinzeitlicher Behausungen und Überreste des ausgestorbenen Höhlenbären sind zu bewundern.
Unbestrittenes Highlight Liguriens ist allerdings die Region Cinque Terre, die „Fünf Welten“, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ausgezeichneten, fünf malerischen Dörfer und deren umliegende gebirgige Landschaft an der Mittelmeerküste.

Das I-Tüpfelchen des mediterranen Panoramas.

Das I-Tüpfelchen des mediterranen Panoramas.

In den Sommermonaten sind die Örtchen, die an die steil abfallenden Hänge gebaut wurden, oftmals überlaufen, was ihrer schieren Postkartenschönheit jedoch keinen Abbruch tut. Gerade das kleine Vernazza gilt als das attraktivste Ziel von Cinque Terre, mit schmalen rot und gelb gestrichenen Häusern und einer kleinen Piazza am Hafenbecken. Wer zwar die Menschenmassen, jedoch nicht die atemberaubende Aussicht verpassen will, dem seien die angebotenen Pendelbootsfahrten mit Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten entlang der Küste ans Herz gelegt. Die Fortbewegung im Auto ist mangels Tankstellen und Fahrverbot in den Dörfern nicht zu empfehlen. Sehr gut funktioniert hingegen die Reise mit dem Zug, da jeder Ort einen eigenen Bahnhof besitzt. Mit der Cinque Terre Card können nicht nur alle Wanderwege, sondern auch die Bahnverbindung zwischen La Spezia und Levanto benutzt werden, und das so oft man möchte.

Gute Verbindung: Jedes Dorf in der Ausflugsregion Cinque Terre verfügt über einen eigenen Bahnhof.

Gute Verbindung: Jedes Dorf in der Ausflugsregion Cinque Terre verfügt über einen eigenen Bahnhof.

Kulinarisch sollte man unbedingt die Focaccia probieren, die Pizza Liguriens, die hier überall angeboten wird. Das ligurische Fladenbrot, welches mit Olivenöl, Salz und frischen Kräutern gewürzt und häufig mit Tomaten und Oliven garniert wird, ist eine Spezialität der Region, die sich schon die alten Römer als panis focacius schmecken ließen.

Detaillierte Informationen und alles Wissenswerte über die 300 Kilometer Küste, Dörfer und Städte sowie das teils menschenleere Hinterland von Ligurien finden Sie in der 3. Auflage des Reiseführers Ligurien.

MM Ligurien, 3. Auflage 2013, 432 Seiten.

MM Ligurien, 3. Auflage 2013, 432 Seiten.

 Fotos und Text: © Johannes Endler

Brennen für das Projekt oder Wie entsteht ein Reiseführer?

Wie geht eigentlich Reiseführer? Matthias Kröner hat einen launigen und sehr ehrlichen Blog-Beitrag zu dieser Frage verfasst. Nach dem Überraschungserfolg mit „Lübeck MM-City“ bringt der Autor, der unter anderem fürs Feiertags-Feuilleton des Bayerischen Rundfunks schreibt, im Mai seinen zweiten, subjektiven Reiseführer im Michael Müller Verlag heraus: „Hamburg MM-City“.

Kopfsteinpflaster

Steinig und uneben ist er, der Weg eines Reisebuchautors … (Foto: Berit Koepke)

 

Brennen für das Projekt
„Wir suchen keine Autoren“ lautet Michael Müllers Credo, seit er den Verlag im fränkischen Ebermannstadt vor 34 Jahren aus der Taufe gehoben hat. „Die Autoren müssen zu uns kommen. Nur so wissen wir, dass sie für ihr Projekt auch brennen.“ Was sich ein wenig überspannt anhört, versteht derjenige, der sich die Mühe macht, ein Buch für den vielleicht wichtigsten Individualreiseführerverlag der Republik zu schreiben.
Einen sogenannten „Allrounder“ – also ein Reisehandbuch, das sämtliche reiserelevanten Themen abdeckt – für diesen Verlag zu machen, ist ungefähr so, als müsste man „den Mount Everest mit einem Zahnstocher abtragen“. Dieses Zitat stammt von Thomas Schröder, der den Megabestseller des Verlags geschrieben hat: Mallorca, und zwar ohne Ballermannklischees.
Man ist nicht nur Dienstleister und professioneller Urlauber. Man ist auch akribischer Rechercheur, der einen subjektiven Schreibstil entwickeln soll, um ein Urlaubsziel möglichst authentisch einzufangen. Dass dabei auch kritisiert werden darf, bleibt eines der großen Erfolgsgeheimnisse des Erlanger Bücherhauses.

 

Subjektivität und Unterhaltung
Die Frage der Fragen lautet: Wie beginne ich die Recherche? Die Antwort der Antworten ist nicht so schwer. Man muss sich lediglich etwas Zeit nehmen – und zwar, bevor der Städtetrip losgeht.

Holstentor

Ehrliche Kritik: „Die Ausstellung im Holstentor hat etwas von einem sehr netten Heimatmuseum.“ (Foto: Berit Koepke)

Als Beispiel: In Lübeck existieren vielleicht 400 Restaurants, für das Reisebuch kann ich nur etwa 20 testen. Schon die erste Auswahl ist – subjektiv. Ich probierte mich durch die derzeitigen Szene-Lokale und Klassiker und wählte Lokalitäten aus, die von Einheimischen gerne besucht werden. In Hotels lasse ich mir Zimmer zeigen („Meine Eltern suchen nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Lübeck. Wäre es möglich, dass ich einen Blick in Ihre Zimmer werfe?“). Wer seine Profession verrät, wird schon mal brüsk abgewiesen oder, bei Hotels ab 4 Sternen, an die Pressedame verwiesen, die dann doch wieder nur eine Hochglanzbroschüre weitergibt. Wenigstens bekommt man so einen kostenlosen Kaffee, doch muss zu einem späteren Zeitpunkt wiederkommen, wenn die Rezeption neu besetzt ist. Sonst erhält man keine echten Einblicke. Zudem lohnt es sich, ein Reisebuch auch als Lesebuch zu betrachten, das der Urlauber zum Schmökern zur Hand nimmt (nicht nur, wenn er einen Tipp braucht).
Wer Dinge recherchiert, die in anderen Büchern vernachlässigt wurden, hat häufig das Interesse auf seiner Seite.

 

Neuauflagen oder Wie man mit seinem Werk verwächst
Alle zwei Jahre überarbeiten Reisebuchautoren ihre Bände. D. h. sie kämmen jeden Satz noch einmal auf seine Richtigkeit durch, gehen noch einmal in alle Restaurants und Museen, sind noch einmal von Pontius bis Pilatus unterwegs und schießen noch einmal Fotos, als würden sie ihr Gebiet zum ersten Mal bereisen.

Alle zwei Jahre wird alles erneut getestet: die Kirchen, die Restaurants, die Straßenzüge

Alle zwei Jahre wird alles erneut getestet: die Kirchen, die Restaurants, die Straßenzüge (Foto: Berit Koepke)

Das Schöne daran: Während man mit der ersten Auflage (an der man mindestens neun Monate arbeitet) noch keinen überragenden Gewinn erzielt hat, ändert sich das mit den Folgenummern, für die man dieselben Prozente erhält. Doch auch der Verlag gewinnt: Denn mit jeder Neuauflage verwächst der Autor noch stärker mit seinem Werk. Spätestens mit der 3. Auflage enthalten die Bücher ein (aktuelles) Wissen, dem so schnell kein Mitbewerber etwas entgegensetzen kann.

 

Härtetest Lektorat
Das Lektorat ist der Härtetest für jeden Autor. Während es für den Verlag ein zeitaufwändiger, aber notwendiger Posten ist – vor allem bei Erstauflagen! –, muss man sich als Autor zusammenreißen, um nicht um jeden gekürzten Absatz zu kämpfen.
Dabei gilt: Nicht immer hat der Lektor recht, wenn es um stilistische Dinge geht, die die Eigenständigkeit eines Schreibers ausmachen. Bei orthographischen Geschichten sollte man den Meistern der deutschen Rechtschreibung (die natürlich noch sehr viel mehr sind) allerdings voll und ganz vertrauen.

 

Layout und Fahnen
Im Michael Müller Verlag liefert der Autor die Fotos weitgehend selbst. Dabei wird keine Hochglanzqualität erwartet. Skurrile Shots, die das Ungewöhnliche des Alltags einfangen, sind gern gesehen.

Marienkirche und Schiff

Wussten Sie, dass in der Marienkirche der größte Fälscherskandal der Nachkriegszeit stattfand? (Foto: Berit Koepke)

Bekommt man die gelayouteten Fahnen, muss es schnell gehen. In Windeseile liest man noch einmal das gesamte Typoskript von vorne bis hinten durch, korrigiert die Mängel der automatischen Silbentrennung, bittet darum, einige Fotos zugunsten der eigenen Lieblingsbilder auszutauschen und nimmt minimalste Änderungen allerletzter Art vor.
Im Falle der 2. Auflage von „Lübeck MM-City“ schloss kurz vor Drucklegung das einst so legendäre Casino in Travemünde, in dem bereits Dostojewski und – man höre und staune – der biedere Konrad Adenauer gezockt haben.

 

Der Zeitfaktor und die Zweifel
Geht das Typoskript – endlich – zur Druckerei, beginnt die Zitterei. Sind die Farben in guter Qualität? Funktioniert die Klebebindung? Wurden die Neuerungen allesamt eingearbeitet? Ist auf dem Cover was schief gelaufen?
Fischt man ein Vorabexemplar aus dem Briefkasten, denkt man an die ganzen Recherchen und Reisen, die man für die 200 bis 1.000 Seiten unternommen hat:
Bei „Norwegen“ war Kollege Armin Tima sechs Monate unterwegs (die komplette Niederschrift hatte er noch vor sich), bei „Lübeck“ kam ich mit 70 Halbtagesrecherchen aus (die komplette Niederschrift hatte ich noch vor mir). Man blickt auf die Restaurants und Unterkünfte, für die man sich entschieden hat – und beginnt zu zweifeln:
Stimmen die Öffnungszeiten der Museen noch, die man vor einigen Monaten recherchiert hat? Sind im Kapitel zur Stadtgeschichte die Zahlen richtig? Und hat man auch genügend Tipps für Leute mit schmaler Geldbörse?

Man schreibt für neugierige Reisende zwischen 30 und 70 Jahren, die das eigene Erlebnis schätzen, aber nicht mehr zwingend mit dem Rucksack unterwegs sind.

Reiseführer nicht nur für Backpacker (Foto: Matthias Kröner)

 

Die Zielgruppe
Zuletzt: Im Michael Müller Verlag schreibt man für eine sehr weite Zielgruppe: Man schreibt für neugierige Reisende zwischen 30 und 70 Jahren, die das eigene Erlebnis schätzen und auf eigene Faust unterwegs sind.
Nicht mehr zwingend mit Rucksack, doch noch genauso begierig auf Erkenntnisse, die über den Tellerrand des Klischees hinausgehen.

© Matthias Kröner

MM-City Hamburg

Der Städte-Guide Hamburg erscheint am 6. Mai.

MM-City Lübeck

Der Städte-Guide Lübeck ist in der 2. Auflage von 2013 erhältlich.

Go Ea(s)t!

Die vietnamesische Küche hat Einzug gehalten in Deutschland. Und hat unter Genießern und Kennern fernöstlicher Köstlichkeiten längst einen hohen Stellenwert erreicht, ist sie doch gesünder und bekömmlicher als das hierzulande oftmals angebotene chinesisch-thailändische Fusionfood, welches leider häufig unter Glutamat- und Fettüberschuss leidet. Gerade in deutschen Großstädten schießen seit wenigen Jahren vietnamesische Imbisse und Restaurants wie Pilze aus dem Boden. Wie überall variieren Qualität und Frische, doch hat man erst einmal „seinen“ Favoriten gefunden, wird man leicht zum Dauergast.

Straßenszene in Hanoi, Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam.

Straßenszene in Hanoi, Hauptstadt der Sozialistischen Republik Vietnam.

Hồ Hồ Hồ Chí Minh! "Onkel" Hồ, wie der ehemalige Premierminister und Präsident Vietnams liebevoll genannt wird, genießt noch immer einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung.

Hồ Hồ Hồ Chí Minh! „Onkel“ Hồ, wie der ehemalige Premierminister und Präsident Vietnams liebevoll genannt wird, genießt noch immer einen hohen Stellenwert in der Bevölkerung.

Mit der wachsenden Popularität der südostasiatischen Reisedestination Vietnam (Việt Nam) stieg auch die Nachfrage nach den Speisen des Landes, die für Viele eine Offenbarung und Highlight des Urlaubs waren. Erst in den 1990er Jahren wurde Vietnam als Reiseziel entdeckt – zwar mit Visumpflicht, aber gänzlich ohne Einschränkungen kann man sich als Tourist seit 1997 im ganzen Land bewegen.
Mit kultureller Vielfalt, atemberaubender Landschaft, geschichtsträchtigen Orten, guten Verkehrsverbindungen und freundlichen Menschen hat sich Vietnam auf Platz neun der am meisten besuchten Länder in Fernost geschoben. Zu den beliebtesten Zielen in Vietnam zählt sicherlich die Halong Bucht (Vịnh Hạ Long), ein circa 1.500 m² großes Gebiet im Golf von Tonkin, wo teilweise über 100 Meter hohe Kalksteinfelsen aus dem Wasser ragen. Zwischen den Felsen und Inseln wohnen Menschen in schwimmenden Dörfern.

Halong Bay im Golf von Tonkin.

Die Halong Bay im Golf von Tonkin.

Der Legende nach entstand die Halong Bucht mit ihren zahreichen Felsen und Inseln, nachdem ein riesiger Drache, der nahe an der Küste wohnte, zum Meer gestapft war und mit seinem Schwanz tiefe Furchen in die Landschaft gegraben hatte, welche vom Meer überflutet wurden.

Im mystisch anmutenden Morgennebel könnte man fast an die Entstehungslegende glauben...

Im mystisch anmutenden Morgennebel könnte man fast an die Entstehungslegende glauben…

Eine beliebte (und relativ einfache) Art, das Land zu entdecken ist die Zugfahrt von Hanoi im Norden nach Ho-Chi-Minh-Stadt, dem ehemaligen Sài Gòn im Süden, mit 7,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt Vietnams. An der Strecke liegen viele bedeutsame Ziele, die Dank „Hop-On-Hop-Off“-Option besichtigt werden können: die Küstenstadt Hội An, deren Altstadt UNESCO Weltkulturerbe ist, die Region um die DMZ, der während des Krieges entmilitarisierten Zone und ehemaligen Grenze zwischen Nord- und Südvietnam, sowie die Urlaubsorte Nha Trang und Mũi Né mit ihren palmengesäumten Stränden am südchinesischen Meer.
Wo auch immer der Zug hält, Garküchen und kleine Straßenstände bieten überall traditionelle Speisen an. Den Franzosen als ehemaliger Kolonialmacht kann man zugute halten, Baguette im damaligen Indochina eingeführt zu haben – dieses ist als Bánh mì, dem vietnamesischen Sandwich, belegt mit Schweinefleisch, Karotten und Koriander, ein beliebter Snack für zwischendurch. Die traditionelle Suppe Phở, eine Rinderbrühe mit Rind- oder Hühnerfleisch, Reisnudeln, Zwiebeln, Koriander, Minze und Chilies, wird zu jeder Tageszeit gegessen und oftmals sogar schon zum Frühstück gereicht.
Daumenregel: Befindet sich Phở nicht auf der Speisekarte eines vietnamesischen Restaurants hierzulande, ist es in der Regel auch keines.

Bánh mì - ein klasse Snack für zwischendurch. Merci.

Bánh mì – ein klasse Snack für zwischendurch. Merci.                                                              Foto: Privat

Ein Muss auf der Speisekarte: Phở.

Ein Muss auf jeder vietnamesischen Speisekarte: Phở.                                                              Foto: Privat

Fast egal, was auf den Teller oder in die Schüssel kommt: Nước mắm, die Soße zum Tunken von Frühlings-, Sommer- oder Herbstrollen, als Dressing im Salat, bei Fleischspeisen oder in der Suppe, gehört immer dazu. Basis der süß-salzig-sauer-scharfen Flüssigkeit ist die Fischsauce.
Angesichts des Herstellungsprozesses von Nước mắm allerdings läuft so mancher Langnase ein kalter Schauer über den Rücken. In Tonfässern werden vor allem Anchovis und andere kleine Fische zwischen Schichten von Meersalz gegeben und über Monate in der Sonne stehen gelassen. Die Fermentation, unterstützt von Mikroorganismen, erzeugt so eine braune Flüssigkeit, welche gefiltert und schließlich in Flaschen abgefüllt wird.
Gut, dass sie besser schmeckt als sie riecht. Einer der bedeutensten Herstellungsorte von Fischsauce ist die tropische Insel Phú Quốc vor der Südküste Vietnams.
Ein paradiesischer Ort, solange man keines der Fässer öffnet.

Insel-Idyll auf Phú Quốc. Nur nicht zu nahe an die Fässer kommen.

Insel-Idyll auf Phú Quốc. Nur nicht zu nahe an die Fässer kommen.

Die traditionellen Reisnudelgerichte Bun Nem und Bún Bò Nam Bo, im Schälchen die Fischsauce.

Die traditionellen Reisnudelgerichte Bun Nem (Honigfrikadellen) und Bún Bò Nam Bo (Rindfleischsalat), im Schälchen in der Mitte die Fischsauce. Köstlich.

Märkte bestimmen allerorts das Stadtbild in Vietnam. An zahlreichen Ständen werden Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch feilgeboten, Händler preisen ihre Waren an und werben um Kunden. Für Europäer ist nicht immer klar, was genau da nun verkauft wird – und gerade bei Fleischwaren sollten Vegetarier lieber die Augen schließen, denn hier sieht man noch, wo das Produkt ursprünglich herkommt.

Die Qual der Wahl. Geflügel oder Fisch...

Die Qual der Wahl. Geflügel…

Meeresfrüchte...

Fisch…

Handgemachte Nudeln...

Handgemachte Nudeln…

Oder doch lieber etwas Trockenfleisch?

Oder doch lieber etwas Trockenfleisch?

Vietnam bietet buchstäblich etwas für jeden Geschmack. Pulsierende Metropolen, verschlafene Bergdörfer umgeben von dichtem Regenwald, traumhafte Küsten und hervorragendes Essen.
Bestrebungen des Tourismusministeriums, Vietnam zu einem neuen Thailand zu machen, werden hoffentlich nicht allzu schnell realisiert – ist die Ursprünglichkeit und Freundlichkeit des Landes doch nur ohne große Ressorts, Touristenmassen und Verwestlichung zu erhalten. Wer Abenteuerlust, Zeit und vor allem Offenheit mitbringt, wird hier einen Teil von Asien erleben, von dem noch lange geschwärmt werden kann.
Und falls gerade noch Unschlüssigkeit herrscht, schnell zum Vietnamesen an der Ecke.
Die Phở ist bestimmt schon fertig. Und dann will man ohnehin gleich los.

Beitrag & Fotos (außer anders gekennzeichnet) © Johannes Endler.

Côte Atlantique

Die Atlantikküste der Region Aquitanien im Südwesten Frankreichs könnte unterschiedlicher zur Côte d’Azur am Mittelmeer kaum sein:
Der Atlantik ist hier auch im Hochsommer sehr frisch, meterhohe Wellen rollen Richtung Ufer, der Strand ist weitläufig und auch während der Hochsaison selten als „überfüllt“ zu bezeichnen. Fest installierte Schirmkolonnen gibt es nicht, dafür sind die Gezeiten spürbar, und auch bei strahlendem Sonnenschein im August ist dank steifer Brise am Meer keine drückende Hitze zu befürchten – auf den Sonnenschutz darf deswegen natürlich trotzdem nicht verzichtet werden.

An der Atlantikküste gilt: Schirme bitte selber mitbringen. Und gegen den Wind stellen.

An der Atlantikküste gilt: Schirme bitte selber mitbringen. Und gegen den Wind stellen. Foto: Johannes Endler

Wo am Mittelmeer häufig Hotelburgen den Ausblick verstellen, zieht sich der Küstenstreifen des Atlantiks hier in Form einer scheinbar ewigen Sanddüne entlang, die vor dem Sprung in den Ozean erst überstiegen sein will – denn alle Campingplätze und Unterkünfte in dieser Region befinden sich auf der Landseite, in teilweise dichtem und angenehm schattigen Pinienwald.

Wenige Hotels, dafür umso mehr Campingplätze: Le Porge-Océan, westlich von Bordeaux an der Atlantikküste.

Wenige Hotels, dafür umso mehr Campingplätze: Le Porge-Océan, westlich von Bordeaux an der Atlantikküste.                                                                                                                           Foto: Johannes Endler

Eine Überraschung wartet an der Meeröffnung Bassin d’Arcachon südwestlich von Bordeaux. Hier befindet sich Europas größte Wanderdüne, die Dune du Pilat, welche mit 2,7 Kilometern Länge und bis zu 110 Metern Höhe echtes Wüstenflair aufkommen lässt – allerdings wandern die Sandmassen durch starke Winde immer weiter ins Landesinnere, so dass sie von künstlichen Dämmen in Zaum gehalten werden müssen.
Hat man den höchsten Punkt erreicht, bietet sich ein beeindruckender Blick auf den Atlantik und die Möglichkeit, sein Können im Sandboarden unter Beweis zu stellen.

Dune du Pilat am Bassin d'Arcachon.

Die Dune du Pilat am Bassin d’Arcachon.

Im flachen Wasser des Bassins sind Windsurfer dank der beständigen Brise in ihrem Element, an der Küste tummeln sich die Wellenreiter in der Brandung.
Der Ort Soorts-Hossegor in der Nähe von Biarritz und das kleine Lacanau-Océan weiter nördlich sind sogar – neben Spots in Australien, Bali und Peru – ständig auf den Terminplänen der Surf World Tour vertreten, bei der sich die Besten dieses Sports messen. Die Events finden meist im Herbst statt, wenn die Wellen teilweise haushoch anwachsen.

Wellenreiten an Frankreichs Atlantikküste - auch von Profis geschätzt.

Wellenreiten an Frankreichs Atlantikküste – auch von Profis geschätzt.

Zwischen dem "Waschgang" relaxen - Lacanau-Océan.

Zwischen dem „Waschgang“ relaxen – Lacanau-Océan.

Noch ein Tipp: Wer mit dem Auto von Deutschland an Frankreichs Atlantikküste reist, hat die Möglichkeit, die Strecke zu großen Teilen abseits der mautpflichtigen Autobahn auf kostenfreien, schnurgeraden Routes nationales (Tempolimit 110 km/h) zurückzulegen.
Mit Navigationsgerät oder Blick in die Karte kein Problem, meistens verlaufen die RN auf dieser Strecke sogar parallel zur Autobahn – wer es also eilig hat, kann jederzeit auf die (teure) Überholspur wechseln.

Die Mitfahrer sollten die Zeit nutzen, in der gerade neu aufgelegten 8. Auflage des Reiseführers Südwestfrankreich zu schmökern – hier sind alle praktischen Tipps und Informationen zur Region zwischen den Hügeln der Pyrenäen an der spanischen Grenze bis hoch zur alten Festungsstadt La Rochelle zu finden.
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180 Länder auf 160.000 Quadratmetern

App nach Berlin - der Michael Müller Verlag präsentiert sich auf der weltgrößten Tourismusmesse.

App nach Berlin – der Michael Müller Verlag präsentiert sich auf der weltgrößten Tourismusmesse. Foto: Michael Müller Verlag

Ob Buch- oder Reisemesse: Immer wieder steht man vor dem Problem, dass einen das enorme Angebot fast erschlägt. Deshalb veröffentlichen wir einen kleinen Navigator über das Messegelände, sowohl für Fach- als auch für Privatbesucher. Neben speziellen Angeboten für Familien mit Kindern und einer Jobbörse für touristische Berufe geht es auch um kleine Fluchten, um im trubeligen Messeleben kurz durchzuatmen. Und: Wie kann man eigentlich günstiger Tickets buchen? Weiterlesen

Maskenball in der Lagune

Am 15. Februar verwandelt sich Venedig wieder einmal in Europas (südlichste) Karnevalhochburg. Jahr für Jahr zieht es bis zu 1.5 Millionen Besucher in die Lagunenstadt an der Adria. Eröffnet wird das bunte, närrische Treiben traditionell mit dem Engelsflug von der Spitze des Markusdoms hinab zum Dogenpalast, bei dem der oder die Auserwählte, nicht zwingend im Engelskostüm, von Konfettiregen und tausenden Schaulustigen begrüßt wird.

Der Engel schwebt zur Eröffnung des Karnevals auf den markusplatz herab. Foto: www.carnevale.venezia.it

Der Angelo schwebt zur Eröffnung des Karnevals auf den Markusplatz herab.                   Foto: http://www.carnevale.venezia.it

Höhepunkt des Karnevalstreibens ist unbestritten der internationale Kostümwettbewerb. Aus den 300 speziell angefertigten Kostümen, die es in die Vorentscheidung geschafft haben, wählt dieaus Prominenten und Designern bestehende Jury  80 für die Finalrunde auf dem Markusplatz aus, welche von circa 125.000 Zuschauern dicht gedrängt verfolgt wird.
Wichtigstes Accessoire aller Besucher ist natürlich die Karnevalsmaske. Das Tragen von Masken ist in Venedig bereits seit dem 18. Jahrhundert – und nicht nur während der Karnevalszeit – üblich. Die venezianische Halbmaske, die praktischerweise Essen und Trinken ermöglicht, ohne das Gesicht zu entblößen, war auch in den Wochen um Pfingsten und in der Vorweihnachtszeit häufig in Venedigs Gässchen und rund um die Kanäle zu sehen.

Traditionell: Die venezianischen Halbmasken, die auch Essen und Trinken ermöglichen - einzig die lange Nase könnte beim Karnevalsküßchen hinderlich sein. Foto: http://carnevale.venezia.it

Traditionell: Die venezianischen Halbmasken, die auch Essen und Trinken ermöglichen – einzig die lange Nase könnte beim Karnevalsküßchen hinderlich sein.                               Foto: http://www.carnevale.venezia.it

Beliebt ist auch die Moretta. Eher klein, rund und ursprünglich aus schwarzem Samt wird sie vom Mund auf dem Gesicht gehalten – allerdings eher etwas für Gesprächsmuffel, denn sie birgt einen entscheidenden Nachteil: Unter ihr kann man nicht sprechen.

Eine eher stille Tradition: Unter der moretta ist kein Sprechen möglich. Foto: Azienda di Promozione Turistica (APT)

Eine eher stille Tradition: Unter der Moretta ist kein Sprechen möglich.                            Foto: Azienda di Promozione Turistica (APT)

Wie viele der Venezianer, die ihrer Stadt während der Karnevalszeit den Rücken kehren, sollten auch Touristen ohne Hang zu Fasching, Verkleidung und Maskerade der Stadt während den 10 Tagen Narretei lieber fernbleiben. Horrende Zimmerpreise, überfüllte Piazzas und ständige Beschallung sind nicht jedermanns Sache. Für Karnevalsfans handelt es sich hingegen um einen Pflichttermin und zweifellos ein Erlebnis: Die Festtage sind gefüllt mit Maskenbällen, Umzügen und künstlerischen Darbietungen, und lassen das Faschingsherz jedes Jecken höher schlagen.
Oder man hält es pragmatisch mit Goethe, der höchstpersönlich dem venezianischen Karneval während seiner Italienreise beigewohnt hat: „Ohne Fastnachtstanz und Mummenspiel ist im Februar auch nicht viel“.
Unentschlossene finden vielleicht hier gute Gründe, die für oder gegen einen Besuch sprechen:

Dass Venedig neben Karnevalstreiben und Gondelfahrten auf dem Canal Grande noch vieles mehr zu bieten hat, versteht sich von selbst. In der gerade erschienenen 7. Auflage des MM-City Führers „Venedig“ aus dem Michael Müller Verlag, der jetzt sogar mit Gratis-App zu haben ist, wird garantiert kein Detail zwischen Lagune und San Marco ausgespart.
Buch und/oder App finden sicherlich in jeder Tasche Platz, denn:
So viel Handgepäck muss sein.

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