Im Thüringer Urwald den „Indian Summer“ erleben und fünf Ausflüge für ein unvergessliches Wochenende

Das „grüne Herz Deutschlands“ wird Thüringen genannt. Hier gibt unsere Autorin fünf Wandertipps für den Hainich, die Thüringer Rhön und das mittlere Saaletal. Damit kann das Wochenende beginnen!

Regelmäßig ist unsere Autorin Heidi Schmitt im „grünen Herz Deutschlands“ unterwegs.

Sie weiß, wo die schönsten Wanderwege von Thüringen verlaufen, wie man sich auf die Spuren der Kelten begibt und welche Attraktionen Familien auf keinen Fall versäumen sollten.

Urwald mit Aussicht: der Hainich in Thüringen

Unterwegs im Urwald: Der Hainich im Nordwesten Thüringens bildet mit seinen 16.000 Hektar Fläche das größte Laubwaldgebiet Deutschlands. Als Nationalpark sind 7.500 Hektar ausgewiesen und das bedeutet: Hier darf der Wald ohne Eingriff von Menschenhand  seinen natürlichen Lebenszyklen folgen. Vor allem Rotbuchen wachsen in diesem beeindruckenden und von der UNESCO als Weltnaturerbe ausgezeichneten Urwald. Im Herbst können Wanderer unter dem gelb-orange gefärbten Blätterdach eine wahren „Indian Summer“ erleben. Eine der schönsten und leicht zu gehenden Wandertouren startet in der Nationalparkgemeinde Kammerforst und führt auf einem insgesamt 12 km langen Rundweg zur über 800 Jahre alten Betteleiche. In einer Höhlung des alten Baumstamms legten einst die Bewohner der Umgebung Lebensmittel für die in einer Klause lebenden Bettelmönche ab. Heute passt ein ausgewachsener Mensch in das Baumloch hinein (Die ausführliche Wanderung findet ihr im Reiseführer Thüringen).

Unsere Reiseführer-Autorin vor der Betteleiche im Hainich

Auf über 20 Wanderwegen mit insgesamt über 120 km lässt sich der Hainich ganz entschleunigt erleben. Für ein ganz besonderes Hainich-Erlebnis verlassen Groß und Klein den artenreichen Waldboden, um dem Wald besonders nahe zu kommen. Ein 540 Meter langer barrierefreier Holzpfad auf Stelzen führt hinauf in die Baumkronen, so kann man buchstäblich „dem Urwald aufs Dach steigen“. Vom 44 Meter hohen Aussichtsturm des Baumkronenpfads hat man einen wunderschönen Panoramablick über den Hainich und das Thüringer Becken bis hinüber zum Harz. In der Wurzelhöhle werden die Prozesse, die sich im Waldboden abspielen,  interessant und spielerisch erklärt. (April-Okt. 10-19, Nov.-März 10-16 Uhr).

Auf dem Baumkronenpfad im Hainich

Eine neue Attraktion für die Kleinsten ist gerade nahe des Besucherzentrums Thiemsburg eröffnet worden: der Abenteuerspielplatz „Fagati“. In Anlehnung an die Fabelgestalt des Fagati können Kinder hier klettern, toben und spielen. Dabei soll ihr Interesse an der ursprünglichen Natur des Nationalparks Hainich geweckt werden (Eintritt frei, geöffnet April-Oktober 10-19 Uhr). Als Abstecher für die ganze Familie eignet sich ein Besuch im Wildkatzendorf Hütscheroda. Die geschützte Wildkatze ist im Hainich wieder heimisch, aber sie ist scheu und nachtaktiv, weshalb man sie in der Natur selten zu Gesicht bekommt. Wie die kräftigen, graubraun melierten Pelzträger jagen, das kann man im Freigehege des Wildkatzendorfes bei Schaufütterungen beobachten. (April-Okt. 10-18, Nov.-März 10-16 Uhr).

Im Wildkatzendorf Hütscheroda lassen sich scheue Wildkatzen beobachten

Auf den Spuren der Kelten findet man im Grabfeld und in der Thüringer Rhön interessante und abwechslungsreiche Wanderwege. Das größte Bodendenkmal Thüringens ist die Steinsburg bei Römhild. Die Kelten legten diese 68 Hektar große Befestigungsanlage schon im 5. Jahrhundert v. Chr. in den so genannten Gleichbergen an. Ein archäologischer Wanderweg (10 km) führt zu Resten der drei Mauerringe und passiert Grabhügel und Wohnplateaus. Der Weg beginnt am Steinsburgmuseum (an der Straße nach Hildburghausen), das die Kultur der Kelten mit exquisiten Funden präsentiert. Wie eine keltische Siedlung ausgesehen hat, das lässt sich im nachgebauten Keltendorf Sünna erleben. Von hier aus führt der „Keltenpfad“ (16 km) zu archäologischen Fundstellen am Öchsenberg und am Dietrichsberg. Im Kelten-Hotel kann man (nach Anmeldung) mit Pfeil und Bogen schießen wie die Kelten und danach keltische Speisen genießen.

Im Keltendorf Sünna

In der Weinlesezeit zieht es Weinliebhaber natürlich an die Saale. Ein rundum genussreicher (verlängerter) Wochenendtrip führt nach Jena. Bevor man allabendlich in der regionalen Gastronomie oder in den Weingütern vor Ort ausgesuchte Saaleweine probiert, dürfen tagsüber die Muskeln arbeiten. Auf der„Saale-Horizontale (72 km) lernen die Wanderer die Muschelkalkhänge zwischen Jena und Dornburg mit ihrer Natur und Kultur kennen. Herbstlich gefärbter Buchenwald, duftende Kieferhaine, schroffe Abbruchkanten, malerische Ruinen, Streuobstwiesen, Orchideen und die gemächlich dahinfließende Saale – unterwegs bieten sich abwechslungsreiche Eindrücke. Die Gesamtstrecke lässt sich in vier Tagesetappen gliedern, Start- und Zielpunkte sind mit Bussen erreichbar. Insgesamt sind über 3.400 Höhenmeter zu bewältigen, aber die herrlichen Ausblicke über das mittlere Saaletal sind der Mühen wert. Kulturelles Highlight sind die Dornburger Schlösser, die schon Goethe besang und an deren Schlossberg ein guter Wein reift. Auch mehrere Kurztouren (um die 2 km) wie zum Beispiel zum Fuchsturm, zur Lobdeburg oder zur „Studentenrutsche“ sind möglich. Wenn das Wetter mal nicht passt: In Jena sorgen zahlreiche Sehenswürdigkeiten vom Zeiss-Planetarium bis zum Schott-Glasmuseum für anregenden Zeitvertreib (mehr Infos dazu gibt es im Thüringen Reiseführer).

Die Dornburger Schlösser wurden schon von Goethe besungen

Corona-Hinweis: Für die beschriebenen Attraktionen und Sehenswürdigkeiten gelten wegen der Corona-Pandemie die üblichen Hygiene-Konzepte (Abstand halten, wo es eng wird Maske auf, Hand-Hygiene etc.). In Thüringen gilt Maskenpflicht im ÖPNV sowie im Einzelhandel. Bitte informieren Sie sich auf den im Buch genannten Webseiten oder in den Touristenbüros über möglicherweise abweichende Öffnungszeiten.

Ein unvergesslicher Trip: Zehn Seen in drei Tagen an der Mecklenburgischen Seenplatte

Für alle, die Urlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte machen, haben unsere Mecklenburg-Vorpommern-Autoren Sabine Becht und Sven Talaron einen ganz besonderen Tipp: die 10-Seen-Runde auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte – ein Paddel-Klassiker!

Dass auch kleine Boote große Wellen machen können, steht lapidar auf der Rückseite unserer Wasserwanderkarte. In der Tat wurde es für uns ein paarmal bedenklich wackelig auf den Seen der Tour, die auch für Motorboote zugelassen sind. Doch eigentlich galt unsere Sorge dem Regen, der angekündigt war. Tatsächlich aber schien die Sonne, als wir mit zwei schwer beladenen Canadiern, vier Personen und Hund lospaddelten. Erstes Highlight ist die Ahrensberger Hausbrücke und nebendran ein weithin bekannter Fischereihof: Fischräucherei und -imbiss samt Biergarten, undenkbar, diese Rast auszulassen!

Aber es liegt noch ein beträchtliches Stück Wasserwanderweg vor uns, also muss es irgendwann weitergehen, über Priepert- und Ellbogensee zur Schleuse von Strasen. Auf dem Kleinen Pälitzsee werden die Arme dann zunehmend schwerer, besagte „kleine Boote“ lassen uns ein paarmal fluchen – ganz schön hoch sind deren 15-PS-Wellen. Müde aber trocken erreichen wir nach fast 18 Kilometern endlich unseren Wasserwanderrastplatz am Campingplatz Pälitzsee. 

Am nächsten Morgen dann kein Regen, dafür ziemlich starker Wind, der uns schon auf dem Canower See ins Schwitzen bringt, nach der Canower Schleuse aber auf dem Labussee einen scheinbar nicht endenden Kraftakt erfordert. „Na, habters jeschafft?!“ ruft uns anerkennend ein Berliner zu, als wir schwer schnaufend in die Dollbek einbiegen. Mit einem Mal ist es absolut windstill, spiegelglatte Wasseroberfläche, Seerosenparadies – was für ein Idyll! Danach sind nur noch der Gobenowsee und Klenzsee zu durchqueren, gegen den Labussee ein Kinderspiel, bis wir unser Ziel, den Kanuhof Wustrow, erreichen.

Am letzten Tag dann der Plätlinsee, keine Motorboote, dafür wieder ordentlich Wind, aber Rückenwind! Das Problem: am Ende des lang gestreckten Sees sind wir fast zu schnell und verpassen beinahe die Schwaanhavel. Also Paddel querstellen, scharfe Kurve, dann mit voller Kraft an der Tonne vorbei, die die Einfahrt zur Schwaanhavel markiert. Auf diesem letzten Abschnitt der Tour sollte man sich ein wenig Zeit lassen. Das baumbestandene Ufer und eine üppige Vegetation schaffen einen besonderen Zauber, Schwan- und Entenfamilien wird man höchstwahrscheinlich antreffen, vielleicht aber auch ein paar seltenere Wasservögel. Und natürlich jede Menge andere Kanuten. Das Wasser ist flach, zwischendurch müssen wir die Boote treideln, bei Niedrigstand wie zuletzt 2018 und 2019 ist die Schwaanhavel gar nicht befahrbar.              

Drei Tage, diverse Fischbrötchen, zehn Seen und vier Schleusen später kommen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück, beziehen unsere winzigen Hütten in der Kanu-Mühle Wesenberg und erleben einen Wolkenbruch vom Feinsten. Eine Punktlandung.

Info: Die Tour (ca. 36 km) im 2er- bis 4er-Canadier ist auch für durchschnittlich Sportliche gut machbar. Die genaue Routenbeschreibung, Kanuverleiher, Wasserwanderrastplätze, Übernachtungs-, Essens- sowie vielen weiteren nützlichen Tipps werden in der Neuauflage unseres Reiseführers „Mecklenburgische Seenplatte“ veröffentlicht, der in 5. Auflage Anfang 2021 erscheinen wird. 

Deutschland neu entdecken. Heute: Mit Volldampf durch die geschützte Natur. Eine Fahrt mit der Brockenbahn

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Seit jeher ist sie ein Zankapfel: die dampfbetriebene Brockenbahn im Harz. Schon 1899 stand sie in der Kritik. Es waren dieselben Argumente wie kurz nach der Wiedervereinigung: Touristenmassen und funkensprühende Abgase gefährden die Waldeinsamkeit. Gleichzeitig sorgt die Brockenbahn für einen Umsatzboom in der strukturschwachen Gegend.

Im Führerstand ist es heiß, schummerig und laut. Kein Arbeitsplatz für zarte Gemüter. Und es ist eng. Kaum zwei Quadratmeter teilen sich Lokführer und Heizer – und sind dazu noch ständig in Bewegung. Es gilt, an Reglern zu drehen, aus den Seitenfenstern die Strecke zu beobachten und alle paar Minuten die Steinkohle in das Feuerloch zu schippen. Lokführer und Heizer sind die Wichtigsten an Bord der Dampflokomotiven der Brockenbahn. Sie bringen die historischen Kolosse zum Rollen, und diese ziehen die Waggons von Schierke hinauf auf den mit 1.141 m höchsten Gipfel Norddeutschlands. Seit dem 15. September 1991 ist das wieder so – regelmäßig, das ganze Jahr über. Mit bunt geschmückten Sonderzügen hat man das 20-jährige Jubiläum der »Wiederaufnahme des Zugverkehrs zum Brocken« soeben gefeiert.

30 Jahre dauerte die Zwangspause, nachdem die von Natur aus baumfreie Bergkuppe 1961 zum streng bewachten Sperrgebiet erklärt worden war, von dem die Horchposten der Sowjets und die Stasi in den Westen lauschten. Nach der Wende wurde die marode, 19 km lange Schmalspurbahnstrecke zwischen Schierke und dem Brockenbahnhof für rund 20 Millionen D-Mark saniert und Mitte September 1991 wieder eröffnet. 30.000 Schaulustige entlang der Bahnlinie feierten dieses Ereignis. Doch nicht alle waren von dieser neuen Freiheit begeistert, ein Sabotageakt hätte die Jungfernfahrt beinahe verhindert: In den Nächten vor der Wiedereröffnung waren ein Gleisstück heraus gesägt und Steinbarrieren auf den Schienen errichtet worden. Erst eine aufwändige Reparatur machte die Strecke am Eröffnungstag wieder befahrbar. Umweltschützer distanzierten sich entschieden von der Tat, doch auch sie waren Kritiker der Brockenbahn. Sie befürchteten, Touristenmassen und stinkende Dampfloks würden den zwei Tage vor der Wiedervereinigung gegründeten Nationalpark Hochharz schädigen.

Kritische Stimmen zur Brockenbahn gab es schon früher, vor rund 90 Jahren, als die Brockenbahn 1899 nach dreijähriger Bauzeit erstmals ihren Betrieb aufnahm. Die Kritikpunkte waren dieselben wie 1991, wenngleich sie wie in Hans Hoffmanns Reiseführer »Der Harz« viel poetischer formuliert waren: »Ist es nicht ganz abscheulich, sogar dem erhabenen Haupte des Vater Brocken höchstselbst den eisernen Reif um den geweihten Schädel zu legen? Welch ein Greuel muss es sein, wenn erst an jedem schönen Tage die überfüllten Bahnzüge den zappelnden Reisepöbel auf die ernste Brockenkuppe speien!«

Dabei konnte anno 1899 von einer Waldeinsamkeit schon längst keine Rede mehr sein. Wagen und Omnibusse verkehrten in großer Zahl auf der gut ausgebauten, staubigen Brockenchaussee bis zum Gipfel, auf dass Zeitgenossen die Hoffnung hegten, »die alten Wege vom Wagenverkehr [mögen] entlastet werden, der weit störender ist als die Eisenbahn, denn da klappern die Züge doch nur zeitweilig vorüber«.

Und wie sieht es heute aus? Die Brockenbahn ist eine der wenigen erhaltenen meterspurigen Gebirgsbahnen Europas und eine bedeutende Touristenattraktion, die jährlich an die 700.000 Menschen auf den Brocken bringt. Aufgrund der Sperre der Brockenstraße kann der Berg sonst nur im Fußmarsch oder mit dem Mountainbike erklommen werden. Einer Studie zufolge sorgt die Brockenbahn für 37 Millionen Euro Umsatz in der strukturschwachen Region und sichert damit Arbeitsplätze.

Auch der Nationalpark, der sich seit 2006 länderübergreifend von Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt erstreckt, ist mit seinen Besucherzentren ein wichtiger Tourismusfaktor. Er ist der größte Waldnationalpark in Deutschland und zählt im Jahr rund 4 Millionen Besucher. Brockenbahn und Nationalparkverwaltung arbeiten eng zusammen, ein Liebesverhältnis hat sich noch nicht entwickelt. Die mit Steinkohle befeuerten Dampfloks rußen gewaltig während der Fahrt auf die Gipfelkuppe, Funkenflüge sorgen immer wieder für Waldbrände entlang der Strecke – solche Ereignisse sind mit den Schutzzielen eines Nationalparks schwer vereinbar. Doch eines ist sicher: Beide, die Brockenbahn und der Nationalpark sind aus dem Harz nicht mehr wegzudenken.

Noch mehr Interessantes zum Harz können Sie hier nachlesen

Auf gehts in den Odenwald

Gerade kam er aus der Druckerei: Unser Reiseführer zum Odenwald, erschienen mittlerweile in der 3. Auflage. Unsere Autorin Aurelia Staab hat uns einige ihrer liebsten Ausflugsziele verraten und beschreibt, wie Corona ihre Region verändert hat. Auf ihrem Blog erfahrt ihr mehr darüber. Hier ein erster Bericht:

Odenwald mit Bergstraße, Darmstadt, Heidelberg

Jedes Mal, wenn ich in meinem Reiseführer blättere, fühlt es sich selbst für mich klein wenig wie eine Urlaubserinnerung an. Als ich vor zehn Jahren für die Erstauflage des Odenwald-Reisführers mit der Recherche vor der Haustür angefangen habe, wusste ich nicht viel über den Odenwald und seine Geschichte. Für mich war es eine spannende Reise, die Orte, ihre Sehenswürdigkeiten und die Historie genauer kennenzulernen. Für ein authentisches Reisegefühl habe ich mich in Hotels und Pensionen einquartiert. Selbst in Heidelberg. Dort war ich vorher sonst immer nur zum Shoppen als Tagesausflug. Auch für die zweite und dritte Auflage habe ich an unterschiedlichen Orten im Odenwald Quartier bezogen. Jedes Mal bin ich mit neuen Eindrücken nach Hause gekommen.

Während am Anfang meiner Recherchen vor allem die Gesamtbestandsaufnahme im Fokus stand, waren es später die persönlichen Begegnungen zum Beispiel mit Ladenbesitzern und Restaurantinhabern, die dem Ganzen ein vielseitiges Fundament gegeben haben. Museen mit festen Ausstellungen mussten nicht unbedingt ein zweites Mal besucht werden, dafür blieb dann Zeit für Museen, über die ich mich zunächst nur informiert hatte. Immer neue, interessante Eindrücke sind der Beweis, dass sich der Odenwald immer wieder für einen ausgiebigen Ausflug lohnt.

Was geht in Corona-Zeiten?

Nun ist die Region aktuell natürlich ebenso wie die gesamte Welt von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen. Die Tipps, die der Odenwald-Reiseführer enthält, wurden vor der Corona-Krise recherchiert. Insofern kann es bei den Sehenswürdigkeiten und Freizeittipps zeitliche Abweichungen oder Zugangsbeschränkungen geben. Einen Hinweis darauf hat der Michael Müller Verlag in eigener Sache in dieser Auflage berücksichtigt. Fest steht, dass beispielsweise Großveranstaltungen und Festivals wie überall für dieses Jahr abgesagt wurden. Den Touristinformationen in Michelstadt, Darmstadt und Heidelberg oder auch Mosbach zufolge gibt es aber einiges, was Besucher im Odenwald, an der Bergstraße, in Darmstadt und Heidelberg unternehmen können. Und was natürlich immer geht, ist Wandern oder Radfahren. Die ursprüngliche Schönheit der Region und die grandiosen Ausblicke, die man zuweilen hat, sind und bleiben einfach unbezahlbar!

Hier ein paar aktuelle Tipps ohne Gewähr. Denn laut Touristinformationen erfolgen die Angebote zurzeit „auf Sicht“. Und natürlich ist das Folgende nur eine kleine Auswahl.

Führungen

Was ist das Besondere an einem Ort? Welche Geschichten und Anekdoten gibt es zu den Bewohnern? Eine Führung ist die kompakteste Form, spannende Hintergrundinformationen zu erfahren. Darmstadt, Heidelberg und einige Städte im Odenwald und an der Bergstraße bieten nach dem Lockdown im Frühjahr wieder Führungen an. In Darmstadt geht es zum Beispiel auf die Mathildenhöhe. In Heidelberg kann man täglich am Altstadtrundgang teilnehmen. Auch der Cabrio-Bus mit Startpunkt am Karlsplatz tourt im Stundentakt durch Heidelberg. Empfehlenswert sind auch die naturbezogenen Angebote des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald.

Museen, Galerien, Kunstwege

Viele Museen und Galerien haben unter Berücksichtigung entsprechender Hygienemaßnahmen relativ schnell wieder geöffnet. Bei kleineren, insbesondere ehrenamtlich betriebenen Museen kann es schon mal passieren, dass Besucher vor verschlossener Tür stehen. Meine persönlichen Tipps: natürlich das Landesmuseum in Darmstadt, das Kurpfälzische Museum der Stadt Heidelberg, die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg, das Museum Stangenberg-Merck in Jugenheim und insbesondere für Familien das bioversum in Darmstadt-Kranichstein oder das Drachenmuseum in Lindenfels.

Kultur und Natur verbinden zum Beispiel die Kunstwanderwege im Überwald und in Fürth oder auch der Albersbacher Streuobstlehrpfad. Lehrreiches in Spaß und Spiel verpackt hält unter anderem der Smartpfad für Kinder bereit, der zwischen Mudau und Amorbach verläuft.

Zoos, Tier- und Freizeitparks

Auch der Zoo in Heidelberg und Zoo Vivarium in Darmstadt sowie der Tierpark in Erlenbach oder der Englische Garten zu Eulbach mit seinem Tiergehege haben geöffnet. Das Märchenparadies auf dem Königstuhl oder die Sommerrodelbahn in Wald-Michelbach empfangen ebenfalls gern Gäste. Überall gibt es Hygiene-Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Odenwaldbob zu beachten. Aber das sollte dem Freizeitspaß keinen Abbruch tun.

Rund ums Wasser

Ausflugschiffe der Weißen Flotte in Heidelberg sind wieder auf dem Neckar unterwegs. Von Heidelberg führt beispielsweise eine Fahrt bis in die Vier-Burgen-Stadt Neckarsteinach. Einer Abkühlung im Schwimmbad steht zurzeit auch nichts im Wege. Viele Bäder haben geöffnet, so lange sich die Covid-19-Infektionszahlen in festgelegten Grenzen halten und die Lage entspannt ist. An Seen wie dem Marbach-Stausee ist das Schwimmen zurzeit untersagt – auch weil keine Aufsicht vor Ort ist, die im Notfall helfen kann.

Timeslots und Reservierungen

Bei vielen Angeboten, vor allem aber in Restaurants und Cafés müssen Gäste ihre Daten hinterlassen, um gegebenenfalls über eine Infektionsgefahr informiert zu werden. Manche Gastronomen arbeiten auch mit Timeslots, das heißt, dass Gäste nur eine gewisse Zeit im Restaurant haben und dann auch andere zum Genuss kommen sollen. Ich habe aber erlebt, dass – sofern ein begehrtes Restaurant nicht ausgebucht ist – man auch so lange verweilen darf, wie man möchte. Reservierungen oder Ticketvorverkauf haben an vielen Stellen Bedeutung gewonnen, sei es in Schwimmbädern, im Zoo oder einer Schifffahrt. Bei jedem Angebot, das einen interessiert, empfiehlt sich vorher zu schauen, wie mit der aktuellen Situation umgegangen wird. Das beugt möglichen Enttäuschungen vor.

Wandern und genießen

Das Schönste im Odenwald für mich ist es, zu wandern und dann einzukehren. Die qualifizierten Steige – Burgensteig, Nibelungensteig oder Neckarsteig – zum Beispiel bieten viel Abwechslung, führen zu tollen Sehenswürdigkeiten und enthalten auch immer Möglichkeiten, bei einem Etappenstopp dem leiblichen Wohl nachzugehen. Auch vor Covid-19 hat es sich empfohlen, vorab zu schauen, ob die Gaststätten an dem Tag auch wirklich geöffnet haben.

Als Darmstädterin möchte ich zum Schluss noch zwei persönliche Lieblingshighlights empfehlen: Aktuell findet das Künstlersymposium zum 10. Internationalen Waldkunstpfad statt, der am 15. August offiziell eröffnet wird. Bis zum 4. Oktober werden dann Samstag und Sonntag Führungen angeboten. https://2020.waldkunst.com/ Den Blick von der schönen Ludwigshöhe http://www.ludwigshoehe-darmstadt.de/ , der bis nach Frankfurt und in den Taunus reicht, sollten sich Besucher bei der Gelegenheit auch nicht entgehen lassen. Wer will, bekommt in der Ludwigsklause auch einen Happen zu essen.

Ebenso schön ist beispielsweise eine Wanderung über die zauberhafte Darmstädter Rosenhöhe, über das Oberfeld hinüber in den Bessunger Forst. Der Jugendhof Bessunger Forst bietet dort sonn- und feiertags eine Einkehrmöglichkeit (https://jugendhof.org/). Gelegentlich gibt es hier auch Live-Musik. Zurück geht es dann beispielsweise über die Fischhütte https://fischerhuette-darmstadt.de, die ebenfalls zur Einkehr einlädt, zur Lichtwiese in Darmstadt.

Ludwigshöhe und Rosenhöhe sind übrigens auch zwei markante Punkte des rund 12 Kilometer langen, sogenannten Sieben-Hügel-Steigs https://www.froutes.de/RO00000149_Darmstadt_Sieben_Huegel_Steig , der vom Odenwaldklub beschildert wurde.

Da gäbe es so viel mehr, was ich jetzt beschreiben könnte. Aber das steht schließlich auch im Reiseführer. Ich freue mich, wenn ich darin viele Anregungen geben kann und umgekehrt auch über Rückmeldungen von Leserinnen und Lesern. Diese am besten an den Verlag senden: info@michael-mueller.de, Stichwort: Odenwald. Ich wünsche viel Spaß bei Entdeckungstouren im Odenwald, an der Bergstraße, in Darmstadt und Heidelberg.

Über Pläne

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Was macht eigentlich eine Reisejournalistin, wenn Corona ihre Pläne für Recherchen und Neuauflagen durchkreuzt? Sie legt einen Bauerngarten an, gründet einen Instagram-Channel und träumt von La Gomera. Lisa Kügel, Autorin unseres Kanarenreiseführers La Gomera bleibt auch in der Krise kreativ und staunt über neu entstandene Projekte, aber lest selbst:

Eigentlich stand der Plan für dieses Jahr: Dem Brotjob nachgehen bis Mai, dann warten auf das Baby und dabei die Recherche für die zweite Auflage meines Gomera-Reisebuches organisieren. Im Dezember dann mit der frisch erweiterten Familie samt Oma als Babysitter für ein paar Wochen ab auf die Insel. Klingt doch ganz gut, oder nicht? Eigentlich.

Und eigentlich sollte ich es mittlerweile besser wissen. Immerhin habe ich bereits ein Kind und weiß, dass oft alles anders kommt, als man denkt und vor allem als man plant. Selbst, wenn man allein unterwegs auf Reiseführer-Recherche ist, ist ein wohl recherchierter Plan zwar Gold wert, zum gewissen Etwas verhilft dem Buch aber eine gute Portion Spontanität und Auf-sich-zukommen-lassen. Um Gespräche zu führen, wenn sich die Gelegenheit bietet, um Fotos zu machen, wenn das Motiv unerwartet auftaucht. Um einen Plan B zu schmieden. So wie in den letzten Wochen.

Das Virus macht uns einen Strich durch die Rechnung. Zerschlägt auf der einen Seite Reise- und auf der anderen Produktionsvorhaben. An die Recherche-Planung traue ich mich nicht mehr heran. Zu unsicher sind die Faktoren rundherum. Das Virus beschert uns auch intensive Familienzeit, zuhause, mit reduzierten Arbeitszeiten, ohne Fremdbetreuung der Kinder. Der Plan B? Nachdem plötzlich die ganze Hausgemeinschaft zuhause war, teils in Elternzeit, teils in Kurzarbeit und Homeoffice, sind wir gerade dabei, ein lang geträumtes Projekt zu verwirklichen: einen eigenen Bauerngarten samt Schuppen. Es ist verrückt, was in acht Wochen passieren kann, wenn es so wenig Ablenkung gibt! Und dass aus all dem nervenaufreibenden Chaos und der Unsicherheit auch etwas Schönes, Neues entstehen kann.

Und ganz ungefragt war er dann schon im Kopf: Plan B für dieses Jahr ist nun der Instagram-Channel „permaleben“, wo ich das neu erworbene Wissen zu Bauerngärten, Naturgärten und Permakultur und unsere Erfahrungen teilen möchte. „Plan“ soll allerdings in diesem Fall eher fränkisch ausgelegt werden, nach dem Moto: „Schau‘ mer mal, dann sehn mer scho“. Vielleicht mag die oder der ein oder andere gartenbegeisterte Leser*in mich ja auch auf dieser Reise begleiten.

Auf gehts in den Odenwald

Gerade kam er aus der Druckerei: Unser Reiseführer zum Odenwald, erschienen mittlerweile in der 3. Auflage. Unsere Autorin Aurelia Staab hat uns einige ihrer liebsten Ausflugsziele verraten und beschreibt, wie Corona ihre Region verändert hat. Auf ihrem Blog erfahrt ihr … Weiterlesen

Deutschland neu entdecken

Die Fränkische Schweiz liegt genau vor unserer Verlagshaustür: Zwischen Erlangen, Bamberg und Bayreuth befindet sich dieser malerische Landstrich.

Grund genug für uns, sich gleich in zwei Beiträgen mit diesem Landstrich zu beschäftigen. Heute geben wir Euch ein paar Tipps für einen entspannten Sonntag auf dem Land.

Sommer in der Fränkischen Schweiz @Michael Müller Verlag

Der Druidenhain bei Wohlmannsgesees ist der perfekte Waldspielplatz. Auch oder gerade im Sommer. Die durch Erosion entstandenen Felsblöcke bilden ein natürliches Labyrinth und sind auch bei heißen Temperaturen ein herrlich kühler Picknickplatz.

An einem warmen Sommertag ist eine Fahrt mit der nostalgischen Museumsbahn Pflicht und Kür gleichermaßen. Jetzt in den bayrischen Sommerferien verkehrt die Bahn mehrmals in der Woche. Von der Endstation Behringersmühle lohnt der Aufstieg hinauf nach Gößweinstein. Die fast 1000-jährige Burg grüßt schon von Weitem. Und auch die Wallfahrtsbasilika und das angrenzende Museum lohnen einen Besuch. Im Anschluss könnt Ihr Euch kostenlos im Höhenschwimmbad erfrischen.

Die Burg thront über Gößweinstein @Michael Müller Verlag

Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat gibt es auf dem Pony- und Pferdeparadies Sanspareil Ponyführtage. Das bedeutet, Ihr könnt Euch hier ein Pony ausleihen und eine festgelegte Runde spazieren gehen. Nicht nur für Kinder ein Highlight … manchmal entdecken dabei auch die Großeltern ihr verborgendes Ponyführtalent.

Und wenn Ihr schon mal hier in der Ecke seid, dann hier noch eine Empfehlung für einen wunderbaren Wandertag von Hollfeld nach Sanspareil:

Wanderung von Hollfeld durch das Kainach- und Wacholdertal zum Rokokogarten Sanspareil

Die ganztägige Wanderung von malerischen Hollfeld durch das unverbaute Kainach- und Wacholdertal zum Barock- und Rokokogarten Sanspareil ist ein Kultur- und Naturvergnügen. Die Strecke ist mit einer Länge von 24 km selbst für Nicht-Sportliche zu schaffen. Denn große Höhenunterschiede gibt es auf der landschaftlich abwechslungsreichen Strecke durch Täler und Wälder, über Lichtungen und Äcker, nämlich nicht. Belohnt wird die Anstrengung mit dem Felsengarten von Markgräfin Wilhelmine aus der Mitte des 18. Jahrhundert. Der 13 Hektar große Buchenhain zählt zu den außergewöhnlichsten Gärten Süddeutschlands! Er ist selbst in der Sommerhitze für eine Mittagsrast stets angenehm. Die gesamte Gehzeit beträgt rund 6 Stunden. Wanderschuhe sind empfehlenswert, aber keine Voraussetzung, um die Wege und Pfade zu bewältigen.

Impressionen vom Kussweg in Hollfeld @Michael Müller Verlag

Wegbeschreibung: Der Start ist auf dem historischen Marienplatz in der Hollfelder Oberstadt mit der Tourist-Info. Wer will, kann sich hier für zwei Euro auch eine gute Wanderkarte für die nördliche Fränkische Schweiz besorgen. Auf steilen Treppen geht es hinunter zum „Kussweg“ entlang der Kainach. Wir lassen das selten überlaufene Freibad von Hollfeld links liegen und wandern Richtung Kainach durch das „Tal der Verliebten“. Der Weg ist Teil des Fränkischen Gebirgsweges und entsprechend leicht erkennbar ausgeschildert. Durch die unverbauten Flussaue, die im Sommer auch zu einem erfrischenden Fußbad einlädt, gelangen wir nach rund 2 km in den stillen Weiler Kainaich. Wir durchqueren das Dörfchen in Richtung des Felsendorfes Krögelstein. Nun wird das Tal flacher, der Bach schmäler. Am Ortsbeginn von Krögelstein biegen wir rechts in östlicher Richtung ab. Der Weg ist nun mit einem roten Kreuz auf weißem Grund gekennzeichnet. Es geht bergauf auf die Höhe in Richtung Wonsees, vorbei an Wiesen und Äckern. Sanspareil mit dem markanten Rundturm der Burg Zwernitz ist schon von weitem erkennbar. In der Ortsmitte von Wonsees überqueren die Durchgangsstraße in Richtung des gut ausgeschilderten Wacholdertales. Diese Pflanze ist für die Hänge der Fränkischen Schweiz typisch. Nach rund 1,5 km leicht bergauf, stoßen wir wieder auf den Fränkischen Gebirgsweg und biegen links Richtung Sanspareil ab. Nun sind es nur noch 1,5 km zu unserem Ziel, wo Architektur und Natur eine wundersame Verbindungen eingegangenen sind.

Für den Rückweg nahmen wir wieder den Fränkischen Gebirgsweg in Richtung zum Weiler Kleinhüll. Kurz von Kleinhüll biegen wir auf einen nicht markierten Weg und laufen geradeaus über den 537 m hohen Reutersbühl nach Gelbsreuth. Am westlichen Ortsrand von Gelbsreuth führt eine schmale, wenig befahrene Asphaltstraße in westlicher Richtung zur Schlötzmühle, die wir nach 2 km erreichen.  Es geht wieder vorbei an mit Wacholder bewachsenen Hängen. Unmittelbar vor der Mühle biegen wir links auf einen kleinen Pfad am Haus entlang in das Schwalbachtal. Nach rund 1 km erreichen wir das stille Kainach und laufen wieder durch das Kainachtal zurück nach Hollfeld. In einem letzten, zwangläufig anstrengenden Aufstieg geht es wieder zur Oberstadt – unserem Startpunkt.

Verpflegung: Am besten ist es, seine eigene Verpflegung mitzubringen. Denn in Sanspareil gibt es nur ein Café gegenüber dem Morgenländischen Bau des Felsengartens. Die Aussicht ist abgesehen von der Konditorei mit guten Kuchen und Windbeuteln (die Spezialität) besser als die Küche. Zudem nur Selbstbedienung und erst in der Regel ab 13 Uhr offen.

Was uns gefällt: Wir wandern durch drei malerische Täler der Fränkischen Schweiz, die abseits der bekannten Routen liegen. Statt Verkehrslärm gibt es über weite Strecken nur Bachrauschen und Vogelgesänge. Die Höhenschiede sind in der nördlichen Fränkischen Schweiz gering. Das ist an warmen Tagen von Vorteil. Wer mag kann sich am Ende der Wanderung in der glasklaren Kainach oder im schönen Schwimmbad abkühlen. Ein Pluspunkt: der Besuch des sehr gepflegten Felsengarten ist gratis. Nur die lohnenswerte Besuche des Morgenländischen Baus und der Burg Zwernitz kosten einen Eintritt. Was uns weniger gefällt: Auf der Strecke gibt es leider keine einzige Brauerei. Auch ansonsten sind die Einkehrmöglichkeiten sehr beschränkt. Und das Café in Sanspareil ist eher Enttäuschung für Hungrige

Deutschland neu entdecken.

Erster Teil: Die Fränkische Schweiz.

In diesem Sommer entdecken wir Deutschland neu. Wussten Sie, dass Michael Müller schon in den 1980er-Jahren mit seinem Titel  »Fränkische Schweiz« den ersten alternativen Reiseführer zu Deutschland veröffentlicht hat? Bis heute ist das Buch ein fester Bestandteil in unserem Verlagsprogramm. Die 12. Auflage 2020 war gerade erst erschienen, als aus bekannten Gründen das Reisen nicht mehr möglich war. Einige Wochen später, in denen sich die Medienberichte über überfüllte Strände häufen, stellen wir hier eine Region vor, von der wir behaupten, dass es eine der am meisten unterschätzten Regionen Deutschlands ist: die Fränkische Schweiz.

Die Fränkische Schweiz ist

… die Wiege der Romantik

Wer es sich leisten konnte, fuhr in die „kleine Schweiz“ um den romantischen Dreiklang aus Felsen, Burgen und Tälern zu entdecken.

nachhaltig touristisch.

Heute ist der Tourismus zum Standbein geworden. Zum Tourismuskonzept gehören Nachhaltigkeit, der Erhalt der unverwechselbaren Kulturlandschaft und ein sanfter Tourismus. Deshalb fördert der Michael Müller Verlag seit fast 10 Jahren eine Initiative, die die Förderung der fränkischen Kulturlandschaft zum Ziel hat. Der Verlag setzt dabei auf die Kooperation mit fränkischen Gastwirten: Ausgewählte Gasthöfe kochen gscheitgute Speisen aus Regionalprodukten. Auf Gscheitgut-Franken isst besser könnt Ihr Euch über die aktuellen Gerichte informieren.

familienfreundlich.

Die Basis einer entspannten Reise sind Kinder, die Spaß haben. Hier ein paar Ideen, wie Sie das auf jeden Fall hinbekommen:

  • Burg Rabenstein: mit Sophienhöhle, Gutsschenke und faszinierender Falknerei.
  • Burgruine Neideck: die bekannteste Ruine, sehenswert und informativ. Imposanter Ausblick auf das Wiesenttal und unterhalb der Ruine wartet ein nostalgisches Schwimmbad auf Gäste. Die Atmosphäre hier ist wohl einzigartig.
  • Erlebnismeile Pottenstein: Sommerrodelbahnen, ein Hexenbesen und ein Skywalk sorgen für einen kräftigen Adrenalinschub. Wer es beschaulicher mag, dem empfehlen wir den Schöngrundsee (Tretbootfahren) oder die Teufelshöhle.
  • Auch der Erlebnispark Schloss Thurn hat seine Tore wieder geöffnet. Highlight sind die Ritter- und Westernshows.
  • Kanufahren auf der Wiesent, mit der Kanuvermietung Leinen Los aus Behringesmühle die Wiesent abwärts bis nach Ebermannstadt. Auch für wenig Geübte möglich.
  • Minigolfplätze gibt es in Muggendorf, Pegnitz und Pottenstein. Wer das richtige Grün spielen will, kann dies in Kanndorf und Weidensees bei Pegnitz.

Im nächsten Beitrag verraten wir noch mehr Ideen, wie Ihr die Fränkische Schweiz günstig und individuell entdecken könnt.

Hier gibt es die Infos auch gedruckt.

Lissabon

Dieses Jahr habe ich mir zusammen mit meinem Mann eine kleine Auszeit gegönnt. D. h. wir haben unseren Sohn und die 2 Kätzchen in die Obhut von Oma&Opa gegeben und sind für 6 Tage nach Lissabon geflogen. Also waren wir auch außerhalb der Ferien unterwegs, was ich jedem nur empfehlen kann. Von einem Freund habe ich dann im Nachhinein erfahren, dass die Restaurantes 2 unterschiedliche Speisekarten haben und die Preise im Sommer viel höher sind als  im September. Also Glück für uns…:-) Dementsprechend haben wir auch ordentlich gefuttert und ich bin ein echter Fan der portugiesischen Küche geworden.
Wir haben für Planung und Unsetzung den Reiseführer von Johannes Beck benutzt, den ich sehr empfehlen kann. Nicht nur, dass er gerade erst erschienen ist, der Autor ist ein echter Lissabonkenner und der Führer bietet für den Tag einzelne Touren an, die wir fast alle ausprobiert haben. Außerdem gibt es eine detaillierte große Karte und viele kleine. Einige Restaurants haben wir auch aufgrund seiner Empfehlung besucht und waren jedes Mal mehr als zufrieden.1. Tag: Avenida da Liberdade und SantanaAuf dem ersten Foto seht ihr unser Hotel. Ja, hm, eigentlich absolut zu empehlen. Der Service ist top, das Frühstück ist günstig und reichhaltig mit einigen Lissabonner Spezialitäten. Die Zimmer sind sauber und modern, womit das Hotel auch speziell wirbt. Und da ist dann auch für mich der Haken. Wie der Concierge richtig bemerkte, man sieht es auf der Homepage, aber live fanden wir es doch mehr als gewöhnungsbedürftig. Es gibt nämlich eigentlich kein Bad, d. h. dass das Waschbecken direkt neben der Garderobe im Zimmer ist. Dusche und Toilette befinden sich in Kapseln, die zum einen nicht wirklich groß sind und wie soll ich sagen…man hat einfach keine Privatsphäre…Da es auch keinen Kleiderschrank gibt, hatte ich meine Kosmetika etc. in der Garderobe stehen…den Rest müsst ihr euch jetzt vorstellen ;-)…aber für mich ist dieses urbane Nomadentum nix, wo man nur mit 2 T-Shirts und einer Unterhose unterwegs ist…aber, an dieser Stelle ein großes Lob, nachdem ich meinem Unbehagen Luft gemacht hatte, haben wir das einzige Zimmer mit einem normalen Bad bekommen. Der Urlaub war gerettet und der Concierge musste immer grinsen, wenn er uns gesehen hat. Eine WinWinsituation also… 🙂
Fast neben dem Hotel seht ihr ein kleines Häuschen mit grünem Dach. Die gibt es in der Stadt an jeder Ecke und man bekommt dort ein paar Snacks und Getränke zu echt günstigen Tarifen.

Geht ihr die Avenida da Liberdade in Richtung Praça  Marquêsde Pombal kommt nach dem Platz, den Ihr auf dem Foto unten seht, die große Wiese mit den Hecken. Am Kopf hat man wieder einen tollen Ausblick bis zum Tejo. Auf der rechten Seite steht der PavilhãoCarlos Lopes.
Lissabon ist auf 7 Hügeln erbaut worden, und dementsprechend gibt es viele Steigungen. Darum haben sich die Lissabonner etwas einfallen lassen, so dass neben den Aufzügen solche Bahnen den fußmüden Touristen bergauf  oder -ab transportieren. Auch hier ist manchmal Schlangestehen angesagt, aber wir hatten Glück und konnten direkt einsteigen.
2. Tag: Baixa und Chiado
 
Am ersten Morgen haben wir es leider nicht geschafft, im Hotel zu frühstücken. Aber da wir ja direkt nebenan diesen Imbiss hatten, konnten wir uns dort für den Tag stärken….und eigentlich eher für 2…
Nach diesem Megasandwich war ich eigentlich schon mehr als satt, aber trotzdem konnte ich es mir nicht nehmen lassen, eines der typischen Puddingküchlein, die pasteis de nata, zu probieren. Sehr sehr lecker…
Kleiner Sprung in der Thematik….ich musste mit einem lieben Freund den Film IT gucken, und das, obwohl ich überhaupt kein Horrorfilmfan bin. Nicht, weil ich die Art Filme prinzipiell nicht mag, sondern weil ich ein echter Angsthase bin. Und so konnte ich auch nach dem Kinobesuch 2 Tage nicht schlafen…und was entdecke ich jetzt beim Sichten der Fotos… einen roten Luftballon….😎
Aber nun zurück zum Urlaub und den entspannten Dingen im Leben. Hier seht ihr den Elevador de Santa Justa, mit dem ihr zu einer Aussichtsplattform kommt. Oben angekommen hat man einen tollen Blick über Lissabon. Mit der Lisboacard ist die Fahrt kostenlos, und obwohl sie sehr kurz ist, solltet ihr das Anstehen in Kauf nehmen.
Die Karte lohnt sich übrigens für alle, die auch gerne ins Museum gehen. Zwar ist dort der Eintritt nicht frei, aber es gibt immerhin einen Rabatt. Außerdem ist sie auch gleichzeitig eine Fahrkarte, was wirklich praktisch ist. Wenn ihr sie im Netz bestellt, bekommt ihr einen Voucher, den ihr am Flughafen gegen die Karte eintauschen könnt.  Leider war eine meiner Karten, wir brauchten für den Zeitraum 2, defekt und wir mussten sie vorort umtauschen, was natürlich nicht so toll war, aber das der Flughafen von Lissabon nicht weit entfernt ist, konnten wir nach einer Stunde mit unserer Sightseeingtour weitermachen.
Nachdem wir ausgiebig den Blick genossen hatten sind wir in Richtung Igreja do Convento do Carmo geschlendert. Die Ruine, in der sich das Museu Arqueológico befindet, ist ebenfalls ein Besuch wert.
Ein Markenzeichen von Lissabon ist die historische Linie 28E. Der Reiseführer rät, an der Starthaltestelle einzusteigen. Um ehrlich zu sein, würde ich persönlich davon abraten. Die Wartezeit kann schon erheblich sein. Wir sind einfach zwischendurch eingestiegen, was überhaupt kein Problem war. Leider ist die Bahn ein beliebtes Jagdrevier für Taschendiebe, wie ich nach der Reise erfahren habe. Mir ist zum Glück nichts gestohlen worden, aber leider einem Bekannten.
Es ist auch sehr spannend die Fahrt von außen zu betrachten, da die Bahn sich durch enge Straßen kämpfen und dabei die enormen Steigungen und Gefälle meistern muss.
Es gibt viele Geschäfte, die nur Dosenfisch anbieten. Der schmeckt nicht nur lecker, sondern ist auch ein hübsches Mitbringsel für daheimgebliebene Fischliebhaber.
Der Praça do Comércio ist einer der schönsten Plätze Europas und mit seiner Lage direkt am Tejo auch bei Einheimischen sehr beliebt. Es gibt einen kleinen Stadtstrand und viele Möglichkeiten vom Großstadttrubel zu entspannen. Schön ist es, hier den Tag ausklingen zu lassen. Wenn die Sonne langsam untergeht, kann man an vielen Stellen bei einem Sundowner die blaue Stunde genießen.
 3. Tag: Alfama, Mouraria und Graca
Das war eine wirklich tolle Tour, die aber mal wieder unsere Kondition getestet hat. Besonders, weil wir die Strecke kurzentschlossen wieder hochgelaufen sind, um im Le Petit Café etwas zu Essen. Auch eine Empfehlung des Reiseführers, die genau zutraf. Es war super lecker und der Service sehr nett.
 Wir sind nicht nur den Essensratschlägen, sondern wie meistens auch den Tourempfehlungen von Herrn Beck gefolgt. Eine kleine Verschnaufpause kann man an einem weiteren tollen Aussichtspunkt machen. „Unserer lieben Frau vom Berge“ (Miradouro da Nossa Senhora do Monte)  ist außerdem ein beliebter Wallfahrtsort mit Marienstatue und kleiner Kapelle.
Auf dem Rückweg haben wir endlich einen Platz in der Linie 28 ergattert, mit der wir ganz bis zur Endstation durchgefahren sind. Aber wie gesagt, sind wir dann doch kurzentschlossen wieder zurück, um bei einem Essen Energie tanken zu können.
Und da wir schonmal da waren, und die blaue Stunde immer näher rückte, sind wir noch hoch zur Burg (Castelo de São Jorge), um von dort aus den Sonnenuntergang genießen zu können. Und, was soll ich sagen, ihr ahnt es sicher schon, auch von hier aus gibt es einen Rrundumblick…:-)

4. Tag: Avenidas Novas und Bairro Alto

Der Campo Pequeno ist eine Stierkampfarena, die aber geschlossen war, als wir gegen mittag ankamen.

In der Stadt wird viel renoviert und die Lissabonner scheinen den Wert ihrer historischen Bauwerke schätzen gelernt zu haben. Einzelne Fassaden, aber auch Bäume  werden zum Schutz mit Metallgerüsten abgestützt.
Das Museum Calouste Gulbenkian sollte auch auf jeder Sightseeingliste stehen. Es liegt in einem kleinen Park, der asiatisch gestaltet ist. Die Gebäude sind modern gehalten und setzten sich so von der Stadt ab. Es gibt ein Gebäude, das die moderne Sammlung beherbergt, mit der Gulbenkian persönlich nichts zu tun hatte. Er war eher an historischen bzw. antiken Gegenständen und Gemälden interessiert, die in einem anderen Bauwerk zu besichtigen sind. Sehr beeindruckend, wenn man bedenkt, dass dies seine private Sammlung war.
Ich verzichte hier darauf, euch noch mehr Exponate zu präsentieren. Die Libellendame war nur eines meiner Lieblingsstücke. Für den Rest müsst ihr selber vorbeischauen…
Der Besuch dieses Rooftoprestaurantes ist ein echtes Highlight und einen Besuch würde ich euch wärmstens empfehlen. Ebenfalls ein Tip aus dem Reiseführer. Wenn ihr allerdings nach 19 Uhr einen Tisch haben wollt, ist eine Reservierung notwendig. Es gibt Tapas, die etwas größer sind als normal und die Empfehlung des Kellners 3 für 2 Personen zu nehmen, passte genau. Wir haben uns daran nicht gehalten und noch Nr. 4 bestellt… Aber da wir früh da waren, konnten wir entspannt alles verputzen und zusehen, wie die Sonne langsam verschwindet…

5. Tag Sintra

Falls ihr nur für 2 oder 3 Tage in Lissabon seid, solltet ihr euch überlegen, ob ihr diesen Tagesausflug mitnehmen möchtet, denn die Zeit ist notwendig, um Sintra gesehen zu haben. Es lohnt sich auf jeden Fall, und da wir 5 Tage zur freien Verfügung hatten, war das für uns kein Problem. Der Zug fährt nicht ganz so häufig, darum ist es sinvoll, sich den Fahrplan im Netz anzuschauen.
Am Bahnhof in Sintra gibt es einige kleine Läden, in denen ihr frischen Proviant kaufen könnt. Mit Obst, Wasser und guten Laufschuhen haben wir uns auf den Weg gemacht. Eine Windjacke solltet ihr auch mitnehmen, da der Wind, trotz 27 Grad und Sonne, zumindest bei uns sehr eisig war.
Es gibt die Möglichkeit mit einem Bus oder per TuckTuck hoch zur Burg und zum Schloss zu gelangen. Wenn ihr fit seid, würde ich euch aber empfehlen, zu Fuß durch die tolle Parkanlage zu wandern. Der Aufstieg ist zwar recht anstrengend, aber die mit viel Liebe zum Detail angelegte Grünanlage lohnt die Mühe ganz bestimmt.
Im Schloss gibt es eine tolle Ausstellung. Für den Foody in mir war natürlich die Küche besonders interessant. Aber auch der Rest war sehr schön inszeniert.
Essen waren wir an diesem Tag ebenfalls in Sintra und mal wieder auf Empfehlung des Reiseführers bei Incomum. Auch hier Reservieren!

6. Tag 

An unserem letzten Tag haben wir uns einfach mal ein bisschen treiben lassen. Die meiste Zeit haben wir uns Bairro Alto mal bei Tageslicht angeschaut und sind u. a. in einem tollen Kaufhaus gelandet. Auch wenn die Gegend mehr für ihr Nachtleben bekannt ist, lohnt sich ein Besuch der vielen kleinen Boutiquen und Läden.


Oben auf dem Bild seht ihr den typischen getrockneten bacalhau. Und unten den Mercado da Ribeira. Ein Schlemmerparadies, in dem für bestimmt jeden Geschmack etwas dabei ist. Und ja, von Entspannung war dann doch keine Rede, denn wir sind an diesem Tag 2 mal vom Tejo hoch nach Bairro Alto und wieder zurück gelaufen, da wir uns einfach nicht entscheiden konnten, wo wir essen sollten…Wenn ihr das selber mal gemacht habt, wisst ihr, was ich meine…da ist der Muskelkater vorprogrammiert.

Unten seht ihr eine typische Lissabonner Nachspeise, die Papos del Anjo (Engelsbäckchen). Sie sehen nicht spektakulär aus, sind aber himmlisch lecker.

Zum Abschluss nochmal der Lissabonner ganzer Stolz, ihr Tejo bei Sonnenuntergang…
Tipps und ausführliche Hintergrundinfos im Reiseführer „Lissabon“:
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Text: © Melanie Kohlhaas, Bilder: © Melanie Kohlhaas

Melanie Kohlhaas ist Bloggerin und Fotografin und hat diesen schönen Beitrag über Lissabon auf ihrem Blog Caramelja veröffentlicht.

Vielfältig und bunt – der 37. DEKT in Berlin

Dass Berlin eine Reise wert ist, versteht sich von selbst. Auch wer kein Freund der Großstadt ist, fühlt sich öfters dabei ertappt, Berlin doch ganz nett zu finden. Kein Wunder, denn kaum eine Stadt in Deutschland bietet so viele verschiedene kulturelle Angebote wie unsere Hauptstadt.

 

Zwei Feste in einer Stadt

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Wahrzeichen der Stadt im Zeichen des Kirchentags

Besonders spürbar war dies am letzten Samstag im Mai. Am 27. Mai 2017 machten es sich gleich drei Gruppen zur Aufgabe, das Gesicht der Stadt zu verwandeln. Mit schillernden Farben zogen unterschiedlichste Menschen aus nah und fern in den Straßen umher. Geschmückt mit Fanschals und Trikots traf man sich an bunten Ständen und feierte – mehr oder weniger gemeinsam – gleich zwei große Feste. Der bunte Mix aus Rot, Weiß, Gelb, Schwarz und Orange mochte einige auf den ersten Blick verwirren. Denn während die einen dem DFB-Pokal-Finale zwischen Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund entgegenfieberten, trafen sich gleichzeitig tausende zu den Feierlichkeiten des „Lutherjubiläum“ auf dem 37. Evangelischen Kirchentag in Berlin.

Sehen und gesehen werden

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Graues Berlin?

Unter dem Motto „Du siehst mich“ (1. Mose 16, 13) versammelten sich von Mittwoch bis Sonntag zahlreiche Christen, aber auch Gläubige aus anderen Religionen, wie dem Judentum und dem Islam, Atheisten und generell Interessierte in Berlin. Alle zwei Jahre lädt die Evangelische Kirche Deutschlands ein, sich untereinander auszutauschen und friedlich so manches Streitthema zu diskutieren. Obwohl dieser Dialog durchaus christlich-protestantisch geprägt ist, finden so auch Menschen außerhalb dieses Glaubens interessante Angebote. Ob nun Diskussionen, Konzerte, Poetry Slams oder Theaterstücke, mit einem unfangreichen 500-Seiten-Programm war einiges zu erleben!

 

Große Themen – drängende Fragen

…oder Spiegel der Vielfalt?

Denn die Evangelische Kirche schaut hinaus in die Welt und sieht auf die brennenden Fragen in der Gesellschaft. Bei Podiumsdiskussionen, Gesprächsrunden und offenen Fragestunden standen beispielsweise PolitikerInnen, WissenschaftlerInnen und MenschenrechtlerInnen dem Publikum Rede und Antwort. Ein großes Thema war hier die Digitalisierung und die Rolle Deutschlands als Friedensbotschafter in aller Welt. Während auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor Bundeskanzlerin Angela Merkel und der ehemalige US-Präsident Barack Obama bejubelt wurden, mahnte Außenminister Sigmar Gabriel auf der Messe mehr Verantwortungsbewusstsein an.
Klatschen sei einfach. Doch diese Art der Zustimmung reiche leider nicht aus, um die Tendenz in Richtung Aufrüstung und Krieg zu stoppen und umzudrehen. Es müsse endlich wieder um wichtige soziale, religiöse und politische Themen geredet, diskutiert und sich gestritten werden – im positiven Sinne. So solle die  Gesellschaft sich beteiligen bei den Fragen um Frieden, Nächstenliebe und weitere große Themen die sich mit den aktuellen politischen Lagen verknüpfen lassen.

 

„Tragt Freundlichkeit in die Welt!“

Der Eröffnungsgottesdienst erzählt Geschichte und Geschichten der Stadt Berlin

Mit diesem Appell, sich mehr an der Gestaltung der Politik und des öffentlichen Lebens zu beteiligen, waren die Politiker nicht alleine. Mit viel Herz und Humor ermutigte auch Eckhart von Hirschhausen dazu, Freundlichkeit in die Welt zu tragen: Dies könne schon im ganz Kleinen Anfangen. Als Tipp empfahl er, ab und an eine Münze auf die Straße fallen zu lassen. Wer überraschendes Glück erlebe, sei danach nämlich viel hilfsbereiter. Neben aller Heiterkeit warnte der Klavier-Kabarettist Bodo Wartke in seinem Lied „Nicht in meinem Namen“ davor, vorschnell Religion als Streitursache zu missbrauchen oder missbrauchen zu lassen.

 

Spiel und Spaß sind genauso wichtig

Natürlich durfte neben diesen ernsten Themen auch der Spaß nicht fehlen. So gab es viel Raum und Zeit, sich bei Sport, Tanz und Musik oder dem Feiern eines gemeinsamen Gottesdienstes zu treffen. Besonders auf sich aufmerksam machten mit Spiel und Spaß das Zentrum Jugend und das Zentrum Kinder: Hier war es dank vieler Mitmach-Aktionen laut und bunt.

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Abschlussgottesdienst in Wittenberg

Auch der Markt der Möglichkeit, der Markt der Innovation und andere Zentren boten vielfältige Angebote. Wer auf der Suche nach Impulsen und Antworten zu verschiedenen Themen suchte, war hier bestens aufgehoben. Seinen Abschluss fand der 37. Kirchentag dieses Jahr ausnahmsweise fernab vom eigentlichen Veranstaltungsort. Zu einem letzten Festakt – dem Abschlussgottesdienst – machten sich viele der Besucher auf nach Wittenberg.

 

„Hier stehen wir – und wollen anders. Jetzt gehen wir – und können anders!

Nun blicke ich nach ein paar Tagen zurück und frage mich was bleibt, von diesem Event und dem Wunsch anders zu handeln und Teil einer Friedensbewegung zu sein?
Für mich bleibt die Erfahrung, Teil einer unglaublich vielfältigen Weltgemeinschaft sein zu dürfen. Die Hoffnung, dass viele Menschen lieber Frieden suchen als Streit, egal aus welcher Region, Religion oder Orientierung sie kommen und der Wunsch Berlin als Stadt bald genauso bunt und weltoffen wiederzusehen.

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Kerzenmeer zum Ausklang des Tages in der Messe Berlin

 

 

Text: Saskia B. Vortisch

Fotos: Saskia B. Vortisch

Infos: https://www.kirchentag.de/

 

San Marco – Refugio mit Familientradition

Hoch auf einem Felssporn thronend ist das Refugio San Marco die älteste Schutzhütte in den Dolomiten. Wanderer werden hier von drei Generationen der Familie Ossi herzlich empfangen und köstlich bewirtet.

Am Warmwasser scheiden sich bekanntlich die Geister. Natürlich kommt man gut ein paar Tage ohne aus, aber warum selbst in Hütten mit der Anmutung einer Autobahnraststätte nur eiskaltes Wasser aus der Leitung läuft, lässt sich einer Solarzelle wohl kaum vermitteln. Und wie lange hält die Münze durch, falls es doch einen Duschautomaten gibt? Egal. Das Rifugio San Marco hat einen sensationellen ‚Wellnessbereich’ zu bieten: eine Warmwasserdusche unter freien Himmel. Mit dem schroffen Massiv der Marmarole im Genick und den zerzausten Spitzen der Cinque Torri im Blick, kann man genüsslich den Staub und Schweiß von den geschundenen Knochen spülen.

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Königlicher Blick auf den Monte Pelmo

Das mag auf eine falsche Fährte führen, denn die kleine Schutzhütte aus Naturstein besticht vor allem durch ihre Ursprünglichkeit – und die Herzlichkeit der Wirtsfamilie. Während die Enkel Emma und Marino Lolek mit dem zotteligen Hund Bongo auf der Wiese herumtollen, pflückt Oma Iva in dem kleinen Gemüsegarten Salat fürs Abendessen. Opa Marino Ossi schmeißt die Bar und späht mit dem Fernglas auf die Forcella, ob alle Bergsteiger auch wieder heil zurückkehren. Dann kommt Tanja mit ihrem Block auf die Terrasse und trägt jedem Gast persönlich vor, was die Küche Köstliches zu bieten hat: erster Gang, zweiter Gang – dolce vita.

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Opa Marino schmeißt die Bar, Hund Bongo begrüßt die Gäste und Mutter Tanja kocht.

Ein richtiger Familienbetrieb, jeder macht mit, jeder mischt mit, und hinter den Kulissen wird auch mal gezankt: ‚Wir sind doch kein Autogrill’ schimpft Tanja, wenn im August die Sommerfrischler Latte Macchiato bestellen. Der Opa geht die Sache etwas entspannter an: Kaffee ist Kaffee, und wenn’s ihm zu bunt wird, heißt es einfach: bar chiuso. Dann muss Tanja einspringen: bedienen, putzen, waschen, und der Oma in der Küche helfen: Vollgas von früh bis spät, da macht sie mehr Strecke als ein Tourengänger.

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Salat und Gemüse vom Garten direkt auf den Tisch

Seit 17 Jahren bewirtet die Familie Ossi das Rifugio, das auf einem Felsvorsprung am Fuße der Cima Bel Pra wie ein Adlerhorst über den Cadore-Tal thront. San Marco ist die älteste Schutzhütte in den Dolomiten, im Jahre 1895 vom Venezianischen Alpenverein errichtet, und trotz kleiner Umbauten und all den Brandschutzauflagen hat sie ihren ursprünglichen Charme bewahrt. Behutsam hält Marino Ossi mit seinen Tischlerarbeiten die Hütte im Stand. Alles ist stimmig, bis ins kleinste Detail – oben im Waschraum plätschert nur kaltes Wasser aus dem Hahn.

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Auf einem Felssporn über dem Cadore-Tal

Das Rifugio San Marco ist wirklich ein Zufluchtsort, und ein grandioser Logenplatz. Hauptdarsteller in dem steinernen Spektakel ist der König der Dolomiten, der Antelao. Mit seinen steil aufragenden Felsplatten scheint er den Himmel kitzeln zu wollen, während um seine Krone kleine weiße Wölkchen tänzeln. Ein imposanter Riese direkt vor der Haustür, zum Greifen nah, und doch in weiter Ferne. Seit einem gewaltigen Bergsturz auf dem Plattenschuss der Laste im Herbst 2014 wird aus Gefahr vor weiteren Abgängen von dem Aufstieg auf dem Normalweg abgeraten. Und auch die anderen Gipfel rund um San Marco haben es in sich: die Sorapiss-Umrundung, oder die Durchquerung der Marmarole entlang der Dolomitenhöhenwege: ‚Luftige Kletterei’ würde Hauleitner sagen.

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Auf der Marmarole-Runde

Für Bergsteiger, die auf allzu ausgesetzte Turneinlagen verzichten möchten, hat Edi, der Mann von Tanja und ausgebildeter Bergführer, eine montane Umrundung der Marmarole ausgetüfftelt. In vier bis fünf Tagen geht es durch das wildromantische Hochtal von St. Vito, abseits der ausgetretenen Steige rund um den Falzarego-Pass, in einen nahezu vergessenen Teil der Dolomiten, eine stille fast verwunschene Landschaft. Und auf der Südflanke des ‚marmonen’ Massivs scheinen sich die Hüttenwirte fast zu überschlagen, um kulinarisch mit der Familie Ossi mithalten zu können.

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In gut ausgeschilderter Einsamkeit trifft man höchstens mal auf einen Steinbock.

Eine geschmeidige Tour zum Saisonauftakt oder auch für Familien. Und das besonders Schöne an der Runde ist, dass man zum Abschluss wieder auf San Marco landet. Wenn man oben auf der Forcella Piccola in der tief stehenden Abendsonne das rote Dach der Hütte glänzen sieht und die Fußsohlen bereits brennen, geht es nur mehr ‚hangparallel’. Bald hört man Bongo bellen, dann ist es geschafft. Erstmal die Stiefel runter und einen Aperitif in dem kleinen Pavillon auf dem Felsvorsprung schlürfen – mit Blick auf seine Majestät. Und dann kommt auch schon Tanja rüber und fragt: primo, secondo? – Duschen nicht vergessen!

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Fantastische Belohnung nach der Wanderung: Gipfelglühen

Text: Paul Mayer

Fotos: Thilo Mössner

Infos: Webseite: Rifugio San Marco

Lage: in den östlichen Dolomiten auf dem Col de chi da Os auf 1.823 m ü. M. bei Cortina d’Ampezzo

Öffnungszeiten: Mitte Juni bis Ende September. Dieses Jahr eröffnet die Hütte am
20. Juni 2017.

Rifugio San Marco auf YouTube: