Im Thüringer Urwald den „Indian Summer“ erleben und fünf Ausflüge für ein unvergessliches Wochenende

Das „grüne Herz Deutschlands“ wird Thüringen genannt. Hier gibt unsere Autorin fünf Wandertipps für den Hainich, die Thüringer Rhön und das mittlere Saaletal. Damit kann das Wochenende beginnen!

Regelmäßig ist unsere Autorin Heidi Schmitt im „grünen Herz Deutschlands“ unterwegs.

Sie weiß, wo die schönsten Wanderwege von Thüringen verlaufen, wie man sich auf die Spuren der Kelten begibt und welche Attraktionen Familien auf keinen Fall versäumen sollten.

Urwald mit Aussicht: der Hainich in Thüringen

Unterwegs im Urwald: Der Hainich im Nordwesten Thüringens bildet mit seinen 16.000 Hektar Fläche das größte Laubwaldgebiet Deutschlands. Als Nationalpark sind 7.500 Hektar ausgewiesen und das bedeutet: Hier darf der Wald ohne Eingriff von Menschenhand  seinen natürlichen Lebenszyklen folgen. Vor allem Rotbuchen wachsen in diesem beeindruckenden und von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Urwald. Im Herbst können Wanderer unter dem gelb-orange gefärbten Blätterdach eine wahren „Indian Summer“ erleben. Eine der schönsten und leicht zu gehenden Wandertouren startet in der Nationalparkgemeinde Kammerforst und führt auf einem insgesamt 12 km langen Rundweg zur über 800 Jahre alten Betteleiche. In einer Höhlung des alten Baumstamms legten einst die Bewohner der Umgebung Lebensmittel für die in einer Klause lebenden Bettelmönche ab. Heute passt ein ausgewachsener Mensch in das Baumloch hinein (Die ausführliche Wanderung findet ihr im Reiseführer Thüringen).

Unsere Reiseführer-Autorin vor der Betteleiche im Hainich

Auf über 20 Wanderwegen mit insgesamt über 120 km lässt sich der Hainich ganz entschleunigt erleben. Für ein ganz besonderes Hainich-Erlebnis verlassen Groß und Klein den artenreichen Waldboden, um dem Wald besonders nahe zu kommen. Ein 540 Meter langer barrierefreier Holzpfad auf Stelzen führt hinauf in die Baumkronen, so kann man buchstäblich „dem Urwald aufs Dach steigen“. Vom 44 Meter hohen Aussichtsturm des Baumkronenpfads hat man einen wunderschönen Panoramablick über den Hainich und das Thüringer Becken bis hinüber zum Harz. In der Wurzelhöhle werden die Prozesse, die sich im Waldboden abspielen,  interessant und spielerisch erklärt. (April-Okt. 10-19, Nov.-März 10-16 Uhr).

Auf dem Baumkronenpfad im Hainich

Eine neue Attraktion für die Kleinsten ist gerade nahe des Besucherzentrums Thiemsburg eröffnet worden: der Abenteuerspielplatz „Fagati“. In Anlehnung an die Fabelgestalt des Fagati können Kinder hier klettern, toben und spielen. Dabei soll ihr Interesse an der ursprünglichen Natur des Nationalparks Hainich geweckt werden (Eintritt frei, geöffnet April-Oktober 10-19 Uhr). Als Abstecher für die ganze Familie eignet sich ein Besuch im Wildkatzendorf Hütscheroda. Die geschützte Wildkatze ist im Hainich wieder heimisch, aber sie ist scheu und nachtaktiv, weshalb man sie in der Natur selten zu Gesicht bekommt. Wie die kräftigen, graubraun melierten Pelzträger jagen, das kann man im Freigehege des Wildkatzendorfes bei Schaufütterungen beobachten. (April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-16 Uhr).

Im Wildkatzendorf Hütscheroda lassen sich scheue Wildkatzen beobachten

Auf den Spuren der Kelten findet man im Grabfeld und in der Thüringer Rhön interessante und abwechslungsreiche Wanderwege. Das größte Bodendenkmal Thüringens ist die Steinsburg bei Römhild. Die Kelten legten diese 68 Hektar große Befestigungsanlage schon im 5. Jahrhundert v. Chr. in den so genannten Gleichbergen an. Ein archäologischer Wanderweg (10 km) führt zu Resten der drei Mauerringe und passiert Grabhügel und Wohnplateaus. Der Weg beginnt am Steinsburgmuseum (an der Straße nach Hildburghausen), das die Kultur der Kelten mit exquisiten Funden präsentiert. Wie eine keltische Siedlung ausgesehen hat, das lässt sich im nachgebauten Keltendorf Sünna erleben. Von hier aus führt der „Keltenpfad“ (16 km) zu archäologischen Fundstellen am Öchsenberg und am Dietrichsberg. Im Kelten-Hotel kann man (nach Anmeldung) mit Pfeil und Bogen schießen wie die Kelten und danach keltische Speisen genießen.

Im Keltendorf Sünna

In der Weinlesezeit zieht es Weinliebhaber natürlich an die Saale. Ein rundum genussreicher (verlängerter) Wochenendtrip führt nach Jena. Bevor man allabendlich in der regionalen Gastronomie oder in den Weingütern vor Ort ausgesuchte Saaleweine probiert, dürfen tagsüber die Muskeln arbeiten. Auf der„Saale-Horizontale (72 km) lernen die Wanderer die Muschelkalkhänge zwischen Jena und Dornburg mit ihrer Natur und Kultur kennen. Herbstlich gefärbter Buchenwald, duftende Kieferhaine, schroffe Abbruchkanten, malerische Ruinen, Streuobstwiesen, Orchideen und die gemächlich dahinfließende Saale – unterwegs bieten sich abwechslungsreiche Eindrücke. Die Gesamtstrecke lässt sich in vier Tagesetappen gliedern, Start- und Zielpunkte sind mit Bussen erreichbar. Insgesamt sind über 3.400 Höhenmeter zu bewältigen, aber die herrlichen Ausblicke über das mittlere Saaletal sind der Mühen wert. Kulturelles Highlight sind die Dornburger Schlösser, die schon Goethe besang und an deren Schlossberg ein guter Wein reift. Auch mehrere Kurztouren (um die 2 km) wie zum Beispiel zum Fuchsturm, zur Lobdeburg oder zur „Studentenrutsche“ sind möglich. Wenn das Wetter mal nicht passt: In Jena sorgen zahlreiche Sehenswürdigkeiten vom Zeiss-Planetarium bis zum Schott-Glasmuseum für anregenden Zeitvertreib (mehr Infos dazu gibt es im Thüringen Reiseführer).

Die Dornburger Schlösser wurden schon von Goethe besungen

Corona-Hinweis: Für die beschriebenen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten gelten wegen der Corona-Pandemie die üblichen Hygiene-Konzepte (Abstand halten, wo es eng wird Maske auf, Hand-Hygiene etc.). In Thüringen gilt Maskenpflicht im ÖPNV sowie im Einzelhandel. Bitte informieren Sie sich auf den im Buch genannten Webseiten oder in den Touristenbüros über möglicherweise abweichende Öffnungszeiten.

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