Direkt um’s Eck

München ist eigentlich unfair. Es beansprucht die meisten Sonnenstunden unter den deutschen Millionenstädten für sich – 1681 pro Jahr – , der Wirtschaftsstandort brummt, der Fußball – zumindest in den letzten Jahren – wie von einem anderen Stern, und dann natürlich obendrauf noch die geographische Lage.
Fünf Stunden zum Mittelmeer, eine bis ins Tiroler Skigebiet, und die Anfahrt in die Bayerischen Alpen kann in der Zeiteinheit Minuten angegeben werden, ohne dabei fahren zu müssen wie ein Löw. München hat also ordentlich „Holz vor der Hütt’n“, wenn es um Ausflugsziele geht.

Blick ins Wettersteingebirge

Blick ins Wettersteingebirge mit Zugspitze von der Partenkirchener Dreitorspitze.

An den zahlreichen Föhntagen könnte man meinen, sie anfassen zu können, so nah und klar zeichnen sie sich ab: Die Benediktenwand, der Wendelstein in den Schlierseer Alpen, der Herzogstand, und im Hintergrund die höheren Gipfel der Ammergauer Alpen.
Und ab und an muss trotz – oder gerade wegen – der zahlreichen Grünanlagen, Biergärten, Trachtenfeste und Maß einfach mal durchgeschnauft werden.
Das funktioniert natürlich am besten in der frischen Bergluft, und von der gibt’s auf den Münchner Hausbergen reichlich. Natürlich, München hat derer mehrere, also wieder einmal unfair. Rio gibt sich mit dem Zuckerhut zufrieden, Los Angeles hat den Mount Lee in Hollywood, und Kapstadt begnügt sich mit dem Tafelberg.
München hingegen wartet mit einer ganzen Bergkette zwischen Zugspitze und Wendelstein auf, und als Puffer zwischen Stadt und Berg sind noch Ammersee, Starnberger See und Staffelsee als Ausflugsziele und sommerliche Naherholungsgebiete aufgereiht.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee und Walchensee.

Panorama vom Herzogstand mit Kochelsee (l.) und Walchensee.

Freilich, die Münchner Haus- und Ausflugsberge strotzen nicht gerade vor alpinistischer Herausforderung. Das müssen sie aber auch gar nicht, denn genau durch diese Eigenschaft ermöglichen sie dem Metropoliten von der Isar, im wahrsten Sinne, den Horizont zu erweitern und Eisbach gegen Eibsee und den Olympiaberg gegen die Rotwand einzutauschen. Diesen mit überschaubaren 1884m höchsten Berg im bayerischen Teil des Mangfallgebirges erreicht man entweder vom malerischen Spitzingsee aus oder steigt von Geitau über den Soinsee auf den Gipfel.
Im Sommer und bei schöner Witterung kann es hier aufgrund der hohen Beliebtheit großen Andrang geben, doch abseits der Hauptwege kehrt recht schnell alpine Ruhe ein. Eine Umrundung der Rotwand ist mit etwas über neun Kilometern und knapp vier Stunden Wegstrecke auch für Kinder und Hobby-Kraxler geeignet. Unterhalb des Gipfels liegt auf 1737m das Rotwandhaus, die willkommene Einkehrmöglichkeit auf dieser Tour.
Hier wurde übrigens der „Problembär“ JJ1, besser bekannt als Bruno, 2006 gesichtet und erlegt. Zu wild soll’s dann eben auch nicht sein…

Im Juni erscheint die Neuauflage des Wanderführers Münchner Ausflugsberge inklusive GPS-Tracks. Ebenfalls erhältlich ist die Wanderführer App für Android, iOS und Windows Phone.

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014

Münchner Ausflugsberge MM-Wandern, Neuauflage Juni 2014.

Advertisements

Die Freiheit hängt an der Toilette – Freedom Camping in Neuseeland

In zehn Sekunden wird das Schloss entriegelt, sagt eine Stimme aus dem Off. Bestärkend blinkt am Ausgang eine rote Leuchte. Klick! Zeit abgelaufen. Durch die Tür zwängt sich eine kräftige Meeresbrise und mit ihr die Kühle des Morgens. So freundlich und einladend sie ihn aufgenommen, ihm Privatsphäre versprochen hat, so geduldig sie ihm Schutz und blanke Armaturen bot und fließendes Wasser, so bestimmt entlässt die hochmoderne Toilette ihren Gast. Erstaunt über den plötzlichen Rauswurf, aber erfrischt und erleichtert.
Draußen erwärmt die Sonne den Asphalt und die Karosserien der Campervans, die den Parkplatz mit Blick auf Wellington am Abend zuvor besetzt haben. Über kurz oder lang treiben die steigenden Temperaturen jeden der Camper aus den mit Kondenswasser beschlagenen Fahrzeugen in die sauber gefliesten Wände der öffentlichen Toilette. Sie ist der Grund für die vielen Übernachtungsgäste auf dem grauen Feld des Parkplatzes Korokoro Gateway . Sie macht den Aufenthalt über Nacht legal.

Blick vom Parkplatz Korokoro Gateway auf Lower Hutt bei Wellington. (Foto: Lisa Kügel)

Blick vom Parkplatz Korokoro Gateway auf Lower Hutt bei Wellington. (Foto: Lisa Kügel)

Noch vor einigen Jahren gab es zum wilden Campen, im Kiwi-Englisch vielversprechend „Freedom Camping“, keine offiziellen Einschränkungen. Wer Rücksicht auf die örtliche Bevölkerung und die Natur nahm, brauchte sich über Nacht nur ein schönes, ebenes Plätzchen suchen. Vermehrt zurückgelassener Müll und andere menschliche Hinterlassenschaften führten im August 2011 jedoch zum Erlass des Freedom Camping Act. Das Gesetz erlaubt Freedom Camping zwar, lässt aber den lokalen Behörden freie Hand, eigene Regelungen zu treffen und Bußgelder von bis zu 200 NZ-Dollar zu verhängen. Gerade touristisch beliebte Regionen machen seither Gebrauch von diesem Recht. „No-Camping“-Schilder vermehren sich, die unterschiedlichen Vorgaben sorgen für Verwirrung.
Ist es vorbei mit der Freiheit? Nun, in touristischen Zentren wie Rotorua oder dem Abel-Tasman-Nationalpark wird kein Freedom-Camper einen legalen Stellplatz finden. Abseits der großen Besucherströme gibt es ihn aber noch, den einsamen Platz direkt am Strand oder inmitten der Bergkulisse der Southern Alps – Schafsblöken inklusive. Die Freiheit hängt an der Toilette. Denn wer nicht gerade im Wohnmobil mit eigenem Klo und Wasserversorgung unterwegs ist, befindet sich in der Nähe einer öffentlichen Sanitäreinrichtung eigentlich immer auf der sicheren Seite. Welch eine Überraschung, festzustellen, dass im dünn besiedelten Neuseeland zu jedem noch so abgelegenen „Scenic Reserve“ eine Toilette gehört.

Dämmerung an der Küste südlich von Kaikoura auf der Südinsel. (Foto: S. Hoffmann)

Dämmerung an der Küste südlich von Kaikoura auf der Südinsel. (Foto: S. Hoffmann)

Kostenloser Campingplatz bei Twizel auf der Südinsel. (Foto: S. Hoffmann)

Kostenloser Campingplatz bei Twizel auf der Südinsel. (Foto: S. Hoffmann)

Während dem Europäer jetzt Bilder von verdreckten Raststätten-Toiletten durch den Kopf gehen, ist der Kiwi längst im Klohäuschen verschwunden. Er weiß, drinnen wartet eine saubere Schüssel und eine Rolle Toilettenpapier. Ganz egal, ob er das spacige High-Tech-Örtchen samt musikalischer Untermalung und Sprachanweisung in Picton oder die Holzhütte mit Plumpsklo und fließendem Gewässer vor der Tür aufsucht. Böse Überraschungen sind äußerst selten, auch weil man das Klo ganz selbstverständlich ebenso hinterlässt, wie man es vorgefunden hat.
Wer den Enthusiasmus bezüglich dieses Themas noch nicht verstehen kann, der sei auf den österreichischen Künstler Friedensreich Hundertwasser verwiesen. Der machte ab den 70er-Jahren Neuseeland zu seiner Winterflucht, so sehr hatte ihn die Schönheit des Landes beeindruckt. Und nicht nur diese… Das erste von Hundertwasser errichtete Gebäude auf der südlichen Erdhalbkugel ist heute die touristische Hauptattraktion des kleinen Ortes Kawakawa auf der Nordinsel und laut einer überlieferten Aussage des Künstlers, ein wundervoller Ort zum Meditieren. Der Leser ahnt es schon – Hundertwasser vermachte dem Ort eine öffentliche Toilette.

Die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa, von der Straße aus gesehen. (Foto: Reinhard Dietrich, via Wikimedia Commons)

Die Hundertwasser-Toilette in Kawakawa, von der Straße aus gesehen. (Foto: Reinhard Dietrich, via Wikimedia Commons)

Text: © Lisa Kügel
________________________________

Neu­see­land, das sind Ne­bel­wäl­der, tä­ti­ge Vul­ka­ne, Gey­si­re und bro­deln­de Schlamm­lö­cher, ewig lange, un­ver­bau­te Strän­de und fast 4.000 Meter hohe Ge­bir­ge. Ihr niederländischer Entdecker nannte die Inseln zunächst Statenland, Kartographen prägten später den Namen Nieuw-Zeeland, aus dem sich das heutige New Zealand bzw. Neuseeland entwickelte. Die Maori nennen ihr Land Aoteoroa: „Land der großen weißen Wolke“. Unser Reiseführer Neuseeland ist 2012 in 3. Auflage erschienen.

Neuseeland, 3. Auflage 2012, 26,90 EUR, 840 Seiten.

Neuseeland, 3. Auflage 2012, 26,90 EUR, 840 Seiten.

 

Die Beatles in Hamburg

Ex-Trapezkünstler und Stripclubbesitzer Bruno Koschmider hatte die Jungs 1960 aus England  angeworben – eine vollkommen unbekannte Band, die sich The Beatles nannte –, um im Indra (Große Freiheit 64) eine Oben-ohne-Performance musikalisch zu unterstützen. Sie waren nur vierte Wahl gewesen, drei andere Liverpooler Bands hatten abgewinkt. Nach ihren anstrengenden Auftritten – der erste war am 17. August 1960 über die Bühne gegangen – „logierten“ John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Pete Best in der Paul-Roosen-Straße 33. Auf einem dort angebrachten Schild halten sie eine Preludin-Packung in die Kamera: ein Schlankheitsmittel, das ihnen Energie verlieh, um den Auftrittsmarathon durchzuhalten. Wochentags mussten sie viereinhalb Stunden auf die Bühne, samstags sechs. Dafür gab es eine Pro-Kopf-Gage von 30 Mark.

Die Jungrocker "logierten" oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Die Jungrocker „logierten“ oberhalb des einstigen Bambi-Kinos in der Paul-Roosen-Straße 33. (© Mirja Schellbach)

Der berühmt-berüchtigte Kaiserkeller (Große Freiheit 36) war ab dem 4. Oktober desselben Jahres ihre zweite Station: Bis zu 700 Gäste – hauptsächlich Seemänner und Nutten – wollten bespaßt werden. Sie wechselten sich mit Rory Storm & the Hurricanes ab und trafen zum ersten Mal auf einen gewissen Mr. Richard Starkey. Als Ringo Starr sollte er zwei Jahre später als Schlagzeuger für Pete Best einsteigen – genau dann, als die Weltkarriere der Beatles ihren Anfang nahm.

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Gedenktafel zur Erinnerung an das Auftreten der Beatles im Kaiserkeller. (Foto von Lipinski, verwendet unter der folgenden Lizenz: CC-BY-SA-3.0, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Am 30. November 1960 hatten sie ihren letzten Auftritt, bevor sie zurück nach Großbritannien mussten: Nachdem Koschmider spitz bekommen hatte, dass die Band in den Top Ten Club wechseln wollte, soll er George Harrison bei der Stadt angeschwärzt haben; der Mann an der Leadgitarre war erst 17 und damit zu jung, um in einem Nachtclub aufzutreten. Aus Frust kokelte Paul ein Kondom in ihrer Unterkunft an, was ihm und Pete Best eine Nacht im Gefängnis des lokalen Polizeireviers einbrachte, der Davidwache.

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon "einquartiert" - auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache. (© Matthias Kröner)

Nicht nur Gelegenheitsgangster und richtig böse Jungs waren hier schon „einquartiert“ – auch Paul McCartney und Pete Best verbrachten eine Nacht auf der Davidwache.             (© Matthias Kröner)

Am 1. April 1961 begann die Top-Ten- und am 13. April 1962 die berühmt-berüchtigte Star-Club-Zeit, die den endgültigen Durchbruch für die Fab Four bringen sollte; der Bassist Stuart Sutcliffe war zu diesem Zeitpunkt bereits ausgestiegen und am 10. April 1962 an einer Hirnblutung in einem Hamburger Krankenwagen gestorben … Im „bekanntesten Rock’n’Roll Club Deutschlands aller Zeiten“ (Süddeutsche) hatten sie insgesamt 79 Auftritte – bis Silvester 1962. Es wird kolportiert, dass die Band auch in Unterhosen und mit einer Klobrille um den Hals auftrat und die Verstärkeranlage demolierte, selbstverständlich alles in betrunkenem Zustand, wie es sich für echte Nachwuchstalente gehört. Paul McCartney wird später sagen, dass seine schönsten Erinnerungen mit dem Star-Club verbunden sind. John Lennon erklärte später, dass er erst in Hamburg erwachsen geworden sei. Ein Vierteljahr nachdem der von den Behörden gehasste Beatschuppen dicht gemacht hatte (die Gagen zahlreicher Stars waren ins Unermessliche gestiegen), trennten sich auch die Beatles, am 10. April 1970. Bis heute sollen sie über 1 Mrd. Tonträger verkauft haben. Ob das alles auch ohne die Hamburger Auftritte möglich gewesen wäre?!

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Das Denkmal für die Fab Four am Beatles-Platz vor der Großen Freiheit. (© Matthias Kröner)

Dieses Stück Musikgeschichte hat es völlig zu Recht in einen der berühmten „gelben Kästen“ des Michael Müller Verlags im neuen MM-City Hamburg von Matthias Kröner geschafft. Er hat nicht nur viele weitere interessante Anekdoten aus Hamburgs Vergangenheit und Gegenwart zusammengetragen, vor allem führt er seine Leser in sieben Spaziergängen durch die Elbmetropole und steu­ert dabei neben Top-Sehenswürdig­kei­ten wie Hafen oder Spei­cher­stadt auch Lo­ca­ti­ons an, die nicht auf den ers­ten Blick zum Tou­ris­ten­mek­ka tau­gen.

MM-City Hamburg

Die erste Auflage des MM-City Hamburg ist vor kurzem erschienen.

© Matthias Kröner

Lisboa – Schönheit am Tejo

Der Miradouro de Santa Luzia eröffnet ein spektakuläres Panorama über das "alte" Lissabon.

Der Miradouro de Santa Luzia eröffnet ein spektakuläres Panorama über das „alte“ Lissabon.

Wer Lissabon entdecken will, sollte gut zu Fuß sein. Nicht, weil die Hauptstadt Portugals sonderlich weitläufig wäre, vielmehr erstreckt sie sich über zwei Hügel, die in der Stadtmitte durch ein Tal getrennt sind. In der Senke befindet sich die Baixa, das Geschäfts- und Bankenviertel Lissabons, und der Chiado, wo Designergeschäfte und die „üblichen Verdächtigen“ zum Großstadt-Shopping locken.
Die östliche Erhebung beherbergt das wohl schönste Altstadtviertel, die Alfama, welche mit der Burg Castelo de São Jorge, der Kathedrale und dem Aussichtsplatz Miradouro de Santa Luzia der romantischen Vorstellung einer südeuropäischen Metropole sicherlich am nächsten kommt. Die engen Gassen mit den zweistöckigen Häuschen, den bunten Blumenkästen auf kleinen Balkonen und der Lage mitten im historischen Stadtkern lassen den Besucher leicht vergessen, dass sich in Lissabons historischen Stadtteilen fast jedes zweite Gebäude in einem sehr schlechten Zustand befindet – die dramatische Verschuldung der Stadt am Tejo, die sich über viele Jahre mit zahlreichen Großprojekten übernommen hat, lässt da wohl auch kaum eine Möglichkeit für eine flächendeckende, nachhaltige Restauration.

Hübsch anzusehen, doch die Fassade bröckelt vielerorts. Die Häuser im historischen Stadtviertel Lissabons, der Alfama.

Hübsch anzusehen, doch die Fassade bröckelt vielerorts. Über den Dächern der Alfama, dem historischen Stadtviertel Lissabons.

Krieg & Frieden. Auch die NATO genießt  den schönen Ausblick auf die Ingreja de São Miguel.

Krieg & Frieden. Auch die Marine genießt den schönen Ausblick auf die Ingreja de São Miguel.

Das Bairro Alto, die Oberstadt, befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite und ist das Zentrum der Kneipenszene und des Lissabonner Nachtlebens. Doch auch tagsüber ist ein Rundgang durch die engen, steilen Sträßchen, durch die sich die gelben Straßenbahnen quetschen, äußerst empfehlenswert. Nicht der Mainstream, sondern das Alternative gibt hier den Ton an. Und doch kann gerade der Mainstream hilfreich sein, äußerst günstig in diesen Teil der Stadt zu gelangen. Zwar bietet sich vom Chiado aus die Möglichkeit, mit dem Elevador de Santa Justa den Höhenunterschied zu meistern, doch ist diese Option mit saftigen 5 EUR nicht gerade preiswert. Alternativ kann man die Oberstadt mit dem Fahrstuhl eines bekannten Modehauses mit den zwei Buchstaben „für umsonst“ erreichen.
Mit dem botanischen Garten, einer wahrhaft grünen Oase mitten in der Großstadt, zahlreichen Plätzen und Cafés sowie hier beheimateten Fakultäten der Universität hat sich eine ziemlich entspannte Atmosphäre entwickelt, und schnell verweilt man länger als geplant. Durch zahlreiche Street-Art- und Graffiti-Malereien an den Wänden wird das Flair des Szenebezirks, den das Bairro Alto vor allem bei Nacht versprüht, noch authentischer.

Ob der Platz wohl reicht? Straßenbahnen im Bairro Alto.

Ob der Platz wohl reicht? Straßenbahnen im Bairro Alto.

Street-Art im Bairro Alto, Lissabons alternativem Viertel.

Street-Art im Bairro Alto, Lissabons alternativem Viertel.

Sowohl in der Alfama als auch im Bairro Alto bietet sich die Möglichkeit, in einem Fado-Lokal den Abend ausklingen zu lassen. Fado bedeutet wörtlich „Schicksal“ und ist der volkstümliche Musikstil der Lissabonner. Im Fado, der voller Wehmut von mindestens zwei Gitarren begleitet vorgetragen wird, wird die melancholische Grundstimmung der Portugiesen, die sogenannte Saudade, transportiert. Während des Fado herrscht absolute Stille, danach ist Beifall aber durchaus willkommen.
Die wohl populärste Fado-Sängerin aller Zeiten ist die 1999 verstorbene Amália Rodrigues.

Mit 15 Touren in und um die hügelige Stadt am Tejo, die den Besucher so gar nicht wehmütig zu machen vermag, bietet der MM-City Lissabon – inklusive Gratis-App – umfassende Informationen und Tipps, so dass die Saudade garantiert erst beim Abschied Einzug hält!
Auch die 21., komplett überarbeitete und aktualisierte Auflage des MM-Reiseführers Portugal widmet Lissabon selbstverständlich ein eigenes Kapitel.

 Text & Fotos © Johannes Endler.

Portugal, 816 Seiten, 21. Auflage 2014, farbig, 26,90 EUR.

Portugal, 21. Auflage 2014, 816 Seiten, 26,90 EUR.

Lissabon, 7. Auflage 2014, 17,90 EUR (D), 288 Seiten.

Lissabon, 7. Auflage 2014, 288 Seiten, 17,90 EUR.

 

 

 

 

 

 

 

 

Algarve – Tudo bem!

Wer an die Algarve, in die südlichste der sieben Regionen Portugals reist, kommt mit 99-prozentiger Sicherheit in Faro, der Hauptstadt der Ostalgarve an. Das „Ende“ Europas ist als Urlaubsregion längst kein Geheimtipp mehr. Erblickt man die Hotelburgen in Albufeira, Lagos oder Olhos de Água, ergreift der oder die Individualreisende schnell die Flucht…und wird belohnt!
Mit dem Mietwagen geht es auf der (mautfreien!) Nationalstraße 125 Richtung Westen, der erste Stopp heißt Ferragudo, ein beschauliches Dörfchen, dessen weiße Häuser am Hügel über dem Meer festzukleben scheinen. Ein malerisches Kastell wacht über die Bucht, wo das Meer auf den Rio Arade trifft. Nur einen Kilometer vom Dorfkern entfernt, auf der anderen Seite des Hügels, befindet sich der Praia Grande, eine ruhige Badebucht. Keine Wolke trübt den blauen Himmel, die Sonne strahlt und das Wasser glitzert einladend – doch der Atlantik kennt im April noch keine Gnade mit Schwimmern, und so erlauben die sehr frischen Wassertemperaturen nur ein kurzes Planschen, welches aufgrund der beißenden Kälte weithin hörbar durch lautes Prusten und Schnauben begleitet wird.
Wenn abends die Essensuche beginnt, kommt es auf den richtigen Riecher an: Immer der Nase nach, bis ein Restaurant mit großem, schwelenden Holzkohlegrill gefunden ist, auf dem der Fang des Tages zubereitet wird. Und mit Meerblick schmeckt die Dorade mit Salzkartoffeln und Salat sowieso am besten.

Abendstimmung im Hafen von Ferragudo. Grillen ist Chefsache.

Abendstimmung am Hafen von Ferragudo. Grillen ist Chefsache.

 

Abendstimmung in Ferragudo.

Der Charme des Fischerdörfchens konnte weitestgehend erhalten werden.

In Sagres, seines Zeichens Hochburg der europäischen Surfcommunity, bläst immer ein heftiger Wind über die Plateaus, die sich aus dem Meer erheben. Zwei Landausläufer wagen sich besonders weit in den tosenden Atlantik hinaus: Auf dem einen befindet sich die Fortaleza de Sagres, eine Wehrburg aus dem 15. Jahrhundert, deren Umgebung aufgrund der mannigfaltigen Tier- und Pflanzenwelt unter Naturschutz steht; auf dem anderen das Cabo de São Vicente, das Ende der „Alten Welt“. An den bis zu 60 Meter hohen Klippen sitzen hier die einheimischen Angler, die geduldig darauf warten, den Fang des Tages aus den tosenden Fluten zu fischen.

Die einzigartige Flora am Ende Europas steht unter Naturschutz.

Die einzigartige Flora am Ende Europas steht unter Naturschutz.

 

Nervenkitzel, auch wenn mal nichts an den Haken geht: Am Cabo de São Vicente krachen die Wellen gegen die Klippen, auf denen Fischer auf den großen Fang warten.

Nervenkitzel, auch wenn mal nichts an den Haken geht: Am Cabo de São Vicente krachen die Wellen gegen die Klippen, auf denen Fischer auf den großen Fang warten.

Zeit, eine algarvische Spezialität zu probieren: der Sepia-Tintenfisch – eine hervorragende Wahl, wie der Kellner betont. Man solle nur darauf achten, den kleinen Schnabel nicht mitzuessen, da dieser sehr hart und entsprechend unangenehm beim Kauen sei. Sonst sei aber jeder Teil des Tintenfischs genießbar – bei Portugiesen bleibe häufig nicht einmal der Schnabel übrig. So stehen wenig später die dampfenden Teller mit zehn, größeren und kleineren Kopffüßlern im leckeren Knoblauch-Kräuter-Sud und Salzkartoffeln vor uns. Als ich mit meinem Messer einen der größeren in Angriff nehme, gibt es eine Überraschung:
Mein Teller färbt sich langsam, aber stetig tiefschwarz… Doch weder werde ich ohnmächtig, noch will sich der Geist des Sepia an mir rächen – ich habe mein Abendessen schlicht nicht „sem tinta“ (ohne Tinte) bestellt…Der aufmerksame Kellner bemerkt meine Verwunderung und serviert augenzwinkernd einen Medronho-Schnaps, um den Schrecken zu lindern. Tudo bem!

Was man an der Algarve unbedingt probieren muss, wie man bestellt und abseits des Massentourismus die „echte“ Region am Südwestrand Europas entdeckt? 
Die gerade erschienene 21. Auflage des Reiseführers „Portugal“ aus dem Michael Müller Verlag enthält natürlich auch alles Wissenswerte über die Algarve. 
Noch detaillierter und ausführlicher wird Portugals Süden im „Algarve“ Reiseführer vorgestellt.
portugal

Fotos und Text © Johannes Endler