Auf der Suche nach dem Yeti…

Da war er wieder, dieser Traum: Ich stapfe im Himalaya durch das Schneegestöber, auf der Suche nach dem geheimnisvollen Yeti. Immer meine Kamera im Anschlag, erklimme ich Meter um Meter. Da steht er auf einmal vor mir. Er öffnet seinen Mund und brüllt: „Mama Milch!“
Mama Milch? Da wird mir bewusst, ich bin nicht im Everest Basiscamp oder am Fuße des Annapurna, nein, ich liege im Bett zu Füßen des Karwendelgebirges im Werdenfelser Land und unser zweijähriger Sohn weckt uns pünktlich um sechs Uhr morgens zu seiner Guten-Morgen-Milch.

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Statt der Suche nach dem Yeti gibt es heute eine Familienwanderung.

Als verantwortungsbewusste Eltern geben wir unserem Sohn nur das Beste zum Frühstück. Auf die Frage, was er denn gerne zum Essen hätte, ein Bio-Ei, den guten Waldhonig oder den Bio-Käse, antwortet er schlicht „Tella“ (übersetzt heißt das Nutella). Also gut, dann eben etwas, das schmeckt und nicht ganz so gesund ist.
Als Ziel haben wir uns schließlich auf ein Teilstück der Wanderung 6, den Aufstieg auf den Wank, aus dem MM-Wanderführer Münchner Ausflugsberge geeinigt. Man muss ja als Mitarbeiter mal testen ob die Bücher auch das halten, was man den Kunden verspricht.
Also schnell noch die Ausrüstung zusammengestellt und dann kann es ja losgehen.

Sagte ich schnell? Zuerst die Wickeltasche packen: Windel, Reinigungstücher, Lätzchen, Wasserflasche, Kekse, Bücher, Autos usw…
Dann noch das Futter und das Wasser für den Hund. Man selbst braucht ja auch noch was zu trinken und etwas Verpflegung. Dann noch die Fotoausrüstung: Kamera, 500er Teleobjektiv und das Stativ eingepackt. Es könnte ja ein Bär, ein Wolf oder der Yeti vor die Linse laufen. Zur Verteidigung noch das Martini Finnenmesser umgeschnallt, es könnte ja ein Bär, ein Wolf oder der Yeti auftauchen. Noch das Auto beladen und nur eine Stunde später geht es schon los.
Zum Glück hat unser Finley heute von seiner Oma einen eigenen Rucksack geschenkt bekommen, so kann er seine Keksdose selbst tragen. Wieder 100 Gramm weniger Last auf meinem Rücken.

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Schon nach wenigen Metern überlege ich, ob es hier wohl einen Sherpa zu mieten gibt.

Warum muss man nur immer so viel auf eine Minibergtour mitnehmen?
Der Reinhold Messner kommt doch auch ohne den ganzen Kram auf den Everest.

Bald darauf zeigt sich das nächste Problem. Zuerst heißt es „Mama laufen“, dann wieder „Mama tragen“, dann wieder „Mama laufen“,  später wiederum „Mama tragen“.

DSC02706Zum Glück hat die Oma die Idee mit den Wanderstöcken. Und so schiebt unser Finley seine Oma den Berg hoch, da sie ja so schwach ist.

DSC02694So kommen wir unserem Ziel endlich etwas näher. Doch halt, was war das? War da nicht ein Geräusch im Unterholz? Da, wieder dieses unheimliche Knacken. Ist es ein Bär, ein Wolf oder doch der Yeti? Soll ich nun zum Teleobjektiv greifen oder zu meinem Messer?

Ich entscheide mich für die Spiegelreflexkamera, ein Bild vom Yeti, schon wäre der Urlaub für die nächsten Jahre bezahlt.

Das Knacken kommt immer näher und nun hört man auch noch ein Keuchen. Gleich wird er ins Freie treten. Da sieht man auch schon ein braunes Fell durch die Zweige schimmern, der mächtige Kopf wird sichtbar und auf einmal steht er vor uns. Er öffnet sein Maul und sein ohrenbetäubendes Geschrei ist zu hören! MUUUUH!

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Glück gehabt, es war nur Vroni vom Gschwandtnerbauer. 

Sofort stürzt sich unser Sohn auf das Hörner bewehrte Ungetüm mit den Worten: „Ei machen“.

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Nur noch wenige Meter, dann ist unser Ziel erreicht. Der Gschwandtnerbauer, ein in neunter Generation bewirtschafteter Bio-Hof mit angeschlossener Gastwirtschaft. Unser mühevoller Aufstieg wird mit Rahmhackbraten vom Werdenfelser Biorind und Topfenstrudel aus Milch vom eigenen Hof belohnt (unbedingt mal ausprobieren!).
So genießen wir bei Sonnenschein und weiß-blauem Himmel die bayerischen Schmankerl. Der Ausblick auf den Karwendel und die Zugspitze krönen das ganze noch.

DSC02708Dann heißt es wieder zurück ins Tal. Zuerst den Kleinen von der Rutsche loseisen, den Hund wieder einfangen, den Rucksack packen und die Kamera verstauen, schon kann es losgehen! Gibt es eigentlich Yaks in den Bergen?

„Mama tragen“ – Kind müsste man sein.

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