Auf den Spuren des Klimawandels in Sommerhausen

Auberginenfarben, zitronengelb, lindengrün leuchten die Blätter der Rebstöcke an den Hängen des Mains. Als ich von Randersacker über Eibelstadt nach Sommerhausen fahre, verdient sich gerade der goldene Herbst seinen Namen. Die Weinberge im Maindreieck leuchten.

Unser Autor Dr. Hans-Peter Siebenhaar hat sich auf die Spuren des fränkischen Weins begeben. Was ihm dabei aufgefallen ist? Der Wein in Mainfranken verändert sich durch gestiegene Temperaturen und größere Trockenheit. Ist der Wein aus Mainfranken in Gefahr?

Mal wieder liegt ein heißer, trockener Sommer hinter uns. Die Lese ist mit Ausnahme der edelsüßen Weine jetzt abgeschlossen. Es kehrt wieder Ruhe in den Dörfern ein. Das malerische Winzerdorf Sommerhausen – mein Ziel an diesem Herbsttag – ist keine Ausnahme. In den Hängen schnurren zwar noch zwei Traktoren auf den breiten Flurbereinigungstrassen, aber ansonsten herrscht ungewöhnliche Ruhe, wenn man vom Grundrauschen des Talverkehrs von und nach Würzburg absieht.

Doch die malerische Idylle drückt. Die Pandemie hat auch Mainfranken eine beunruhigende Stille beschert. Als ich durch Sommerhausen schlendere, gehört die Hauptstraße den Einheimischen. Dabei ist eigentlich im Herbst Hochsaison. Doch die steigende Zahl von Infizierten verschreckt selbst treue Weinliebhaber, wie ich lerne. Auch ich Schloss Sommerhausen, dem renommiertesten Weingut des traditionsreichen Ortes, herrscht gähnende Leere. Das sind keine einfachen Zeiten für den Wein in Mainfranken. Selbst die besten Weingüter der Region zwischen Aschaffenburg über Würzburg bis Bamberg leiden unter dem Einbruch der Nachfrage in der Gastronomie und bei Endkunden. Das Weingut Schloss Sommerhausen macht keine Ausnahme, wie mir die Weinverkäuferin auf Nachfrage bestätigt.

Doch es ist nicht nur der Virus Covid-19, der den Winzern zusetzt, sondern insbesondere der Klimawandel. Die Pandemie wird zweifellos ein Ende haben, auch wenn noch niemand weiß, wann genau das sein wird. Der Klimawandel hingegen kennt kein Ende. Zwar hat die Europäische Union ihr Ziel, die Treibhausgase von bislang 40 Prozent auf 55 Prozent bis zum Jahr 2030 erhöht, doch das hilft den Weinmachern in Mainfranken vermutlich erst mittelfristig. Denn die gestiegenen Temperaturen und die größere Trockenheit verändern den Wein entlang des Mains. Der Alkoholgehalt von Silvaner, Müller-Thurgau und Riesling steigt zwangsläufig. Zwar ist der Alkohol bekanntlich ein Geschmackträger, doch wird der Alkoholgehalt zu groß, droht er die elegante Mineralität und das spannungsreiche Säurespiel zu vernichten.  Statt schlanke, elegante Weißweine nur noch rustikale Alkoholbomben?

Wer sich dem fränkischen Wein im Jahr 2020 auseinandersetzt, begibt sich unfreiwillig auf die Spuren des Klimawandels. Als ich nach einem Weißwein unter zwölf Prozent frage, kann mir die Weinverkäuferin trotz des opulenten Weinangebot von Schloss Sommerhausen nur drei, dafür preiswerte Weißweine anbieten: Den simplen Silvaner, eine Cuvée aus Silvaner und Riesling sowie einen Muskatteller. Ich entscheide mich für die Cuvée mit 11,5 Prozent. Eine gute Entscheidung. Denn wie ich am Abend feststelle, passt die schlanke Silvaner-Riesling-Kombi hervorragend zu einem fränkischen Karpfen. Ein Genuss.

Schloss Sommerhausen ist mit einer Rebfläche von 25 Hektar eines der größeren Weingüter in Mainfranken. Die Familien Steinmann betreibt in der 15. Generation (!) Weinbau. Noch kommt das traditionsreiche Weingut nach eigenen Angaben ohne künstliche Bewässerung aus. Insbesondere alte Rebstöcke, die besonders tief wurzeln, können die heißen Sommer traditionell besonders gut überstehen. Doch wie lange kann das noch in Mainfranken funktionieren? Die Wachau, Österreichs berühmteste Weinregion entlang der Donau vor den Toren Wiens, ist ein mahnendes Beispiel. Dort gehört die künstliche Bewässerung angesichts der extremen Sommer und des geringen Niederschlags quasi zur Standardausrüstung. Das Ergebnis des Klimawandels dort sind viele Veltliner-Alkoholbomben für teuer Geld.

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